Weberquartier-Planung: Technischer Beigeordneter reagiert auf öffentlich geäußerte Kritik
„Borghorst braucht Erneuerung“

Borghorst -

Die Weberquartier-Planung befindet sich auf der Zielgeraden – muss aber viel Kritik einstecken. Zum Beispiel von Reinhard Niewerth und Architekt Bernard Hillebrand. Jetzt hat der Technische Beigeordnete Hans Schröder Stellung bezogen und die große Bedeutung des Projekts für die künftige Stadtentwicklung Borghorsts herausgestellt.

Sonntag, 02.05.2021, 17:47 Uhr
Die Weberquartier-Planung, im Bild eine Visualisierung des Siegerentwurfs, muss auf der Zielgeraden
Die Weberquartier-Planung, im Bild eine Visualisierung des Siegerentwurfs, muss auf der Zielgeraden Foto: Kempe Thill/rs

Der Anlass schien ihm gegeben – um der Sache willen: In einem Pressegespräch hat der Technische Beigeordnete Hans Schröder am Freitagnachmittag Stellung zu der von seinem Vorgänger Reinhard Niewerth und von Architekt Bernard Hillebrand in dieser Zeitung geäußerten Kritik an der Weberquartier-Planung bezogen. Wie berichtet, hatten beide die auf dem rund 26 000 Quadratmeter großen Areal vorgesehene Errichtung des „Mauritius Health & Care Campus“ in der Form, wie sie sich derzeit darstellt, als im Vergleich zur bestehenden, umliegenden Bebauung und zur Stadtstruktur Borghorsts allgemein als zu massiv und überdimensioniert bezeichnet. Schröder indes sieht dies anders – und stellte die große Bedeutung des Projekts für die künftige Stadtentwicklung Borghorsts heraus: „Borghorst braucht eine Erneuerung und der Gesundheitscampus ist ein entscheidender Baustein dafür.“

Der Baudezernent stellte in dem fast zweistündigen Gespräch nochmals sämtliche Modelle vor, die in das dem aktuell laufenden Bebauungsplanverfahren vorgeschalteten städtebaulichen Qualifizierungsverfahren eingeflossen waren. Der Sieger-Entwurf des Ateliers Kempe Thill aus Rotterdam habe die Jury seinerzeit aus mehreren Gründen überzeugen können. Auch er sehe diese Vorzüge, wenngleich er viel Respekt auch vor den weiteren drei Vorschlägen, darunter auch den von Bernard Hillebrand, habe. In der Gesamtheit jedoch sei der Kempe-Thill-Entwurf zu Recht als Sieger gekürt worden. Er impliziere rationellen Städtebau und damit eine wirtschaftliche Umsetzbarkeit, lasse Luft für variable Lösungen und lege im Besonderen Wert auf Aufenthaltsqualität und Attraktivität auch für externe Besucher. Dies sei wichtig in Bezug auf die neue Stadtachse, die sich vom Gesundheitscampus über Nikomedes- und Münsterstraße bis zum BWS-Center ziehen soll.

Die von Reinhard Niewerth kritisierte schlechte Anbindung des Gesundheitscampus aufgrund der geplanten Ost-West- und Nord-Süd-Achsen-Ausrichtung sieht Schröder nicht. Der Technische Beigeordnete blickt in diesem Zusammenhang auf das UKM-Marienhospital und dessen Modernisierungspläne. Das UKM plane eine Ausrichtung des gesamten Eingangsbereichs in Richtung der künftigen Reha-Klinik. Dort ende an der geplanten Kindertagesstätte auch die Nord-Süd-Achse, so dass eine attraktive Verbindung gegeben sei.

In der Massivität der geplanten Gebäude, neben Reha-Klinik sind dies Pflegeimmobilien und Wohngebäude, sieht Schröder keine Auswüchse. Die Form müsse der Funktion folgen und erfordere eine gewisse Größe. Der Kempe-Thill-Entwurf habe die Baukörper-Vorgabe des Auslobungstextes sehr gut umgesetzt. Die Geschossigkeit gehe nicht über vier hinaus, ganz im Gegensatz zum Beispiel zur Hillebrand-Planung, die sogar einen sechsgeschossigen Bau vorgesehen hatte. Der Technische Beigeordnete verweist in diesem Zusammenhang auch auf die Tradition des Standorts. Die zur Hochzeit des Kock-Unternehmens dort aufstehenden Industriegebäude seien massiv und eng gedrängt gewesen. Ganz neu seien größere Gebäude dort also nicht.

Bezogen auf die Kritik an der räumlichen Enge unterstrich Schröder, dass genug Offenheit bleibe. „Es wird keine klaustrophobischen Räume geben“, betonte er. Der Bebauungsplan lasse genügend Freiheit, um Veränderungen einzubringen. Schröder nennt beispielhaft die von Niewerth kritisierte Massivität des Reha-Klinik-Blocks selbst. Es sei ohne Probleme möglich, den Innenhof zu öffnen, in dem man den durchgehenden Quader aufbreche und ihn zu zwei L-Stücken mache. Im übrigen sei der Innenhof groß und lichtdurchflutet. Ein Gefängnischarakter, wie Niewerth kritisiert, sei nicht gegeben.

Schröder versicherte abschließend, dass alle eingebrachten Bedenken und Anregungen im laufenden B-Plan-Verfahren im Rahmen von Gesprächen mit den Einwendern und im weiteren politischen Beratung- und Entscheidungsprozess Berücksichtigung finden werden, „so wie in jedem anderen Bauleitplanverfahren auch“. Er warnte zugleich davor, das Projekt kaputtzureden. Es seien zahlreiche Vorleistungen sowohl von Seiten der Stadt und vom Investor IGP aus Berlin getätigt worden. „Wir sind insgesamt so weit wie noch nie – und es ist bekannt, wie viele Anläufe bereits unternommen worden sind“, so Schröders Appell, sachlich zu bleiben. Man habe aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt. Der Investor möchte gern entwickeln, nehme mehr als 100 Millionen in die Hand, die Politik habe grundsätzlich grünes Licht für die Planung gegeben.

„Der Gesundheitscampus ist eine große Chance für Borghorst und die Stadt und die ideale Ergänzung zum anliegenden UKM-Marienhospital, das zum Glück am Ort gehalten werden konnte“, so der Technische Beigeordnete abschließend.

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