Katharina Scheil arbeitet in Ghana
Den täglichen Stromausfall hasst sie

Tecklenburg-Brochterbeck -

Im vergangenen Jahr hat Katharina Scheil ihr Abitur am Ibbenbürener Goethe-Gymnasium abgelegt. Für sie stand fest, dass sie für ein Jahr ins Ausland gehen wird. Dass es Ghana, genauer die Kleinstadt Akim Oda geworden ist, hat ein Vortragsabend des Brochterbecker Vereins „Friends of Ghana“ bewirkt.

Dienstag, 22.04.2014, 13:04 Uhr

Im September ist Katharina Scheil auf den Schwarzen Kontinent geflogen. Von ihren Eindrücken schreibt sie:

„Hähne krähen, Grillen zirpen und in der Ferne hört man Kirchengesänge. Nein, das ist nicht Brochterbeck, sondern in Akim Oda , eine Kleinstadt in Ghana . Der Impfmarathon vor dem Flug, das Zurücklassen von Familie und Freunden in Deutschland verblassen mit der Zeit.“

Ihre Gastfamilie, das sind Schulleiterin Dorcas Oppong, deren Enkel Boat und Joshua sowie Angelica, ein Mädchen, das Aunti vor fünf Jahren aufgenommen hat.

Die ersten Monate brachten viele neue Eindrücke, waren aber auch nicht einfach. Katharina Scheil: „Da ist das Unterrichten auf Englisch.“ Dann werde das Gefühl vermittelt, man sei etwas Besonderes, allein wegen der Hautfarbe. „Wenn ich durch die Straßen gehe, bekomme ich ein Dutzend Heiratsanträge oder werde generell von jedem angesprochen“, beschreibt sie dieses Phänomen. Natürlich seien alle freundlich, würden winken und glücklich wirken.

Ein weiteres Thema sei die Rolle der Frau, die in Ghana noch „old school“ praktiziert wird, wie sie berichtet: „Kochen, spülen, waschen und Männer bedienen.“

Auf Grund der großen Wasserknappheit werde Regen in Tonnen gesammelt, um fürs Duschen, Kochen und Waschen genutzt zu werden. Bekleidungsstücke werden von Hand, mit kalten Wasser, gewaschen.

Eine Begebenheit, an die sich die junge Frau nach eigenen Angaben nie gewöhnen wird, die sie sogar „über alles hasst“, ist der tägliche Stromausfall . Das beste Weihnachtsgeschenk sei gewesen, dass an Heiligabend nach drei Tagen Ausfall der Strom wieder durch die Leitungen floss.

Das Essen lasse sich schnell erklären, da die Speisen nicht so vielseitig wie in Deutschland seien, meint Katharina Scheil und zählt die wichtigsten Lebensmittel auf: Kochbananen, Reis und Nudeln, Yam, Fufu, Riceballs und diverse Soßen.

Yam ist eine Wurzel, die ein wenig nach Kartoffel schmeckt. Für Fufu werden gekochte Maniokwurzeln und Kochbananen in breiten Mörsern zu einer zähen Paste gestampft und zu einem Ball geformt, den man mit verschiedenen Soßenvarianten serviert. Klarer Favorit der Abiturientin ist „Red-red“: reife Plantains, in Palmöl frittiert und mit einer Bohnensoße serviert. „So gut mir die verschiedenen Speisen in der ersten Zeit geschmeckt haben, desto stärker leide ich jetzt unter den Folgen der Variationslosigkeit der Gerichte“, klagt sie.

In der Schule unterrichtet die junge Frau Mathe in Klasse 6 und Junior High School 1 (JHS1), wo sie zur Klassenlehrerin erkoren wurde. „Der Unterricht macht mir richtig Spaß und die Kinder machen jede Stunde zu einem Erlebnis: Einfach mal aufstehen und kurz tanzen ist nicht ungewöhnlich“, heißt es in ihrem Bericht.

Was sie schockiert: der Rohrstock als Erziehungsmethode sei ganz normal. Der Aufforderung, diesen Weg ebenfalls zu beschreiten, lehnte die junge Deutsche ab. Weitere gängige Unterrichtsmethoden sind nach ihren Angaben Schläge mit der Hand ins Gesicht, Beißen der Schüler, Würfe mit einem hölzernen Tafelputzer – „für die Schulkinder in Ghana ist es der ganz normale Alltag“.

Wenn Katharina Scheil erzählt, dass in Deutschland kaum noch Jugendliche in die Kirche gehen, „wird man mit entsetzten Augen angestarrt und mit Sicherheit die nächsten Stunden damit beschäftigt sein, mit den Kindern oder auch den Erwachsenen über Himmel, Hölle und das Jüngste Gericht zu diskutieren“. In Ghana hätten der Glaube an Gott und Gottesdienstbesuche einen extrem hohen Stellenwert.

Ihr persönliches Fazit nach rund sieben Monaten: „Ich genieße jeden Tag hier und bin froh, dass ich diesen Schritt gemacht habe. Es ist ja auch schon was wert, wenn sich die Leute im Krankenhaus darüber freuen, dass ich um die Ecke komme und man ein freundliches: ,Na Kathi, was hast du denn heute?‘ hört.“

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