Logopädin Nathalie Bäumer arbeitet mit „NF!T“
Kauen bekommt den Zähnen gut

Tecklenburg-Brochterbeck -

„Viele kauen nicht mehr gern. Sie essen lieber weiche Sachen oder mundgerechte Häppchen, Brot ohne Kruste.“ Nathalie Bäumer weiß, welche Folgen das hat: für den Kiefer, die Zähne, die Sprachentwicklung. Die Logopädin hat sich zur Neurofunktionstherapeutin qualifiziert.

Freitag, 17.01.2014, 06:01 Uhr

„Viele kauen nicht mehr gern. Sie essen lieber weiche Sachen oder mundgerechte Häppchen, Brot ohne Kruste.“ Nathalie Bäumer weiß, welche Folgen das hat: für den Kiefer, die Zähne, die Sprachentwicklung. Die Logopädin hat sich zur Neurofunktionstherapeutin qualifiziert. Mit der Neurofunktionstherapie (NF!T) wird motorischen Fehlentwicklungen vorgebeugt oder sie werden behoben. Die „NF!T“ bezieht sich auf Körper und Mund. Die Logopädin setzt bei ihrer Arbeit den Schwerpunkt auf den Mund.

In seiner Urfunktion sei der Mund nicht zum Sprechen gemacht, sondern zum Essen und Kauen , erläutert die Brochterbeckerin Grundsätzliches. Wird nicht ausreichend gekaut, werde die hintere Region des Gaumens nicht stimuliert. „Das wirkt sich aus auf die Sprache. Das K kann sich nicht entwickeln“, nennt Nathalie Bäumer ein Beispiel.

„Die Fälle nehmen zu. Es gibt genug Kinder mit Defiziten“, weiß die Fachfrau. Zu diesen Defiziten gehören auch schief stehende Zähne.

„Die Anzahl der kieferorthopädischen Behandlungen hat in den vergangenen 30 Jahren sprunghaft zugenommen“, erläutert die Logopädin. Diese Behandlung zu unterstützen, zu verkürzen und zu erleichtern, das ist ein Ziel der Therapie.

Der Ansatz: Weichteile formen Hartteile. Wenn die Zunge darin trainiert wird, kontinuierlich Druck auf den Gaumen auszuüben, was sie in einem normal entwickelten Kiefer auch macht, formt sie ihn von selber. Der Kiefer hat genug Platz für die nachwachsenden Zähne.

Die Zähne können sich auch dadurch schief entwickeln, dass sich die Zunge beim Schlucken immer wieder gegen die Frontzähne schiebt. Es entsteht ein Überbiss. Mit der Neurofunktionstherapie lässt sich dem vorbeugen. Eines betont Nathalie Bäumer in diesem Zusammenhang: „Die Zusammenarbeit zwischen Kieferorthopäden und Logopäden funktioniert in aller Regel sehr gut.

Auch das Kauen auf Fingernägeln, das Daumenlutschen oder das Nuckeln am Schnuller können durch die Therapie abgewöhnt werden. Mit regelmäßigen Kau- und Saugübungen, die in einem festen Bewegungsmuster durchgeführt werden. Dadurch kommt es zu Umbauprozessen im Gehirn. Unerwünschte Verhaltensmuster werden durch bessere ersetzt, werden programmiert und bleiben bestehen.

„Die Therapiestunden finden Kinder toll“, erzählt Nathalie Bäumer. Für die Übungen gibt es feste Regeln und Rituale. Dazu zählt auch die sprachliche Begleitung mit Reimen und Liedern. Jedes Kind habe zudem eine eigene Kiste, in der die Trainingsgeräte (verschiedene Kauwerkzeuge) liegen.

Entwickelt wurde die Therapie von Elke Rogge aus Syke bei Bremen.

Auch Erwachsene nutzen die Therapie, weil sie zum Beispiel helfen kann gegen nächtliches Zähneknirschen. Ob „NF!T“ auch gegen Schnarchen wirkt? Die Therapeutin schmunzelt, weiß es aber – noch – nicht. Sie habe „Opfer“ gefunden, um das auszuprobieren. Nasenatmung und das Gaumensegel werden in den Übungen trainiert. Ein Schnarch-Logopäde in Wien, so weiß sie, hat mit einem speziellen Muskeltraining für den Rachenraum Erfolg.

 

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