„Kyrill“ im Teutoburger Wald
Eine Schneise der Verwüstung

Tecklenburg/Tecklenburger Land -

Das Geräusch der Motorsägen ist typisch gewesen für die Nacht vom 18. auf den 19. Januar 2007. Der Orkan „Kyrill“ fegte übers Land und hat auch im Teutoburger Wald eine Schneise der Verwüstung hinterlassen. Zehn Jahre später sieht der Fachmann immer noch die Spuren. Der Laie erfreut sich an einem jungen Wald, der als solcher schon wieder zu erkennen ist.

Mittwoch, 18.01.2017, 06:01 Uhr

Kahlschlag durch „Kyrill“: Vor zehn Jahren fegte der Orkan über den Teutoburger Wald hinweg und hinterließ insbesondere in Ledde, Leeden und Lienen eine Spur der Verwüstung.
Kahlschlag durch „Kyrill“: Vor zehn Jahren fegte der Orkan über den Teutoburger Wald hinweg und hinterließ insbesondere in Ledde, Leeden und Lienen eine Spur der Verwüstung. Foto: Detlef Dowidat Wilhelm Schmitte Jörg

Den Böen mit Spitzengeschwindigkeiten von über 120 Stundenkilometern hatten insbesondere Fichtenbestände wenig entgegenzusetzen. „An vielen Stellen hat der Wind wie ein Hebel in die Wipfel gepackt und die Bäume umgeworfen oder geknickt“, erinnert sich Heinz-Peter Hochhäuser. Auch wenn der Teuto nur von Ausläufern des Orkans getroffen wurde – rund 600 Hektar Wald lagen am nächsten Morgen am Boden.

Geschätzte 110 000 Festmeter Schadholz werden in den darauffolgenden Wochen und Monaten aus den Forsten gefahren. Eile tut not, denn die gestürzten und geknickten Bäume sind ideales Terrain für Schädlinge. „Zwei glückliche Umstände“, so der Leiter des Regionalforstamts Münsterland , verhindern eine Borkenkäfer-Plage. Das Frühjahr 2007 ist nicht so warm, die Aufräumarbeiten kommen zügig voran.

Auf die Holzpreise hat das keinen Einfluss. Bei Fichten hat „Kyrill“ rund das dreifache der normalen Jahresernte flachgelegt. Der Preis rauscht in den Keller, was viele Waldbesitzer trifft. Über 80 Prozent der Forste sind in privater Hand. Diese Zeit des Überangebots ist passé. „Die 40 bis 60 Jahre alten Fichten fehlen jetzt und auch noch in den nächsten Jahren“, sagt Heinz-Peter Hochhäuser im Gespräch mit dieser Zeitung. Die Folge: gute Nachfrage und gute Preise.

Stromleitungen gerissen, Zugverkehr eingestellt

Auf dem Looser Berg ist vor zehn Jahren kaum ein Baum stehen geblieben, die Fläche sieht aus wie nach einem Kahlschlag.

Sportler, Wanderer und Spaziergänger werden vor dem Betreten der sturmzerzausten Wälder gewarnt.

Umstürzende Bäume haben im Raum Lienen Strom- und Telefonleitungen durchtrennt. Straßen werden gesperrt, weil Feuerwehr und Technisches Hilfswerk mit dem Zersägen auf den Fahrbahnen liegender Stämme kaum nachkommen.

Notstromaggregate stellen sicher, dass Kühe gemolken und weitere Tiere auf Bauernhöfen gefüttert werden können.

Etliche Hausbesitzer haben unversehens was aufs Dach bekommen: Bäume beschädigen Ziegel und Dachstühle, der Regen fällt ungehindert auf den Fußboden. Am Lengericher Hallenbad werden Teile der Abdeckung abgerissen, der Betrieb wird eingestellt.

An der Grundschule Kattenvenne fällt der Unterricht aus. Am späten Nachmittag geht am Bahnhof Lengerich nichts mehr, der Fahrbetrieb wird eingestellt und erst am anderen Morgen gegen 6 Uhr wieder aufgenommen. Dieser Zug braucht zwei Stunden bis Münster (normale Fahrzeit 22 Minuten). Erst um 8.30 Uhr ist die Strecke geräumt.

Noch Wochen später machen sich die Spätfolgen von „Kyrill“ bemerkbar: Ein Teilstück der Lengericher Straße in Tecklenburg wird für drei Tage gesperrt, weil Bäume gefällt werden müssen, die sonst umzustürzen drohen.

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Längst nicht jede Fichte, die vor zehn Jahren „Kyrill“ zum Opfer gefallen ist, wurde ersetzt. In der Regel sind Laubhölzer, in erster Linie Buchen, gepflanzt worden. „Daneben haben wir auch auf Naturverjüngung der Fichten gesetzt“, ergänzt der Fachmann. Schließlich seien ja Bäume stehen geblieben. Ziel sei eine gute Kombination von flach und tief wurzelnden Bäumen. „Wir hoffen, dadurch stabile Wälder aufzuforsten.“

Die Fichten, die im Teutoburger Wald geschlagen werden, sind beim konstruktiven Bau gefragt. In der Regel kommen die bearbeiteten Hölzer beim Hausbau zum Einsatz und dort als Dachstuhl.

 

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