Bei Amazone wird kräftig investiert
Neues Werk in China eröffnet

Tecklenburg-Leeden/Hasbergen -

20 Millionen Euro – „die größte Investition in der Geschichte von Amazone“. Geschäftsführer Christian Dreyer erläutert, was mit dem Geld geschieht und nimmt zu weiteren Fragen rund um den Weltmarkt und das Unternehmen Stellung.

Montag, 06.07.2015, 23:07 Uhr

Der Landmaschinenbauer Amazone aus Hasbergen mit Zweigwerk in Leeden hat ein neues Werk in China eröffnet und investiert in Hude rund 20 Millionen Euro. Amazone-Geschäftsführer Christian Dreyer ist stolz auf „die größte Investition in der Geschichte von Amazone“
Der Landmaschinenbauer Amazone aus Hasbergen mit Zweigwerk in Leeden hat ein neues Werk in China eröffnet und investiert in Hude rund 20 Millionen Euro. Amazone-Geschäftsführer Christian Dreyer ist stolz auf „die größte Investition in der Geschichte von Amazone“ Foto: Gert Westdörp

Der Landmaschinenbauer Amazone aus Hasbergen hat im Mai ein neues Produktionswerk in China eröffnet. Gleichzeitig investiert Amazone in den vierten deutschen Standort in Hude-Altmoorhausen zwischen Bremen und Oldenburg rund 20 Millionen Euro. „Das ist die größte Investition in der Geschichte von Amazone“, sagte Geschäftsführer Christian Dreyer .

Der Ost-Ausschuss der deutschen Wirtschaft prognostiziert, dass die Exporte nach Russland im laufenden Jahr um mehr als ein Viertel schrumpfen. Eine Ursache sind die EU-Sanktionen gegen Russland. Wie stark ist Amazone davon betroffen?

Dreyer: Es ist richtig, dass Russland ein wichtiger Wirtschafts- und Handelspartner von uns ist. Wir produzieren selbst seit über 20 Jahren in Russland, sind seit 2013 alleiniger Anteilseigner des Werkes in Samara und haben auch eine eigene Vertriebs- und Servicegesellschaft in Russland. Deshalb sind natürlich auch wir von der Sanktionspolitik indirekt betroffen. Die Geschäfte werden schwieriger. Sie reißen zwar nicht ab, aber sie liegen auch nicht auf dem Niveau der Vorjahre.

Gerade wurden die Strafmaßnahmen der EU gegen Russland und daraufhin auch von Russland gegen die EU bis Januar 2016 verlängert. Hat das für Sie Folgen?

Dreyer: Mit unseren Landmaschinen fallen wir zum Glück nicht unter die Sanktionen der Russen, aber seitdem die EU-Länder in einigen anderen Bereichen nicht mehr nach Russland exportieren dürfen, gibt es einen stärkeren Druck auf die Preise für Agrarprodukte. Insofern leiden die deutschen Landwirte und damit auch wir unter der Sanktionspolitik. Wir sind zudem von den Veränderungen am Finanzmarkt und von den Währungsschwankungen betroffen, die wiederum von den Sanktionen und vom Verfall des Ölpreises beeinflusst sind. Das Problem in Russland sind die Kredite für unsere Kunden, da dort zurzeit Kreditzinsen von mehr als 20 Prozent schon für sehr kurze Laufzeiten verlangt werden und dadurch Investitionen geschoben werden. Circa zehn Prozent unseres Umsatzes machen wir in Russland. Im Russlandgeschäft rechnen wir dieses Jahr mit einem Umsatzrückgang von etwa zehn Prozent. Ich erwarte, dass wir in Russland in diesem Jahr zwischen vier und fünf Millionen Euro weniger Umsatz machen werden. Das versuchen wir durch Kosteneinsparungen zu kompensieren, müssen aber kein Personal abbauen.

Sie hatten 2013 Ihr insgesamt stärkstes Jahr mit mehr als 500 Millionen Euro Gesamtumsatz, 2014 ging der Umsatz auf 468 Millionen Euro zurück. Wie viel Umsatz werden Sie in diesem Jahr machen?

