Hauptschüler bereiten sich auf Auschwitz vor
Konfrontiert mit dem Grauen

Tecklenburg -

Es ist heiß im Klassenraum. Während überall in der Hauptschule gähnende Leere herrscht und die Mädchen und Jungen einen freien Nachmittag genießen, sitzen die Zehner-Schüler an ihren Tischen und hören zu – hochkonzentriert und voller Interesse. Vorn am Pult steht Dr. Jörn Wendland. Worüber er spricht, ist ein düsteres Kapitel der deutschen Geschichte: die Zeit des Nationalsozialismus. In seinem Workshop „Farbe des Grauens“ werden die Jugendlichen konfrontiert mit Deportation und Konzentrationslager, Tod und Vernichtung.

Dienstag, 30.08.2016, 20:08 Uhr

Jörn Wendland interpretiert gemeinsam mit den Schülern die Bilder des Künstlers Alfred Kantor, die Szenen aus dem Vernichtungslager Auschwitz zeigen. Die Zehnerklassen besuchen den Ort im Oktober.
Jörn Wendland interpretiert gemeinsam mit den Schülern die Bilder des Künstlers Alfred Kantor, die Szenen aus dem Vernichtungslager Auschwitz zeigen. Die Zehnerklassen besuchen den Ort im Oktober. Foto: Ruth Jacobus

Wendland ist Historiker und freier Mitarbeiter des NS-Dokumentationszentrums der Stadt Köln. Er versteht es, die Schüler miteinzubeziehen. Das Besondere an dem Workshop: Im Mittelpunkt stehen Zeichnungen des jüdischen Künstlers Alfred Kantor , der das Konzentrationslager Auschwitz überlebt hat. Dort fahren die Schüler im Oktober hin. Bereits seit Monaten bereiten sie sich darauf vor. So war im vergangenen Jahr die 92-jährige Erna de Vries in Tecklenburg zu Gast. Sie berichtete von ihren schrecklichen Erlebnissen in Auschwitz. Im Juni waren die Mädchen und Jungen in Lengerich unterwegs auf den Spuren der „Stolpersteine“ und der jüdischen Gemeinde.

Der Workshop mit Jörn Wendland war der dritte große Programmpunkt zur Vorbereitung auf die Fahrt nach Polen.

„Die 36 Auschwitz-Fahrer sind mit Engagement bei der Sache“, lobt ihre Lehrerin Heike König, die das gesamte Projekt betreut. Auch sie hört aufmerksam zu, was Wendland und die Schüler zu berichten haben. Sie waren in Gruppen unterteilt und durften sich jeweils eine Zeichnung von Alfred Kantor aussuchen, die sie präsentierten und interpretierten.

Der Künstler hatte heimlich seine Erfahrungen und die Eindrücke der Unmenschlichkeit festgehalten, musste die Skizzen und Zeichnungen aber aus Sicherheitsgründen nahezu alle vernichten. Nach seiner Befreiung dokumentierte er seinen Leidensweg erneut. Mit diesen Bildern des 2003 verstorbenen Künstlers und Zeitzeugen arbeitet Jörn Wendland.

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