Fachtagung für Erzieherinnen zum Thema Sprachförderung in Kindertageseinrichtungen
Sprache braucht Zeit und Raum

Tecklenburg -

Sprachförderung in Kindertageseinrichtungen sollte am besten in Alltagssituationen geschehen, so Professor Dr. Rainer Strätz bei einer Fachveranstaltung des Kindergartenverbunds im evangelischen Kirchenkreis Tecklenburg. Eine auf sprachwissenschaftlichen Konzepten beruhende Herangehensweise in der Sprachförderung lehnte der Kölner Diplom-Psychologe klar ab.

Sonntag, 08.03.2015, 20:03 Uhr

Begrüßen die Weiterentwicklung des Gesetzes zur Sprachförderung: Uta von Delden und Rainer Strätz.
Begrüßen die Weiterentwicklung des Gesetzes zur Sprachförderung: Uta von Delden und Rainer Strätz. Foto: Michael Hopf

Der Kindergartenverbund hatte den stellvertretenden Leiter des Sozialpädagogischen Instituts Nordrhein-Westfalen , einer zentralen wissenschaftlichen Einrichtung der Fachhochschule Köln , zu einem Fachvortrag über „Sprachförderung in Kindertageseinrichtungen auf neuen Grundlagen“ eingeladen.

Rainer Strätz ist überzeugt: „Isolierte Sprachförderprogramme sind unwirksam.“ Laut aktueller Studien werde mit diesen auf sprachwissenschaftlicher Methodik beruhenden Verfahren kein zusätzlicher Effekt erreicht. Ein Kindergartenkind mit festgestelltem Sprachförderbedarf entwickele sich mit oder ohne Anwendung eines derartigen Sprachförderprogramms gleich. Die unmissverständliche Empfehlung des Experten: „Sein lassen!“

Diese Programme gehen nach Auffassung von Strätz an der Perspektive der Kinder vorbei. Statt gezielt Strukturen wie etwa den grammatikalisch richtigen Aufbau deutscher Sätze zu üben, sollte vielmehr „Sprache als Verständigungswerkzeug“ ernst genommen werden. Dabei sollten die Erzieherinnen in Kindertageseinrichtungen die „Fantasie der Kinder als Verbündete“ nehmen, ermutigte der Psychologe. Sprache brauche Zeit und Raum, um sich richtig entwickeln zu können.

Rainer Strätz empfahl die Anwendung eines Drei-Schritt-Systems: Beobachten, was das Kind interessiert und was es tut. Abwarten, ob das Kind die Initiative zum Sprechen ergreift. Zuhören.

Überdies warb der Kölner Wissenschaftler dafür, die besonderen Fähigkeiten mehrsprachig aufwachsender Kinder gezielt miteinzubeziehen als „Teil von Wertschätzung in der multikulturellen Gesellschaft“.

In der Neufassung des Kinderbildungsgesetzes Nordrhein-Westfalen sollen die Kinder in Kindertageseinrichtungen in den Genuss einer „alltagsintegrierten kontinuierlichen Begleitung und Förderung der sprachlichen Bildung“ kommen, schreiben die Veranstalter. Die Aussagen des Gesetzes zur Sprachförderung werden von Uta von Delden und Rainer Strätz begrüßt.

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