Förderantrag des Wasserversorgungsverbandes
Der Streit ums Wasser

Tecklenburg-Brochterbeck -

Tecklenburg-Brochterbeck. Um die vom WTL beantragte Grundwasserentnahme im Wassergewinnungsgebiet Brochterbeck ging es gestern in einer mündlichen Verhandlung. Anlieger kritisieren vor allem die Tages-Höchstfördermenge und sorgen sich um die Natur.

Donnerstag, 17.10.2013, 06:10 Uhr

Verständnis gab es auf beiden Seiten: Einerseits will und muss der Wasserversorgungsverband Tecklenburger Land (WTL) Trinkwasser fördern – lebensnotwendig für die Menschen. Andererseits hat diese Förderung unübersehbare Folgen für die Natur. Der Grundwasserpegel sinkt, Bäume und Wallhecken gehen ein, landwirtschaftliche Nutzflächen und Hausbrunnen trocknen aus.

Es gilt, sorgfältig abzuwägen – das ist nun die Aufgabe der Bezirksregierung. Gestern hatte sie zur „mündlichen Verhandlung“ in den Landgasthof Strothmann eingeladen. Thema war die vom WTL beantragte Grundwasserentnahme im Wassergewinnungsgebiet Brochterbeck . Bisher durften fünf Millionen Kubikmeter pro Jahr gefördert werden. Der Verband beantragt nun die Genehmigung, bis zum Jahr 2016 jährlich vier Millionen Kubikmeter Wasser fördern zu dürfen und ab 2017 noch 3,5 Millionen Kubikmeter. „Wir fördern nicht mehr, als gebraucht wird“, versicherte Johann Knipper, Geschäftsführer des WTL.

Auf die Kritik der Anlieger stößt vor allem die Tages-Höchstfördermenge von zunächst 18 000 und später 15 000 Kubikmeter, die im Sommer benötigt werden.

Regierungsbaudirektor Ulf Treseler als Verhandlungsleiter gab jeder der 41 Privatpersonen, die Einwendungen erhoben hatten, ausreichend Gelegenheit, sich zu äußern sowie den Vertretern der Landwirtschaftskammer und dem Landwirtschaftsverband (WLV).

Bei 12,2 Millionen Kubikmeter Wasser liege der jährliche Bedarf im Einzugsbereich des WTL. Diese Zahl nannte Hilger Schmedding (Geo-Infometric Hildesheim), der im Auftrag des Verbandes dessen Antrag erläuterte. Davon sollen vier Millionen Kubikmeter aus Brochterbeck kommen. In trockenen Sommern gebe es einen höheren Wasserbedarf. So mussten im vergangenen Jahr an mehren Tagen fast 17 000 Kubikmeter pro Tag gefördert werden.

Andererseits braucht auch die Natur Wasser – bekommt es aber bei sinkendem Grundwasserspiegel nicht. Die Auswirkungen spüren die Bewohner im Wassergewinnungsgebiet: Die Hausbrunnen haben kein Wasser mehr und die Tiere auf den Höfen müssen mit Leitungswasser getränkt werden. Auf den Feldern ist es zu trocken. Über 200 Jahre alte Eichen gehen ein und müssen gefällt werden. Neuanpflanzungen sind sinnlos, wenn die Wurzeln nicht ans Grundwasser gelangen. Das kritisiert der Gewässer- und Landschaftsschutzverein Brochterbeck/Wechte.

„Die Versorgung der Bevölkerung mit Wasser ist wichtig“, betonte Ulf Treseler und hielt fest: „Das geht nicht ohne Schäden.“

Das stellte auch niemand in Abrede, kein Brochterbecker sprach sich gegen die Förderung aus. Allerdings, so der Tenor, müsse man auch die Umwelt im Auge behalten. Die vergangenen 20 Jahre seien schon heftig gewesen, Jetzt solle noch einmal eine Förderung für 30 Jahre genehmigt werden. „Wie wird es dann hier aussehen?“ fragte eine Anliegerin.

Die Brochterbecker werden zwar finanziell entschädigt, bekommen einen Ausgleich für landwirtschaftliche Einbußen, Zuschüsse, wenn ihre Brunnen regeneriert werden müssen. Doch lieber wäre es ihnen, wenn solche Schäden gar nicht entstehen, die westfälische Kulturlandschaft nicht verwüstet würde, wie sie es gestern bezeichneten.

Die Entscheidung über die Wasserfördermengen liegt nun bei der Bezirksregierung. Sie dürfte erst im kommenden Jahr fallen.

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