Tecklenburg
70 Jahre jung und topp in Schuss

Freitag, 30.05.2008, 21:05 Uhr

Tecklenburg . „Wir haben Grund zum Feiern am 1. Juni“, erzählt Dominik Peters (29), Betriebsleiter der örtlichen Jugendherberge . „Die Jugendherberge Tecklenburg wird 70 Jahre alt!“ Dieser Geburtstag soll natürlich nicht ereignislos verstreichen. Darum hat der Herbergsleiter für den Tag der offenen Tür, zu dem die Herberge seit einigen Jahren regelmäßig im Sommer einlädt, einen besonders festlichen Rahmen vorgesehen.

Die Geburtstagsfeier wird am Sonntag um 14 Uhr beginnen. Die Öffentlichkeit ist hierzu eingeladen. Adresse der Herberge: Am Herrengarten 5. Peters: „Wir freuen uns über jeden, der die Jugendherbergsidee gutheißt und mitfeiern möchte.“ Als Ehrengäste zum runden Geburtstag werden Bürgermeister Wilfried Brönstrup und Joachim Barbonus, erster Vorsitzender des Deutschen Jugendherbergswerkes (Landesverbandes Westfalen-Lippe), dabei sein. Barbonus und Brönstrup werden jeweils ein Grußwort überbringen und den Festtag eröffnen. Anschließend ist das Kuchenbüfett eröffnet, Kaffee und Kaltgetränke werden angeboten. Für den kleinen Hunger wird es Würstchen vom Grill geben.

Wer die Jugendherberge erkunden möchte, hat Gelegenheit, an einer der stündlichen Hausführungen teilzunehmen. Für die Kinder ist im Hof eine Hüpfburg aufgebaut, Mitarbeiterinnen der Herberge werden wieder das beliebte Kinderschminken anbieten. Die Organisation „Terre des Hommes“ wird mit einem Info-Stand vor Ort sein. In Text und Bild wird auf verschiedenen Stellwänden allerlei Interessantes zum 70-jährigen Bestehen des Jugendherbergswesen im Burgstädtchen zu sehen und zu lesen sein.

Die Ausstellung wird unter anderem über folgendes informieren: Ab den 1920er Jahren gab es an wechselnden Orten in Tecklenburg gleich mehrere Herbergen für die wandernde Jugend. Die erste Jugendherberge im Altkreis Tecklenburg war im Gartenhaus des Amtsrichters Siedhoff (auf dem Gelände des heutigen Dienstgebäudes des ehemaligen Kreisjugendamtes) untergebracht und verfügte über zwei Betten und sechs Strohlager.

Anmeldungen nahm die „Frau Amtsgerichtsrat Siedhoff“ entgegen, die Übernachtung kostete 50 Pfennige. Da das Gartenhaus viel zu klein war, fand die wandernde Jugend von 1922 bis 1926 in der Remise des damaligen „Burggrafen“ ein Quartier. Der damalige Herbergsvater übernahm den Posten als Nebenbeschäftigung: Hauptamtlich war Justizwachtmeister Naumann Leiter des Tecklenburger Gefängnisses. Nach der Kündigung durch den „Burggrafen“ wurde die Villa Siedhoff, in deren Gartenhaus sich die erste Tecklenburger Herberge befunden hatte, zur „Bodelschwingh-Jugendherberge“ umgebaut.

Doch 1936 wurde das Haus zur Schaffung einer Reichsarbeitsdienststelle „umgewidmet“, Tecklenburg hatte seine schöne Jugendherberge wieder verloren. Im Sommer 1937 wurde der Grundstein zu einem Neubau gelegt. Die Jugendherberge entstand dort, wo sie bis heute zu finden ist: In unmittelbarer Nähe des Burggeländes und der damals gerade neu gestalteten Freilichtbühne. Namenspate war zunächst der regional prominente Nationalsozialist Viktor Lutze aus Bevergen, der als Nachfolger Röhms zum Stabschef der SA ernannt wurde.

Während des Zweiten Weltkriegs waren Jugendherbergen im Zuge der Gleichschaltung in das Heimstättenwerk der Hitlerjugend eingegliedert. Damit bestand die Jugendherberge Tecklenburg ab 1942 nicht mehr. 1947 wurde der Herbergsbetrieb unter dem Namen „Ferdinand-Eimermacher-Jugendherberge“ wieder aufgenommen.

Im ersten Jugendherbergsverzeichnis der Nachkriegszeit ist Tecklenburg mit 30 Betten die einzige Jugendherberge im nördlichen Westfalen . Nach dem Münsteraner Fabrikanten, Ballonfahrer und Förderer des Jugendherbergswesens ist die Tecklenburger Jugendherberge bis heute benannt.

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