Kein Geld für Schrott weitergegeben
Bewährungsstrafen für betrügerische Brüder

Tecklenburg -

Wegen gemeinschaftlichen Betrugs hat das Amtsgericht Tecklenburg zwei Männer aus Nienburg und Münster zu Freiheitsstrafen von vier und drei Monaten verurteilt. Sie hatten im Juli 2014 rund zehn Tonnen Stahlschrott, den sie auf einem Firmengelände in Leeden abholen sollten, auf einem Lengericher Schrottplatz für gut 1600 Euro verscherbelt, den Erlös aber nicht an ihre Auftraggeber weitergegeben.

Freitag, 06.05.2016, 17:05 Uhr

„Das Gericht ist davon überzeugt, dass Sie nichts gezahlt haben“, wandte sich der Richter in seiner Urteilsbegründung an die 26 und 28 Jahre alten Brüder. „Ihre Geschichte macht auch nicht wirklich Sinn“, fuhr er fort. Die Angeklagten hatten nämlich behauptet, sie hätten der Firmenchefin den vorher mündlich vereinbarten Festpreis von 750 Euro in bar übergeben.

Eine Quittung habe die Frau nicht ausstellen wollen, weil das Geschäft wohl „schwarz“ über die Bühne gehen sollte. „Das ist gelogen“, sagte die 40-Jährige am Mittwoch aus. Ihrer Firma habe das Angebot eines Lengericher Entsorgungsunternehmens vorgelegen; für die beiden Männer, die sich bei ihr gemeldet hätten, habe sie sich entschieden, weil deren Angebot besser gewesen sei. Ohne Rechnung gehe das alles gar nicht, weil das entsorgte Material wie Förderbänder, Walzrollen und ähnliches in den Büchern stehe, sagten die Chefin, ihr Ehemann und eine Angestellte übereinstimmend aus. Wohl etwas vertrauensselig hatte die 40-Jährige den Lkw inklusive beladenem Container und die Männer ziehen lassen. Sie hatten versprochen, am nächsten Tag den restlichen Schrott abzuholen. Das taten die Brüder aber nicht, stattdessen kassierten sie das Geld und waren fortan für die Auftraggeber nicht mehr erreichbar.

„Bezahlt worden ist nichts, wie von Anfang an beabsichtigt“, war der Richter überzeugt und folgte dem Antrag der Staatsanwaltschaft nach kurzen Freiheitsstrafen für die einschlägig vorbestraften Brüder. Ins Gefängnis müssen sie nicht, das Gericht setzte die Strafen für drei Jahre zur Bewährung aus. Die Männer müssen den Schaden wieder gutmachen und jeweils 300 Sozialstunden ableisten.

Die Blauäugigkeit, mit der der 28-Jährige fragte, ob er jetzt ins Gefängnis müsse, schließlich kenne er sich mit Gerichtsdingen nicht aus, nahm ihm der Richter nicht ab. Er verbuchte die Frage vielmehr unter dem Stichwort Dreistigkeit: „Das kauf ich Ihnen nicht ab, dass Sie nicht wissen, wie das abläuft.“ Der Mann war bereits vor sechs Jahren zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden.

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