Regionale Obstsorten
Alt und längst vergessen

Tecklenburg -

Die Arbeitsgemeinschaft für Naturschutz Tecklenburger Land ist in diesem Frühjahr mit einem Leader-Projekt für den Altkreis Tecklenburg gestartet. Dabei geht es um die Suche nach alten, regionalen Obstsorten, deren Erhalt und Vermehrung sowie die Neuanpflanzung der Jungbäume unter anderem auf der vereinseigenen Obstwiese Fliehburg in Brochterbeck.

Dienstag, 24.06.2014, 21:06 Uhr

Diese Wiese soll zu einem Sortenmuseum und zu einem Informationsstandort rund um das Thema Obst ausgebaut werden, so dass sich Besucher vor Ort über die Sortenvielfalt, deren Verwertungsmöglichkeiten sowie über Baumerziehung und Baumpflege informieren können.

Wer alte Obststandorte in den elf Gemeinden des Altkreises Tecklenburg kennt, die gegebenenfalls für das Projekt von Interesse sind, wird gebeten, diese der ANTL zu melden.

In der Vergangenheit begleitete nahezu jeden Bauernhof in Westfalen eine Obstwiese, häufig Appelhoff genannt. Sie dienten zur Selbstversorgung der Besitzer. Diese Obstwiesen bergen mit ihren alten Obstsorten oft einen besonderen Schatz regionaler menschlicher Kulturleistung. Die starke Überalterung des Baumbestandes mache es immer dringender notwendig den Sortenbestand zu erheben und gegebenenfalls alte, vielleicht längst vergessene und regional besondere Obstsorten durch Veredelung zu erhalten, nennt Stephan Grote , Projektleiter der „Obstarche“, einen wesentlichen Grund für die Aktion.

Mit dem Verlust alter Sorten seien viele wichtige Eigenschaften wie zum Beispiel Krankheitsresistenzen und Toleranzen gegenüber regionalen Witterungen und Bodenverhältnissen für immer verloren gegangen. Auch spezielle, in früheren Zeiten nachgefragte besondere Eigenschaften und Verwertungsarten, wie eine lange Lagerfähigkeit im Naturlager, Äpfel für die Saft- und Mostherstellung sowie Back- und Dörräpfel könnten heute schon unwiederbringlich verschwunden sein.

Das Wiederfinden und der Erhalt der noch vorhandenen Regionalsorten soll also nicht nur die Sammelleidenschaft historisch und landschaftskulturell interessierter Menschen befriedigen. Es geht auch darum, eine über Jahrhunderte entstandene genetische Vielfalt zu erhalten, damit auch zukünftig die Kinder und Enkel den besonderen Obstschatz der heimischen, bäuerlichen Kulturlandschaft kennen lernen und in seiner Vielfalt nutzen können.

Für das Projekt „Obstarche“ sind besonders über 50 Jahre alte Obststandorte von Interesse: Obstwiesen und -weiden, aber auch Einzelbäume an Wohnhäusern, an alten Pfarrhäuser, alten Schulen, Gärtnereien oder auf altem Gartenland. Projektbegleitend wäre es schön, wenn historisches Material rund um Obstbäume wie Pflanzpläne, Obstkeller, Geräte zur Obsternte und Obstverarbeitung zusammengetragen werden könnte – und sei es nur durch eine Fotodokumentation, so Stephan Grote.

Hinweise zu alten Obststandorten nimmt er entgegen unter obstarche@antl-ev.org, beziehungsweise ✆ 0 54 82/92 92 914 oder 0 54 82/92 92 90.

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