Mittendrin beim Abenteuergolfen in Tecklenburg
Ortsgeschichte auf Kunstrasen

Tecklenburg -

„Minigolf?! Gibt‘s das überhaupt noch?“, reagiert mein Mann mit dezentem Entsetzen auf meine Freizeitpläne. Aber dann lässt er sich doch breitschlagen und begleitet mich. Das entscheidende Argument: Wir brechen nicht zum Mini-, sondern zum Abenteuergolfen auf.

Mittwoch, 30.08.2017, 15:08 Uhr

Viel los ist auf dem Gelände des Abenteuergolfplatzes. Für die Erwachsenen stehen schattige Sitzecken bereit, für die Kinder ein großer Sandspielplatz – und für die Jugendlichen freies WLAN.Frisch entflammt fürs Abenteuergolfen lenkt mein Mann den kleinen Ball über Brücken und Bahnen.
Viel los ist auf dem Gelände des Abenteuergolfplatzes. Für die Erwachsenen stehen schattige Sitzecken bereit, für die Kinder ein großer Sandspielplatz – und für die Jugendlichen freies WLAN.Frisch entflammt fürs Abenteuergolfen lenkt mein Mann den kleinen Ball über Brücken und Bahnen. Foto: Ulrike Havermeyer

Was genau den Unterschied zwischen diesen beiden Disziplinen ausmacht, weiß ich allerdings auch nicht. Auf dem Weg zum Abenteuergolfplatz nach Tecklenburg gnatzelt meine Ehehälfte, dass sie ja ohnehin lieber Wandern gegangen wäre und ihr zur Komplettierung des Hermannsweges noch etliche Etappen fehlten. Natürlich, orakelt mein Mann, klinge Abenteuergolf allein des Begriffs wegen durchaus nach Spannung. Aber am Ende, wähnt der Schlägerschwinger wider Willen, am Ende habe er Minigolfen schon zu Zeiten längst verblichener Kindergeburtstage nicht gemocht. Ich übrigens auch nicht, stimme ich ihm im Stillen zu.

Als wir schließlich das Gelände am Rande der Stadt betreten, bin ich verwirrt: Wo sind die, in den 1980er-Jahren meiner Kindheit obligatorisch in Flacheisen betonierten Bahnen? Wo die Wege aus Waschbetonplatten? Statt gestresstem Kindergeburtstagsklientel flanieren fröhliche Menschenschwärme – Jugendliche, junge Paare, Seniorengruppen, Familien mit kleinen Kindern – plaudernd durch … ja durch was eigentlich?

Vor lauter gediegen durchkomponierten Staudenbeeten, Gräsern und Gebüsch sieht man die lustig bunten Kunstrasen-Bahnen zunächst gar nicht! Naturnah angelegte Bäche, über die sich urige Holzbrücken spannen, durchziehen das sanft hügelige Areal. Hier plätschert ein künstlicher Wasserfall, dort sprudelt eine Fontäne – mittendrin dreht sich sogar ein kleines Wasserrad. Aber das ist nicht nur hübsch anzuschauen, sondern stellt bereits eines der 21 Hindernisse dar.

„Beim Abenteuergolf spielen alle gleichzeitig. Die Reihenfolge, in der der Parcours bewältigt wird, ist nicht wichtig – so muss keiner lange warten“, erklärt Mitarbeiterin Jenna Bress und reicht uns Schläger und Bälle. Alle weiteren Regeln sind übersichtlich und stehen auf dem Laufzettel, den jedes Team in die Hand gedrückt bekommt. Der Freizeit-Nörgler an meiner Seite hat sein Gemurre eingestellt und vertieft sich in den Übersichtsplan. „Lass uns doch mal beim Ibbenbürener Schacht anfangen“, spricht‘s und wieselt hoch motiviert die kunstvoll gepflasterten Pfade entlang.

Abschlag: der Gatte. Über verengte Eisenbahnschienen kullert der Ball in den stilecht verkohlten Tunnel und landet mit derbem Krawumms im Förderkorb und anschließend zielsicher im Loch. Die Gesichtszüge des frisch entflammten Abenteuergolfers entspannen sich zusehends. Während ich mein Glück versuche, studiert mein Mann die Erläuterungen auf dem Hinweisschild neben der Bahn. „Das ist ja interessant…“, höre ich ihn murmeln, als ich mein verunglücktes Bällchen vorsichtig aus den Rabatten klaube. Wir spielen uns weiter durch einen Kletterwald, den Tecklenburger Hexenpfad entlang, versenken den Ball – unfreiwillig – im Lengericher Canyon und erklimmen die Dörenther Klippen samt Hockendem Weib.

Frisch entflammt fürs Abenteuergolfen lenkt mein Mann den kleinen Ball über Brücken und Bahnen.

Frisch entflammt fürs Abenteuergolfen lenkt mein Mann den kleinen Ball über Brücken und Bahnen. Foto: Ulrike Havermeyer

Und obwohl sich an diesem sonnigen Spätsommertag wahre Menschentrauben auf der etwa 5000 Quadratmeter großen Anlage tummeln, herrscht entspannte Urlaubsstimmung. Wer gerade keinen Platz auf einer der Kunstrasen-, Sand- oder Holzbahnen findet, genießt die gartenarchitektonisch durchgestylte Kulisse, picknickt in einer der lauschig angelegten Nischen oder verschlingt, wie mein Mann, mit wachsender Begeisterung die Zusatzerklärungen, die auf historische Hintergründe, regionale Bedeutung und touristische Nutzbarkeit der Hindernis-Vorbilder verweisen.

„Jetzt fehlt uns nur noch Station 14: der Hermannsweg“, verkündet mein Mann und kann sein Glück kaum fassen, dass er nun außer der erfolgreichen Überwindung einer Kindheitsaversion auch noch eine Etappe auf seinem Wanderplan abhaken kann.

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