Ledder Werkstätten
Inklusion ist die Nahtstelle

Tecklenburg-Ledde -

Auf die Bedeutung der Förderschulen auch für die Zukunft hat Regierungspräsident Dr. Reinhard Klenke bei seinem Besuch in den Ledder Werkstätten hingewiesen. Inklusion sei die Nahtstelle im Übergang von Schule und Beruf.

Mittwoch, 28.08.2013, 20:08 Uhr

Wie lässt sich inklusive Bildung nachhaltig erreichen? Wo setzt man finanziell begrenzte Ressourcen am effektivsten ein? Was muss man am Übergang Schule/Beruf verbessern, wenn sich die Förderschul-Systeme ändern? Konkrete Fragen hatte Regierungspräsident Professor Dr. Reinhard Klenke bei seinem ersten Besuch in den Ledder Werkstätten (LeWe) mitgebracht.

Klenke besucht zusammen mit Schulabteilungsleiter Wolfgang Weber Integrationsbetriebe und Werkstätten für behinderte Menschen im Regierungsbezirk.

„Ich bin ein klarer Befürworter der Inklusion . Für die jungen Leute ist es wichtig zu wissen: Wie geht´s weiter, wenn die Schule ihren Auftrag erfüllt hat?“, glaubt Klenke an den Erfolg der gemeinsamen Beschulung behinderter und nicht behinderter Kinder in einer Regelschule. Aber er sagte in Ledde auch: „Wir brauchen weiter Förderschulen für bestimmte Bedarfe. Sie werden nicht überflüssig.“

Mit dieser differenzierten Sicht liegt er auf einer Linie mit Ralf Hagemeier. Der LeWe-Geschäftsführer sprach beim RP-Besuch von einer „hohen Binnendifferenzierung“ in der Werkstatt. Die Bandbreite der beschäftigten Menschen mit Behinderungen sei enorm. Von einfachster Arbeit bis hin zu hochwertigen Arbeitsplätzen wie in den selbstbetriebenen Samocca-Cafés reiche die Spannbreite der Leistungsfähigkeit. Konsequenz: „Wir arbeiten personenzentriert und müssen jeder und jedem passende Arbeit anbieten.“ Auf das RP-Thema Bildung gemünzt: Junge Leute brauchen einander ergänzende Schulsysteme und -bausteine, um ihren eigenen Bildungsweg gehen zu können. Dazu gehören Förderschulen ebenso wie Berufsbildung in Werkstätten, Berufsbildungswerke und unterstützte Formen der Arbeit beispielsweise in Integrationsbetrieben.

Klenke berichtete aus Elterngesprächen, dass es auch Sorge gebe, ob Förderbedarfe in Regelschulen angemessen abgedeckt würden. Grundsätzlich – darin waren sich der Regierungspräsident und der LeWe-Geschäftsführer einig – sei der Weg der schulischen Inklusion und Öffnung der Systeme richtig.

Weber sagte, dieser Prozess sei bereits erfolgreich angelaufen und sollte auch nicht durch den Ressourcenstreit angehalten werden. Auch das Fortbildungszentrum der Bezirksregierung Münster im Stift Tilbeck trage zur Qualifizierung der Lehrkräfte im Inklusionsprozess bei. Hagemeier betonte, dass beinahe alle der 1200 Beschäftigten durch ihre Arbeit einen Beitrag zur Wertschöpfung leisteten – und damit tatsächlich teilhaben.

Beim Werkstatt-Rundgang zeigte sich der Regierungspräsident beeindruckt von den Möglichkeiten der angepassten Arbeit und der Vielfalt der Aufträge. Fragen galten den Formen der Behinderungen, Bildungswegen in der Werkstatt und tatsächlich erreichten Übergängen Werkstatt/allgemeiner Arbeitsmarkt.

Ein bis zwei Personen im Jahr würden das dauerhaft erreichen, so Rudolf Schönrock (Geschäftsleitung Werkstatt für geistig behinderte Menschen). Man unterstütze diese Beschäftigten durch die Vermittlung von Praktika in Betrieben, Formen der Außenarbeit, Kooperationen mit Bildungsträgern oder die Vermittlung in eine Lehrstelle.

Vereinbart wurde, im Frühjahr 2014 einen Runden Tisch mit den Förderschulen der Region und dem zuständigen Dezernenten bei der Bezirksregierung Münster, Uwe Eisenberg, sowie den Ledder Werkstätten einzurichten mit dem Thema: effektive Kooperation an der Nahtstelle Schule/Beruf in einer sich wandelnden, inklusiven Bildungslandschaft.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/1874769?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F187%2F1785867%2F1948430%2F
Carla Reemtsma diskutiert mit Richard David Precht
"Fridays for Future"-Aktivistin im TV: Carla Reemtsma diskutiert mit Richard David Precht
Nachrichten-Ticker