Tecklenburg
Auf verschlungenen Wegen über den Berg

Donnerstag, 06.12.2007, 18:12 Uhr

Tecklenburg . Der Wellenberg als historische Poststraße ist ein gutes Anschauungsobjekt für Nostalgiker und Möchtegern-Kutscher, die solche alten Wege vielleicht gerne einmal ausprobieren würden. Die Post von Lengerich nach Westerkappeln und Lingen fuhr nicht über die Tecklenburger Straße und den Sundermanns Knapp, um nördlich der Bashake den Alten Postweg in Exterheide zu erreichen.

Die Postillione benutzten vielmehr in Lengerich die Bergstraße und bogen am Brandteich halblinks zur Straße Am Kleeberg ab. 120 Meter vor deren Linkswendung auf den Kammweg ging es nordwestlich über einen heute zugewachsenen Waldweg, der nur noch an einem Fußpfad zu erkennen ist, um im Schräganstieg, parallel zur Kleebergstraße und südlich am Funkturm vorbei, den Höhenweg am Ostende des Canyons zu erreichen.

Vor dem schmalen Abstieg zur Bashake bog der Postweg rechtwinklig nach Norden ab. Man kann ihm noch bis zu dem Hochsitz folgen. 120 Meter südlich der Autobahn blieb von der Straße Am Kleeberg aus ein 130 Meter langer Ackerweg als Verbindungsstück erhalten. Solch eine Spitzfindigkeit entdeckt man nur in Le Coqs Karte von 1805, die man dann mit der Deutschen Generalkarte 1:5000 (Nr. 3713/25) vergleicht. Den Brandenberg überwand die Post über holprige Serpentinen. Die Verbindung von der Bashake zum Postweg ist erst in der Preu-ßischen Uraufnahme von 1842 verzeichnet.

Noch mehr Nervenkitzel gefällig? Da sollte man sich einmal den alten Hof „ Schulte up dey Reste“ anschauen. Er lag an der Straße von Lengerich nach Tecklenburg, hatte früher die Adresse Lengerich-Antrup 5, jetzt Tecklenburger Straße 224. Zuletzt wohnte in dem renovierten Fachwerkhaus von 1785 eine Familie Knüppe. Dieser Schultenhof war älter als die Meesenburg, wurde dem Adelssitz jedoch später zugeordnet. Der Schulte hatte die Aufsicht über einige „Hintersassen“, überwachte etwa die Ablieferungen ihrer Naturalien an den Landesherrn (Altsächsisch sculdhetio – Schuld heischen, einziehen). Etwas Überraschendes verrät der Name „up dey Reste“. Er be-deutet „auf dem Rastplatz“ (mittelhochdeutsch „rest, reste“ - Rast, Ruhestätte).

Hier konnten Reisende vor dem Steilpass zur Tecklenburg ausruhen, während Reparaturen ausgeführt, die Pferde gewechselt und zwei weitere Rosse vorgespannt wur-den. Das konnte länger dauern, so dass es wohl eine Gaststätte gab, die später durch die Wirtschaft an der Bashake ersetzt wurde. Der Rastplatz lag auf dem Eckgrundstück (heute Wiese) zum Exterheider Damm.

Die preußische Reitpost von Bielefeld über Lengerich und Tecklenburg nach Lingen wurde im Siebenjährigen Krieg (1756 bis 1763) zur Wagenpost ausgebaut. Der Postverkehr nahm schnell zu, so dass ab 1760 einige Begleitwagen der Postkutsche folgten. Sie nahmen die Abkürzung über den Kleeberg zum Brandenberg. Nur der Schwager vorne auf dem gelben Wagen steuerte die Burgstadt an. Vor dem Hupenberg an der Westerkappelner Straße traf der Zug wieder zusammen (E. Goldmeier).

Schulte up dey Reste widerspricht der verbreiteten Meinung, die „Berliner Post“ von Bielefeld nach Lingen sei an Tecklenburg vorbei über Brochterbeck und Ibbenbüren gefahren, weil die Postkutscher die steilen Berg- und Talfahrten scheuten. Zumindest während der Sommermonate ging es den „Tiefen Weg“ hoch.

Für den Schulten war der Rastplatz wohl ein lohnendes Geschäft. Schon 1785 errichtete Johann Wilhelm Schulte das noch stehende renovierte Haus. Obendrein lieh er 1809 seinem Grundherrn und Eigentümer der Meesenburg, Georg Moritz Ludwig Ernst von Blomberg, 600 Reichstaler gegen jährliche Zinsen von 18 Talern in Gold (H. Schlüter). Wer möchte da nicht gerne den Euro wieder umtauschen?

1816, vor dem Verkauf der Meesenburg, schloss der Freiherr einen Taxations-Vertrag mit dem Colon Schulte, der danach von allen Verpflichtungen befreit war, und dem dann der Hof (ohne Leibzucht und Heuerhaus) gehörte. Blomberg war übrigens seit 1799 Landrat in Tecklenburg, 1803 auch Kriegs- und Domänenrat und ab 1811 Maire (Bürgermeister in der Franzo-senzeit) von Lengerich.

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