Tecklenburg
Wehr kämpft mit engen Gassen

Sonntag, 28.10.2007, 11:10 Uhr

Tecklenburg . Hilfeschreie aus der Jugendherberge . Ein junger Mann schleppt sich hustend ins Freie, bleibt dann jedoch verletzt im Eingangsbereich liegen. Weitere Jugendliche scheinen im dichten Qualm die Orientierung verloren zu haben, schreien nun lautstark um Hilfe. Als sich die ersten Tecklenburger Feuerwehrkameraden mit ihrem Löschfahrzeug Minuten später den Weg durch die enge Zufahrt zum Ort des Geschehens bahnen, können sie nur erahnen, welch „dramatische“ Szenen sich im Inneren der Herberge abspielen und vor allem keinesfalls wissen, dass es sich bei dieser Situation lediglich um die alljährliche Herbstübung der vier Tecklenburger Löschzüge handelt.

Die Informationen, die die Feuerwehrmänner am Samstagmittag von der Kreisleitstelle erhalten, sind spärlich. „Anruf durch Jugendherberge, Rauchentwicklung im Keller“, lautet die Anweisung und führt dazu, dass sich die ersten Kameraden mit Atemschutzgeräten ausgestattet auf die Suche nach Verletzten begeben, nachdem zuvor die Wasserentnahme durch den nahen Hydranten sichergestellt worden ist. Die meisten Gäste sind in der Zwischenzeit vom Herbergsteam um Betriebsleiter Dominik Peters ins Freie und zum nahen Verletztensammelplatz geleitet worden, wo sie von den fünf alarmierten Notärzten um Dr. Georg Reitemeyer, Rettungssanitätern und den 36 anrückenden Rotkreuzlern der Einsatzeinheit Ost versorgt und betreut werden.

Auf dem Parkplatz am Burggrafen fahren die Hörsteler Kameraden mit dem Gerätewagen Rettung vor, bauen in Windeseile zwei Betreuungszelte für die Verletzten auf und unterstützen die vier Löschzüge aus Tecklenburg, Ledde, Brochterbeck und Leeden mit Tragen und weiteren Materialien. Zu Fuß müssen die meisten Hilfsmittel zum Unglücksort gebracht werden, während die Atemschutztrupps weiterhin fieberhaft das Gebäude durchsuchen und insgesamt zehn verletzte Personen – in diesem Fall geschminkte Mitglieder der Jugendfeuerwehr Lengerich – mit Rauchgasvergiftungen und Knochenbrüchen bergen.

Ein anstrengender Knochenjob für die Mannen um Einsatzleiter Udo Kreimeier . Denn da mehr als zwei Löschfahrzeuge an der Jugendherberge nicht stationiert werden können, müssen die Verletzten nicht nur aus der Gefahrenzone, sondern nach der ersten Versorgung über eine lange Wegstrecke auch runter zum Parkplatz gebracht werden. Entsprechend eindringlich ist auch der Appell der neutralen Beobachter der Großübung während der anschließenden Manöverkritik zu verstehen. „Gerade bei den problematischen Begebenheiten vor Ort muss auf eine umfassende Nachalarmierung geachtet werden. Denn hier tritt die Brandbekämpfung fast schon in den Hintergrund. Es geht vorrangig um Menschenrettung und den Verletztentransport“, zeigt Dieter Krawietz, Leiter der Kreisleitstelle, stellvertretend einen Knackpunkt auf.

Fast eineinhalb Stunden ziehen ins Land. Dann wird die Übung von Udo Kreimeier und Stadtbrandinspektor Wilhelm Kortlüke, für den es die letzte Herbstübung war, beendet. Beide ziehen ein positives Fazit, ohne verhehlen zu wollen, dass an der einen oder anderen Stelle noch etwas nachgearbeitet werden müsse und dass es einen tatsächlich Verletzten gegeben habe. Wichtig sei die Zusammenarbeit mit verschiedenen Organisationen, beschreiben die Beiden die wesentlichen Übungszwecke des furchtbaren Szenarios. Und die habe reibungslos geklappt.

Wie wichtig eine derartige Großübung mit insgesamt 128 Einsatzkräften war, verdeutlichen Bürgermeister Wilfried Brönstrup und Herbergsvater Dominik Peters. In einer Behördenstadt wie Tecklenburg komme es an vielen Orten immer wieder zu großen Menschenansammlungen, sagt Brönstrup und Peters weist auf die Größe der Jugendherberge hin. Während der Woche seien bis zu 150 Personen in dem großen Gebäude am Burgberg. Keine einfache Situation für die Einsatzkräfte, die am Samstag bis an die Leistungsgrenze gehen mussten. Und für die diese Übung einen sehr lehrreichen Charakter gehabt haben dürfte.

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