Außergewöhnliches Konzert
Schier irrwitzige Dynamik

Tecklenburg -

Ein mehr als außergewöhnliches Konzert wurde am Freitagabend den 60 Besuchern in den Räumen des Otto Modersohn Museums zu Gehör gebracht. Reinbert Evers (Gitarre) und Matias de Oliveira Pinto (Violoncello) spielten Musik des 20. und 21. Jahrhunderts, die sowohl den Künstlern als auch dem Publikum höchste Konzentration abverlangte.

Montag, 08.05.2017, 18:05 Uhr

Im Modersohn Museum sorgten Reinbert Evers und Matias de Oliveira Pinto für außergewöhnliche Klänge.
Im Modersohn Museum sorgten Reinbert Evers und Matias de Oliveira Pinto für außergewöhnliche Klänge. Foto: Nicole Degutsch

Uta Jenschke , Geschäftsführerin des Museums, formulierte es in ihren Begrüßungsworten so: „Die sehr spezielle Kombination von Gitarre und Violoncello verspricht einen feinabgestimmten und spannungsgeladenen Klanggenuss mit zwei Künstlerpersönlichkeiten, die heute Abend eine musikalische und atmos-phärische Symbiose entstehen lassen. Eine nordisch-baltische Grundstimmung trifft auf spanisch-brasilianisches Klang-Kolorit.“ Damit brachte sie es auf den Punkt.

Schon beim ersten Stück der estnischen Komponistin Ester Mägi spielten die Künstler zu Beginn zwar gefühlvoll, doch schnell wurde klar: Diese Musik lud keinesfalls zum entspannten Zurücklehnen und sich berieseln lassen ein, entlockten die beiden doch ihren Instrumente eine schier irrwitzige Dynamik. Hochkomplex und virtuos fügte sich danach das Stück von Osvaldas Balakauskas („Summer Duo for Cello und Guitar“) aus Litauen ein, stellenweise wirkte es experimentell und disharmonisch. Das Publikum hörte gebannt zu und ließ weder Ohren noch Augen von den Musikern, manche wippten im Takt mit dem Kopf oder mit dem Fuß. Evers schien an manchen Stellen die Saiten aus seiner Gitarre zu reißen, mit solcher Wucht zupfte er an ihnen. Eine Zuschauerin: „Man muss sich auf das Klangerlebnis einlassen können.“

Ein Highlight des Abends war sicher die Uraufführung des Werkes „En el blanco infinito“, dessen Komponistin Ulrike Merk anwesend war und sich aufs Herzlichste bei den Künstlerin für die gelungene Interpretation ihres Stückes bedankte.

„Im zweiten Teil wird es harmonischer“, kündigte Reinbert Evers kurz vor der Pause schmunzelnd an, wissend, dass der erste Teil nichts für zarte Gemüter war. So geschah es, es folgte ein weiterer musikalischer Genuss mit spanischen und brasilianischen Stücken von Heitor Villa Lobos („Bacchianas Brasileiras Nr. 5 Aria“) und Isaac Albeniz („Cordoba“), aber auch Maurice Ravel („Piece en forme de Habanera“).

Erst nach drei Zugaben (wovon letzte ein Wiegenlied war), entließ das hochbegeisterte Publikum („Endlich mal etwas Progressives in Tecklenburg “) die Künstler, die es ebenso zu schätzen wussten, in diesem fast schon privaten Rahmen spielen zu können, mit viel Applaus.

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