Dreyer: Landtechnik ist ein zyklisches Geschäft. 2009 und 2010 waren schwächere Jahre, danach hatten wir bis 2013 eine starke Wachstumsphase, und seit 2014 haben wir wieder eine Beruhigung. Das ist nicht außergewöhnlich. Wenn zum Beispiel die Getreidepreise steigen, dann werden die Investitionen in Landtechnik für unsere Kunden sehr interessant. Wenn es eine steigende Nachfrage nach Agrarrohstoffen gibt, kommt die Produktion nicht so schnell nach. Dadurch steigen die Preise überproportional. Wenn die Nachfrage bei gleichzeitig steigendem Angebot wieder sinkt, dann fallen auch die Preise für Agrarprodukte wieder. In der Folge gehen die Investitionen unserer Kunden in die Landtechnik zurück. In dieser Phase befinden wir uns jetzt. Daher werden wir in diesem Jahr unter dem Ergebnis von 2014, aber trotzdem noch deutlich über 400 Millionen Euro liegen. Umsatzrückgänge können auch neue Produkte kompensieren. So kommt es darauf an, wie zum Beispiel unser neuer Anbau-Volldrehpflug oder andere Innovationen wie zum Beispiel die neuen Möglichkeiten zur elektronisch gesteuerten Düngung der Felder angenommen werden.

Kann ein möglicher Grexit Auswirkungen auf Ihren Umsatz haben?

Dreyer: Wir wissen noch nicht, wie es in den nächsten Wochen weitergeht. Der Prozentsatz der Maschinen, die wir nach Griechenland liefern, liegt unter einem Prozent. Insofern sind die direkten Auswirkungen gering, die indirekten könnten uns schon härter treffen. Wenn der Finanzmarkt insgesamt ins Trudeln gerät, dann werden auch wir es spüren. Die Möglichkeiten der Landwir te, Kredite aufzunehmen und Investitionen zu finanzieren, sind für uns entscheidend.

Möchten Sie sich angesichts der Wirtschaftskrise in Griechenland und Russland breiter aufstellen? Sie haben mal mit dem Gedanken gespielt, ein Werk in China aufzubauen. Wie weit sind diese Pläne?

Dreyer: Wir haben in den vergangenen Wochen unsere neue Niederlassung in Tjanjin, das anderthalb Stunden von Peking entfernt ist, eröffnet. Die Produktionsstätte ist seit Mai im Betrieb. Sie verfügt über Hallenflächen in der Größe von 3000 Quadratmetern. Das Investitionsvolumen beträgt rund eine Million Euro. Unser Ziel ist bis 2017, Umsatz im Millionenbereich in China zu erwirtschaften.

Auch chinesische Landmaschinenbauer konkurrieren bereits mit Ihnen auf dem russischen Markt. Warum ist Ihre Landtechnik in China überhaupt gefragt?

Dreyer: Es gibt auch Traktoren, Mähdrescher, Sätechnik und Bodenbearbeitungsmaschinen aus China. Diese Maschinen sind in der Regel aber kleiner und technisch nicht so ausgereift. Unsere Zielgruppe ist das Segment für größere Betriebe, die Maschinen mit größerer Leistungsfähigkeit benötigen. Die Flächenleistung ist mit unseren Maschinen einfach größer.

Damit haben Sie Produktionen in China, Russland, Frankreich und Deutschland. Wollen Sie auch in Deutschland investieren?

Dreyer: An unserem vierten deutschen Standort in Hude-Altmoorhausen bei Oldenburg feierten wir am 1. Juli Richtfest für die neue Lackieranlage. Wir haben dort bereits circa 17 000 Quadratmeter Produktionsfläche unter Dach. Mit der neuen Lackieranlage und einer angrenzenden Lagerhalle kommen weitere 10 000 Quadratmeter hinzu. Das ist mit einem Volumen von 20 Millionen Euro die größte Investition in der Geschichte von Amazone. Damit stellen wir uns auf die neuen Anforderungen der modernen Großflächensätechnik und umweltschonender Lackiertechnik ein. Dort werden sehr große Sägeräte mit dem optimalen Korrosionsschutz und einer sehr widerstandsfähigen Lackierung ausgestattet. Im Sommer 2016 wird die Lackieranlage planmäßig in Betrieb genommen.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/3370846?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F187%2F4852205%2F4852211%2F
Nachrichten-Ticker