Julian Looman auf der Freilichtbühne
Zwischen Komik und Dramatik

Tecklenburg -

Von „Joseph“ musste er sich am Sonntagabend verabschieden. Mit „Sunset Boulevard“ darf er sich noch zehn Mal eines begeisterten Publikums erfreuen. Julian Looman, als rockender Pharao und als erfolgloser Drehbuchautor Joe Gillis gleich in zwei Musicals auf der Freilichtbühne in tragenden Rollen dabei, ist der Spagat zwischen Komik und Dramatik gelungen.

Dienstag, 26.08.2014, 07:08 Uhr

Maya Hakvoort und Julian Looman spielen die Hauptrollen in dem dramatischen Musical „Sunset Boulevard“. Bis zum 13. September ist es noch auf der Bühne zu sehen.
Maya Hakvoort und Julian Looman spielen die Hauptrollen in dem dramatischen Musical „Sunset Boulevard“. Bis zum 13. September ist es noch auf der Bühne zu sehen. Foto: Detlef Dowidat

Die Rolle des Pharao in „Joseph“ habe ihm natürlich Spaß gemacht, erzählt er im Gespräch mit dieser Zeitung. „Aber Sunset gefällt mir persönlich besser.“ Das ist nicht überraschend, ist doch die Figur des Joe deutlich anspruchsvoller. Als Autor erfolglos, verfällt er dem Luxus, den ihm die alternde Diva Norma Desmond bietet. Die Dekadenz der Gesellschaft, die Verlogenheit hinter den Kulissen Hollywoods, eine Liebe, der keine Zukunft beschert ist und bei aller Verachtung doch auch Gefühle für Norma – aus dem lebenslustigen jungen Charmeur wird ein zutiefst unglücklicher Mann.

Diese Entwicklung auf der Bühne immer wieder überzeugend zu spielen, stellt auch einen Profi wie Julian Looman vor eine große Herausforderung – die er fraglos meistert. „Ich bereite mich ruhig vor“, erzählt er. Vor jeder Aufführung liest er den Text noch einmal – auch wenn er ihn perfekt beherrscht. Nein, es geht stets darum, in die Haut des Joe Gillis zu schlüpfen. Das sei wie bei einem Rennfahrer, der sich ja auch vor einem Rennen die Strecke noch einmal anschaue, obwohl er sie bestens kennt, nennt Looman ein Beispiel. Für die Vorbereitung braucht er einen Rückzugsort, den er in Tecklenburg gefunden hat. Für die Dauer der Saison hat er sich eine Wohnung gemietet. „Mit Dachterrasse“, schwärmt er vom herrlichen Blick ins weite Münsterland. Das hilft, die nötige Ruhe zu finden für die nächste Vorstellung.

Das im positiven Sinne schauspiellastige Stück sei musikalisch unglaublich stark, das Orchester durch die Bank gut besetzt und die Dramatik fantastisch. Regisseur Andreas Gergen habe für die Darsteller zudem einen perfekten Maßanzug geschneidert, dankt ihm Looman und wirbt gleichzeitig dafür, sich das Stück anzusehen. Die Leute sollten sich „unbedingt eine Karte kaufen“. „Wenn man sich auf die Geschichte einlässt, ist das ein toller Abend.“

Bis zum 13. September wird „ Sunset Boulevard “ noch zehn Mal aufgeführt. „Joseph“ war am Sonntag zum letzten Mal zu sehen. Nach 22 Vorstellungen, die rund 39 000 Besucher angelockt haben, muss Julian Looman nun nicht mehr in das hautenge Kostüm des Pharao schlüpfen. Einerseits freut es ihn, sich nun voll und ganz auf den Joe Gillis konzentrieren zu können, andererseits war „Joseph“ ein überwältigender Erfolg. Und: „Es waren tolle Kollegen. Schade, dass wir uns jetzt nicht mehr regelmäßig sehen“, findet der 29-Jährige.

Und was macht der Wiener, wenn auch „Sunset Boulevard“ ausgelaufen Ist? „Urlaub“, freut sich Looman. Und dann geht es weiter nach Aachen, wo er in „Cabaret“ die Rolle des Conferenciers übernimmt. Am 12. Dezember ist Premiere.

Sieht das Publikum Julian Looman im nächsten Jahr in Tecklenburg wieder? Darauf legt sich der Darsteller nicht fest. In „Cats“ wird er jedenfalls nicht mit dabei sein. Denn die Frage nach einem Musical, in dem er nicht mitspielen würde, beantwortet er spontan eben mit „Cats“. Der tänzerische Anspruch sei zu hoch. Und sein Lieblingsmusical? Das ist eindeutig „Sunset Boulevard“. Keine Frage, das glaubt ihm jeder, der ihn als Joe Gillis gesehen hat.

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