Brüder glänzend aufgelegt
Ein Duo voller Energie und Temperament

Tecklenburg -

Am Sonntagnachmittag taten dies der Cellist Wassily Gerassimez sowie der Pianist Nicolai Gerassimez mit einem Mammutprogramm von Felix Mendelssohn-Bartholdy bis ins Zeitgenössische. Das junge Brüderpaar glänzte mit kraftvollem Spiel und unerschöpflich scheinender Energie. Da wundert es wenig, dass das Publikum begeistert war.

Dienstag, 06.03.2012, 16:00 Uhr

Brüder glänzend aufgelegt : Ein Duo voller Energie und Temperament
Cellist Wassily Gerassimez (links) und sein Bruder, der Pianist Nicolai Gerassimez begeisterten mit Brillanten Interpretationen. Foto: Sunhild Salaschek

Im Zentrum des Konzertes standen acht 1991 komponierte Bagatellen für Cello und Klavier des deutschen Komponisten Wilhelm Killmayer (geboren 1927), der sich überwiegend dem Jazz zuwandte. Die erste Bagatelle trägt den Titel „Mit Laune sehr rasch“. So hätte der gesamte Nachmittag überschrieben sein können, denn auch dem Publikum machte es „Laune“, dem entschlossenen Spiel der Geschwister zuzuhören, und die Brüder selbst hatten – um es noch salopper zu sagen – offensichtlich Bock dazu.

Neben den zeitgenössischen Bagatellen passten ihre technische Präzision und ihr zupackendes Zusammenspiel erstaunlich gut zu Claude Debussys d-moll-Sonate für Cello und Klavier, bei der „sostenuto et molto risoluto“ ausdrücklich gefordert werden.

Zuvor hatte der Pianist eine zum Stück passende kleine Geschichte erzählt: Pierrot verehrte die Mondgöttin Luna und brachte ihr ein liebevolles Ständchen. Aber Luna reagierte nicht darauf und so sang Pierrot schließlich aus lauter Ärger ein Freiheitslied. Vor diesem Hintergrund genossen die Hörer die Musik gleich doppelt, auch wenn die Musiker den kämpferischen Stimmungsumschwung mehr betonten als die beseelte (animé) Seite der Komposition.

Die von Sergei Prokofjew über 30 Jahre später komponierte Sonate für Cello und Klavier passte nach ihrer Art wiederum zum überbordenden Temperament der Brüder. Obwohl sich klassische Konzertbesucher ein „Andante grave“ meist verhaltener vorstellen und den letzten Satz eher als Presto denn als Allegro ma non troppo empfunden haben dürfte, stimmten die Relationen; und so war die Begeisterung über die brillante Interpretation groß. Längst war vergessen, dass die romantische Sonate von Felix Mendelssohn-Bartholdy eingangs zwar klangvoll und tonschön aber nur wenig differenziert erklang. Musiker und Hörer waren nun in der Moderne angekommen und genossen die bewundernswerten dem Jazz nahe stehenden Zugaben aus der Feder des Cellisten.

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