Tecklenburg
Die werte Kundschaft von der Hansalinie

Montag, 22.10.2007, 14:10 Uhr

Tecklenburger
Land. „Diesen Beruf müssen Sie mit Liebe machen!“ Wenn Otmar Sauer das sagt, glaubt man ihm. Wer 36 Jahre Küchenchef einer Autobahnraststätte war, wer drei Pächter-Gespanne erlebt hat, wer all die ungezählten Wochenenden, Sonntage, Weihnachten und Silvester Dienst schieben durfte, der hält das wohl nur durch, wenn er mit ehrlicher Leidenschaft kocht.

Doch jetzt ist Schluss. Am 31. Oktober. Nach fast punktgenau 36 Jahren Job als Chefkoch auf Tecklenburger Land-West ist Feierabend. Dann wird Sauer 65 Jahre alt sein und endlich sein Ferienhaus in Schweden mit seiner Frau Helga und den längst erwachsenen Kindern etwas öfter genießen können. „So einen kriege ich niemals wieder“, sagt Hans-Joachim Otminghaus etwas wehmütig. Seit fünf Jahren ist er Pächter der Raststätte.

Immer da, immer voller Einsatz, auch nach der Umstrukturierung zum Selbstbedienungsrestaurant an vorderster Kunden-Front, das ist Otmar Sauer. Früher, erinnert er sich, da habe es Speisen nur a la carte gegeben, sei alles, aber wirklich alles frisch zubereitet worden. Selbst den Salat habe er einzeln angemacht. Dafür war die Raststätte Tecklenburger Land-West unter ihrem ersten Pächterduo, Helmut Genzow und Herbert Fechner, bald bekannt. Wer auf der Bahn lag und schick essen wollte, der hielt an bei Tecklenburger Land-West.

Als Sauer kam, hatte er schon eine Silbermedaille auf der Internationalen Kochkunstausstellung in Frankfurt geholt und über ein Dutzend Stationen hinter sich. Gekocht im „Haus Oranien“ Fulda, am Tegernsee, in Nürnberg und in Schweden, wo er seine spätere Frau Helga kennenlernte. Und dann, ab Oktober 1971, Chefkoch an der Autobahn. Die Hansalinie hatte Verkehrminister Georg Leber vor gerade drei Jahren eingeweiht, auf hochwertige Gastronomie wurde in den Raststätten viel Wert gelegt.

Bedienung war selbstverständlich – und personalintensiv: Über ein Dutzend Mitarbeiter zählten damals zum Team. Wohl an die 50 Gerichte bereiteten Sauer und Kollegen zu. Viel Stammkundschaft, auch aus der Region, wusste diese erstklassige Küche zu schätzen.

Später, unter dem neuen Pächterduo, Heinz Schuhmacher und Herbert Wauligmann, bröckelte es nach und nach. Schneller musste das Essen jetzt gehen. Wer wollte schon noch flambierte Speisen? Der große, etwas plüschige Speisesaal blieb immer öfter leer.

Vor fünf Jahren dann die radikale Umstellung, die auch Profi Sauer etwas Angst machte: „Free flow“ heißt das heute. Der Kunde schaut, geht durch, bedient sich hier oder dort an den Theken, zahlt für sein mehr oder weniger gefülltes Tablett und geht damit zum Tisch. Bedienung war gestern.

So musste sich Sauer angewöhnen, tiefgekühlte Nudeln zur Fertigsauce (was durchaus schmecken kann) aufzutischen. Viel mehr Fertigspeisen, viel weniger Gerichte (um die 20) und Kollegen: Heute kommt die Küche mit sechs Leuten aus. Wohlgemerkt: Es ist an 365 Tagen rund um die Uhr geöffnet. Der Chefkoch hat Gastro-Trends über Jahrzehnte begleitet, früher „a la minute“ das Fleisch zubereitet.Heute ist in einer Minute das Nudelgericht fertig. Auch Küchenzeiten ändern sich.

Am 31. Oktober macht Otmar Sauer den Raststättenherd aus, dann gibt es einen kleinen Abschied. Doch kochen wird der Tecklenburger weiter, aus Leidenschaft und nur ganz privat. Zum Beispiel westfälische Gerichte, denn bei ihm ist es wie so oft bei den echten Profis: Deftige, einfache Speisen mag er am liebsten. Blutwurst mit Bratkartoffeln sind seine Leibspeise, die bekommt man in der Raststätte nicht.

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