Tecklenburg
„Das kennt kaum jemand“

Donnerstag, 30.06.2011, 20:06 Uhr

Tecklenburg / Lengerich /Tecklenburger Land - Philip Schumacher ist einer der letzten seiner Art. Der 19-Jährige macht Zivildienst bei den Ledder Werkstätten - noch bis November 2011. Mit ihm sind aktuell noch zwei Kollegen im Einsatz. 38 anerkannte Stellen für Zivildienstleistende hatten die Ledder Werkstätten (LeWe) bislang. Durch den Wegfall des Wehrdienstes ist auch der Zivildienst zum Auslaufmodell geworden. Stichtag ist der 1. Juli. Jetzt kommt der Bundesfreiwilligendienst.

Zu den 38 Stellen gab es weitere 16 für Leute, die ein Freiwilliges Soziales Jahr ableisten wollten.

Obwohl die anfallende Arbeit gleich geblieben ist, gibt es zum 1. August nur noch 26 Plätze - für BFD, FSJ und Diakonisches Jahr zusammen. „Die Zahl der Praktikanten wird dazu erheblich steigen“, erläutert Jörg Birgoleit, zuständig für Öffentlichkeitsarbeit bei den Ledder Werkstätten (LeWe).

Schon weit im Vorfeld des Stichtages hätten sich die Werkstätten um Freiwillige erfolgreich bemüht. „BFD-Leute sind aber kaum darunter“. Trotzdem gebe es gleichsam eine Halbierung der Stellen. Das hänge auch mit den Kosten zusammen, betont Birgoleit. Für BFD-ler müssten die Einsatzstellen zum Beispiel Sozialabgaben und Beiträge übernehmen, da durch ein solches Engagement Rentenanwartschaften geschaffen werden.

„Das ist eine ganz blöde Situation für uns“, richtet Sonja Bender-Neundorf , Geschäftsführerin der Haus Widum gGmbH, der Seniorenzentrum Gempt gGmbH und der Seniorenheim Ladbergen gGmbH, sorgenvoll die Blicke auf den Stichtag. Der Wegfall des Zivildienstes bedeute erhebliche Kraftanstrengungen, bislang angebotene Leistungen noch erfüllen zu können. In den drei Seniorenheimen in Lengerich (2) und Ladbergen waren bislang acht Zivildienstleistende entweder in der Betreuung oder im technischen Dienst tätig. Eine Stelle läuft noch bis zum 31. Juli. Im Rahmen des neu geschaffenen Freiwilligendienstes hat es lediglich eine Bewerbung gegeben. „Der jetzt zusätzliche Arbeitsanfall kann nur durch Umorganisation, wenn überhaupt, bewältigt werden. Notfalls müssen im technischen Bereich Firmen beauftragt werden“, zuckt Bender-Neundorf mit den Schultern. Der neu eingerichtete Bundesfreiwilligendienst sei noch zu wenig bekannt und werfe noch viele Fragen auf. So sei vielen nicht bekannt, dass dieser Dienst sowohl für Frauen als auch für ältere Personen gelte.

„Wir haben keine Bewerbung auf den Bundesfreiwilligendienst“, schildert Horst Heuermann, Leiter der Schule in der Widum. Bislang sind dort sechs Zivildienstleistende im Einsatz gewesen. „Wir versuchen uns mit Praktikanten über Wasser zu halten“, so Heuermann. Zum anderen freut er sich, dass einige Ex-Zivis freiwillig weiter machen. „Die neue Situation reißt Löcher,, keine Frage“, bewertet Heuermann das Ende des Zivildienstes.

Birgoleit sieht im BFD „mittel- bis langfristig gute Chancen“ für die Ledder Werkstätten. Der Kreis potenzieller motivierter Bewerber sei deutlich größer als der derjenigen, die für den Zivildienst in Frage kamen. „Allerdings: Aktuell ist der Bundesfreiwilligendienst noch viel zu wenig bekannt.“

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/229605?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F187%2F702074%2F702081%2F
Liveticker: SC Preußen Münster – SG Sonnenhof Großaspach
Fußball: 3. Liga: Liveticker: SC Preußen Münster – SG Sonnenhof Großaspach
Nachrichten-Ticker