Fachwerkhäuser im Wandel der Zeit
Einst zog es durch alle Ritzen

Tecklenburg -

Tecklenburg wird durch Fachwerkhäuser geprägt und sie machen auch einen erheblichen Teil des Charmes aus, den das Burgstädtchen verströmt. Deren Erhalt erfordert Engagement und Geld, das war auch schon in früheren Jahrzehnten so.

Montag, 28.08.2017, 06:08 Uhr

Die Fachwerkhäuser in der Ibbenbürener Straße Anfang der 1960er Jahre (rechtes Bild) und heute. Damals zog es durch alle Ritzen. Im Winter drang Schnee durch die Ritzen der meist schiefen Dächer ein.
Die Fachwerkhäuser in der Ibbenbürener Straße Anfang der 1960er Jahre (rechtes Bild) und heute. Damals zog es durch alle Ritzen. Im Winter drang Schnee durch die Ritzen der meist schiefen Dächer ein. Foto: Ruth Jacobus

Es sind die alten Fachwerkhäuser, die den Reiz des Burgstädtchens ausmachen. Das war früher so und ist heute nicht anders. Was sich ebenfalls nicht geändert hat: Die Gebäude zu renovieren und in Schuss zu halten, gelingt nur mit Liebe zum Detail – und dem passenden Kleingeld. So stöhnte Anfang der 1960er Jahre ein Tecklenburger nach dem Umbau über Aufwand und Kosten: „Dafür hätte ich mir glatt ein neues und modernes Haus bauen können.“ Aber ein Haus, das über 100 Jahre alt ist und das in Tecklenburg steht, darf in Zukunft nicht ohne Genehmigung abgerissen werden. So hieß es 1963 in der Heimatzeitung.

Was heute für großen Ärger sorgen würde: „Ein ganz Schlauer, der in Tecklenburg in der Nähe der Apotheke am Markt ein altes Fachwerkhaus erworben hatte, tarnte den Abriss, indem er innen so viel tragende Elemente entfernte, bis das alte Haus einzustürzen drohte. Das alte Haus musste nun wohl oder übel abgebrochen werden.“

Die Gebäude mussten gründlich renoviert werden, denn „es zieht, wie man so sagt, durch sämtliche Knopflöcher. Es zieht an den Fensterrahmen vorbei und auch oben auf dem Dach durch die Ritzen der Pfannen“, schrieb damals der Chronist und hielt fest: „Kein Wunder, dass früher viele Tecklenburger Tbc, Gicht, Rheuma und Ischias hatten.“ Doch die Zeiten haben sich gebessert: „Die Tecklenburger, die heute noch in diesen alten Häusern wohnen, haben sich inzwischen, so gut es ging, gegen diese Unbilden geschützt.“ Die Häuser wurden isoliert, Doppelfenster und Badezimmer eingebaut.

Heute sind aus den zugigen Fachwerkhäusern behagliche – und sehenswerte – Zuhause geworden.

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