Fledermäuse in historischem Gemäuer
Stille Untermieter in der Kirche

Tecklenburg-Ledde -

Einmal im Jahr zählt Gerhard Mäscher Punkte. Nein, nicht Punkte in Flensburg, sondern die Punkte, mit denen der Regionalbeauftragte für Fledermäuse in Niedersachsen die Wochenstubenkolonie der Großen Mausohren unter dem Dach der Ledder Kirche kennzeichnet.

Donnerstag, 24.08.2017, 20:08 Uhr

So sieht es aus, wenn gezählt wird: Auf dem Foto werden die Jungtiere mit grüngelben Punkten versehen. Das Muttertier (rechts oben) bekommt einen roten Punkt. Die Zahlen schwanken Jahr für Jahr.
So sieht es aus, wenn gezählt wird: Auf dem Foto werden die Jungtiere mit grüngelben Punkten versehen. Das Muttertier (rechts oben) bekommt einen roten Punkt. Die Zahlen schwanken Jahr für Jahr. Foto: Gerhard Mäscher

Einmal im Jahr zählt Gerhard Mäscher Punkte. Nein, nicht Punkte in Flensburg, sondern die Punkte, mit denen der Regionalbeauftragte für Fledermäuse in Niedersachsen die Wochenstubenkolonie der Großen Mausohren unter dem Dach der Ledder Kirche kennzeichnet. Zu seinen wichtigen Aufgaben gehören die Zählungen, die Bestandsaufnahmen der unter Schutz stehenden Fledermäuse. Zwischen dem 16. und 25. Juni zählen die ehrenamtlich tätigen Helfer die ausfliegenden Muttertiere und auch die Jungtiere, die weiter in ihrer Wochenstube verbleiben, bis sie im Herbst selbst ausfliegen, um sich Fettreserven für den Winterschlaf anzufressen.

Beim Tag des offenen Denkmals am 10. September in Ledde wird der Fledermaus-Fachmann alles Wissenswerte über die „stillen Untermieter auf dem Kirchenboden“ erzählen.

Fledermäuse ernähren sich vorwiegend von Laufkäfern am Boden, bevorzugt in Buchenwäldern mit wenig Unterwuchs. Sie orientieren sich mittels Ultraschall-Echoortung, bei der Jagd lauschen sie auch auf Laufgeräusche der Käfer im Laub. Im Winterschlaf leben sie auf Sparflamme, die Fettreserven reichen bis zum Frühjahr. Weibliche Jungtiere kehren in die Kolonie zurück. Deshalb sind die Kolonietiere eng verwandt. Genetischer Austausch entsteht über abwandernde Männchen.

Fledermäuse sind Säugetiere. Im Kreis Steinfurt gibt es 16 Arten, wie Gerhard Mäscher berichtet. Das Maus-ohr ist die größte in Deutschland lebende Art. Diese Fledermaus hat eine Flügelspannweite von bis zu 43 Zentimetern und wiegt 20 bis 30 Gramm. Die kleinste Art ist die Zwergfledermaus. Mit nur 20 Zentimeter Spannweite und vier bis sechs Gramm Gewicht passt sie in eine Streichholzschachtel. Kolonien sind meist auf großen Dachböden von Kirchen und Schlössern. Weibchen findet man auch in Kolonien im Umkreis, in Borghorst (25 Tiere), Engter (540) oder Belm (200).

Die Ledder Dorfkirche ist europäisches Schutzgebiet (FFH). Fledermäuse können 25 bis 30 Jahre alt werden. Sie jagen im Umkreis von 25 Kilometern ihrer Kolonie und vertilgen um die 50 Käfer pro Nacht. Man könne ausgehen von acht Prozent Zuwachs pro Jahr, sagt Mäscher. Die Wochenstube dauert von Ende März bis Ende August. „Der Nachwuchs kommt Ende Mai zur Welt. Wir rechnen bei optimalen Lebensbedingungen mit etwa 70 Jungtieren auf 100 Weibchen. Ab September ist Paarungszeit“, berichtet der Fachmann.

Die Fledermäuse verlassen die Baumquartiere in den Wäldern und beziehen ab Ende Oktober die Winterquartiere in Höhlen, meist Stollen, zum Beispiel im Kalkstollen in Holperdorp, im Hüggel oder Freeden. „Sie wandern bis zu 100 Kilometer,“ weiß Mäscher.

Der Fachmann geht davon aus, dass es in der Ledder Kirche seit Jahrhunderten Fledermäuse gibt. Er ist seit 30 Jahren ehrenamtlich in der Fledermausüberwachung tätig. „Es fing an mit Krötenwanderung und Orchideen. Ich wohne nahe am Hüggel, und mit Kollegen aus Osnabrück bin ich in alten Stollen auf Fledermäuse gestoßen. In Niedersachsen wurde ein Betreuungssystem für Fledermäuse gegründet. Ich arbeite mit Carsten Dense aus Osnabrück zusammen. Er ist Profi und versieht Tiere mit Sendern für das Monitoring. Ein Fledermaus-Sender wiegt 0,6 Gramm und wird mit Kleber im Mausohr-Nacken befestigt. Die Batterie hält etwa eine Woche. Batterie und Sender fallen ab, wenn sich die Tiere oben auf dem Dachboden putzen“, berichtet Mäscher. Mit einer Antenne könnten die Beobachter die Flurrichtung der Tiere bestimmen,

Manchmal finden die Mausohr-Beobachter bei der Reinigung des Dachbodens die Mini-Sender. Den Kot, ein hervorragender Dünger, tragen sie in Säcken herunter.

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