Kindergarten-Diskussion
Brochterbeck macht mobil

Tecklenburg-Brochterbeck -

Das Kreisjugendamt hat den Bedarf für einen zweiten Kindergarten in Brochterbeck ermittelt. Das Bistum Münster hat, nach dem erst das Interesse an einer Trägerschaft signalisiert worden war, einen Rückzieher gemacht. Am Dienstag sollen dem Bischof fast 1000 Unterschriften überreicht werden. Klarer Tenor: Die Brochterbecker wünschen die Kirche als Träger.

Dienstag, 13.06.2017, 06:06 Uhr

Das Familienzentrum Brochterbeck auf einer älteren Aufnahme. 
Das Familienzentrum Brochterbeck auf einer älteren Aufnahme.  Foto: Alfons Voß

An die 1000 Unterschriften hat der Elternrat des Familienzentrums St. Peter und Paul gesammelt. Seit Freitagmittag. Klares Ziel der Aktion: Das Bistum soll die Trägerschaft für einen zweiten Kindergarten im Golddorf übernehmen. Bislang stellt sich Münster quer. „Deshalb werden wir am Dienstag am Domplatz auf der Matte stehen und klingeln. Mal sehen, ob uns der Bischof oder einer seiner Mitarbeiter die Tür aufmacht.“ Dagmar Kerssen, Mitglied des Elternrats, fühlt große Unterstützung von den Einwohnern.

Das Dorf hat mobil gemacht. So lässt sich beschreiben, was seit Mittwochmittag vergangener Woche passiert ist. Da kam – per Anruf – die Absage aus Münster: Die katholische Kirche werde nicht die Trägerschaft für einen zweiten Kindergarten in Brochterbeck übernehmen.

Daraufhin hat der Elternrat des Familienzentrums mobil gemacht. Am Donnerstag wurden ein Info-Schreiben und Unterschriftenlisten erstellt, am Freitagmittag stand Dagmar Kerssen vor dem Familienzentrum und sammelte die ersten Unterstützungsunterschriften ein. Klares Ziel der Aktion: Das Bistum soll Träger eines zweiten Kindergartens werden.

Der Bedarf für diese Einrichtung ist unstrittig, hat das Kreisjugendamt herausgefunden (wir berichteten). Nach einigem Hin und Her waren mit dem Perthes-Werk und der katholischen Kirche zwei potenzielle Träger für die neue Einrichtungen gefunden worden. Bis zum Rückzieher aus Münster.

„Das Familienzentrum leistet gigantische Arbeit, auch in Zusammenarbeit mit der Kirchengemeinde“, verstehen Dagmar Kerssen und ihre Mitstreiter die Welt nicht mehr. Die katholische Kirche wolle mehr Familien und Kinder für sich begeistern – „Die Antwort aus Münster ist wie eine doppelseitige Ohrfeige.“

Aus Sicht des Elternrates geht es nicht „nur“ um eine zweite Tageseinrichtung für Kinder. Am Familienzentrum hänge so viel, von Kinderangeboten bis Seniorenarbeit, betont die Elternvertreterin die Wichtigkeit der Einrichtung fürs Dorfleben. Und dann werde am grünen Tisch in Münster entschieden, der Bedarf für katholische Familien in Brochterbeck sei gedeckt.

Beim Schützenfest am Wochenende haben die Elternratsmitglieder viele Unterschriften erhalten. „Etliche haben uns allerdings gefragt, ob das die Kirchenaustritts-Formulare seien“, beschreibt Dagmar Kerssen die Brisanz der Situation.

Versuche, auf die Schnelle einen Termin bei Bischof Felix Genn zu erhalten, sind gescheitert. Heute wollen die Elternratsvertreter mit einigen Kindern zu Trommelklängen auf den Domplatz ziehen und beim Oberhirten klingeln. Transparente sind auch dabei. Auf einem steht: „Redet mit uns.“

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