Radulf Beuleke wird 70 Jahre alt
Der Herr der Bühne

Tecklenburg -

Seit 42 Jahren lebt er mit seiner Familie in Tecklenburg, hat vor 39 Jahren zum ersten Mal in einem Märchen auf der Freilichtbühne gestanden, ist seit 24 Jahren Vorsitzender der Freilichtspiele und feiert heute seinen 70. Geburtstag: Radulf Beuleke. Die Entwicklung von einer kleinen Bühne zur größten ihrer Art in Deutschland fällt in die Zeit seines Wirkens. Dass Tecklenburg mittlerweile Festspielstadt ist, hängt unmittelbar damit zusammen.

Dienstag, 08.03.2016, 05:03 Uhr

Radulf Beuleke arbeitet gerne und liebt die Herausforderung.
Radulf Beuleke arbeitet gerne und liebt die Herausforderung. Foto: F. Schwarzenbergerl

Das Potenzial hatte Beuleke schon früh erkannt. Im Juni 1992 sagte er in seinem ersten Interview als Vorsitzender, was ihm – damals wie heute – am Herzen lag: „Ich möchte die Freilichtbühne noch mehr in den Blickwinkel des Interesses rücken. Sie ist ein entscheidender Faktor in der Stadt.“ In der Tat, die Zuschauerzahlen belegen das: 1992, als der heutige Intendant die Geschicke der Bühne in seine Hände nahm, zählte man 41 200 Zuschauer. Im vergangenen Jahr waren es über 97 000.

Zur Bühne kam Beuleke durch Zufall. Anfang der 1970er Jahre sei ihm ein Grundstück in Tecklenburg angeboten worden. Beuleke war damals seit drei Jahren verheiratet und hatte eine kleine Tochter. „Als junge Familie hatten wir uns entschlossen, zu bauen.“ Bis dahin hatte sie in Osnabrück gelebt, wo Beuleke am Gymnasium Carolinum Deutsch und Englisch unterrichtete. 1974 erfolgte der Umzug. Wie das so ist: Es werden Kontakte mit anderen Eltern im Kindergarten geknüpft, die Bühne ist Gesprächsthema und es folgt die Aufforderung: „Komm doch einfach mal und guck zu.“ Dem Zugucken folgte 1977 das Angebot, mitzuspielen.

„Ich war damals so verrückt und habe gesagt, ich mache alles: Kinderstück, Operette und Oper. Ich stand den ganzen Sommer auf der Bühne“, erinnert er sich und kann ein Schmunzeln nicht verbergen. Der Virus Freilichtbühne hatte ihn erwischt und bis heute nicht losgelassen.

In den Folgejahren stand auch seine Frau auf der Bühne. Der Nachwuchs – der Tochter war mittlerweile ein Sohn gefolgt – kam mit. „Das war der schönste Spielplatz für Kinder“, erzählt Beuleke. Jahr für Jahr, ohne Unterbrechung, spielte Beuleke in den Stücken mit. Bis er erster Vorsitzender der Freilichtspiele wurde. Seinen Part in den Musicals hing er an den Nagel, nicht aber in den Märchenstücken, deren Texte mittlerweile aus seiner Feder stammen.

Dass man mehr aus der Bühne machen kann, war schon immer seine feste Überzeugung. „Ich habe den Mund aufgemacht und mich mit meiner Meinung nicht zurückgehalten“, schildert der Intendant. Dass er damit auch angeeckt ist, verhehlt er nicht. Aber er wollte den Wandel. 1992 wurde er vom zweiten zum ersten Vorsitzenden und saß damit am Hebel.

Die lange geplante Überdachung wurde zur Saison 1993 fertig. Nach und nach änderte sich der Spielplan, es gab kein Schauspiel mehr, später entfielen auch Operette und Oper. „Das finanzierte sich nicht“, erläutert Beuleke den Grund. Seit 1996 fuhr er mehr und mehr auf der Musical-Schiene. Die Entwicklung gab ihm recht. Radulf Beuleke hatte und hat eine Nase dafür, was beim Publikum ankommt.

Enorme Veränderungen gab es parallel auch im technischen Bereich. „Vor 30 Jahren lagen die Mikros noch im Rosenbeet“, erinnert sich der Intendant. Die Akteure mussten sich dann immer in deren Richtung bewegen. Heute ist die Bühne gut ausgestattet. „Ob Licht oder Ton, wir haben alles.“

Auf dem neuesten Stand sind die Freilichtspiele auch in einem anderen Bereich. Früher gab es keinen Kartenvorverkauf. Die Besucher hätten sich abends ihre Karten geholt, erzählt Beuleke. Heute bestellen die Zuschauer deutschlandweit online ihre Tickets.

Früher wurde auch nicht so langfristig geplant. Da begann man Ende Oktober, Anfang November mit den Überlegungen für die neue Saison. Jetzt laufen bereits Vertragsverhandlungen für 2017. Das werde ein Riesenaufwand, weiß er schon jetzt, ohne zu verraten, welches Musical er im Auge hat. „Wir haben immer Sachen gebracht, die noch nie in Deutschland open air zu sehen waren.“ Mehr will er nicht verraten.

Wie findet man solche Stücke? „Wir haben ein sehr gutes Netzwerk aufgebaut mit Agenturen, Verlagen und Theatern.“ Oder man wird angesprochen. Das Erfolgsmusical „Cats“ beispielsweise ist den Freilichtspielen angeboten worden. 24 Stunden Zeit hatte die Bühne für eine Entscheidung. Sie sagte ja. Die Umsetzung sei ein „brachialer Akt“ gewesen. Alleine 40 Konzeptionsgespräche seien geführt worden. Das Ziel: Ein Musical erfolgreich auf die Bühne zu bringen, ohne dass der Zuschauer merkt, wie viel Arbeit das ist.

Immer mit einbezogen: Die vielen ehrenamtlichen Akteure der Freilichtspiele. Sie seien die Basis. „Wir könnten die Bühne sonst nicht führen.“

Die Frage, ob Radulf Beuleke mit 70 Jahren schon mal ans Aufhören denkt, stellt sich eigentlich nicht. „Ich arbeite gerne und mag die Herausforderung“, sagt er klipp und klar.

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