Buch über die Landrat-Schultz-Straße
Lebensader steckt voller Geschichte(n)

Tecklenburg -

Sie ist die Lebensader der Stadt, das Tor zur Altstadt und die Hauptstraße gleichermaßen. So war es früher und ist es noch heute. Geschäfte und Gastronomie prägen das Bild der Landrat-Schultz-Straße. Einheimische und Touristen bummeln dort, kaufen ein und bewundern die alten Gebäude. Welch vielfältige Geschichte sich hinter den Fassaden verbirgt, das ist es wert, festgehalten zu werden. „Das Tor zur Altstadt“ heißt das über 100-seitige Buch des Geschichts- und Heimatvereins (GHV), das Ende April erscheint. Verfasst haben es Marielies Saatkamp und Frank Bosse. Der GHV-Vorsitzende plaudert mit dieser Zeitung über die Entstehungsgeschichte.

Mittwoch, 28.03.2018, 22:03 Uhr

Gaststätten und Geschäftshäuser reihen sich aneinander. Die Landrat-Schultz-Straße war und ist die eigentliche Hauptstraße der Stadt.
Gaststätten und Geschäftshäuser reihen sich aneinander. Die Landrat-Schultz-Straße war und ist die eigentliche Hauptstraße der Stadt.

Das neue Buch ist nicht das erste über einen Straßenzug. Bereits vor drei Jahren ist eines über die Ibbenbürener Straße erschienen. „Das hat viel Spaß gemacht“, blickt Bosse zurück. Kein Wunder also, dass ein Nachfolgewerk erscheinen soll, und zwar über die Landrat-Schultz-Straße. Im Gesprächskreis Stadtgeschichte, den Marielies Saatkamp leitet, wurden vor zwei Jahren die Grundlagen dafür gelegt. Viele Erinnerungen wurden in der Runde wach.

„Wir dachten, das ist nicht so kompliziert, da gibt es weniger Häuser als an der Ibbenbürener Straße“, erzählt Bosse. Doch da hatte er sich getäuscht. Es sind zwar weniger Häuser, in denen stecken aber viele Geschichten, die es wert sind, erzählt zu werden. „Es stürmte so viel auf uns ein“, so Bosse. Ehemalige und aktuelle Bewohner der Häuser wurden angesprochen und eingeladen. Wer nicht selbst von seinem Haus erzählen wollte, hat dann aber Schuhkartons voller Erinnerungsstücke zur Verfügung gestellt.

Bosse beschreibt es als wichtige Aufgabe eines Heimatvereins, Historisches festzuhalten. „Sonst landet alles irgendwann im Container“, befürchtet er. Dabei verhehlt er auch nicht, dass es viel Zeit und Arbeit bedeutet, solch ein Buch zu erstellen. Aber das ist es wert. Und es gibt durchaus Interesse. „Bei der Jahreshauptversammlung des Vereins sind schon über 70 Bestellungen eingegangen“, freut sich Bosse. 500 Exemplare werden zunächst in der Erstauflage erscheinen.

Der Leser entdeckt eine gelungene Kombination aus Geschichte und Geschichten, Anekdoten und Fakten, historischen und aktuellen Bildern. Ein großes Kapitel ist dem Hotel „Burggraf“ gewidmet, das einst dort residierte, wo heute die Kreisverwaltung steht. Da werden Erinnerungen wach an Tanzstunden, an Treffen des Kegelvereins, an Burschenschaftsfeste und an den Besuch von Kaiser Wilhelm II. Auch eine alte Rechnung aus dem Jahr 1921 ist abgebildet, ausgestellt an den „Heimat Verein Tecklenburg“. Sie lässt den Betrachter schmunzeln: Ein Liter Korn war zu bezahlen, er kostete 10 000 Mark, für zwei Zigarren wurden immerhin 500 Mark berechnet. Es war Inflationszeit.

Dort, wo sich heute an der Landrat-Schultz-Straße „Die kleine Schatzruhe“ befindet, gab es einst, genauer gesagt ab 1921, den Kolonialwarenladen von Sophie Prigge. Die selbstständige, ehrgeizige Tecklenburgerin begründete das Lebensmittelgeschäft Prigge, das über drei Generationen bestand. Daran wird in dem Buch ebenso erinnert wie an das Schuhhaus Winkler. In dem Gebäude befand sich einst die Gastwirtschaft „Osnabrücker Hof“, 1968 kaufte es der Schuhmachermeister Josef Winkler.

Und dann ist da noch das geschichtsträchtige Haus des Schneiders Heinrich Prigge, der es 1882 für 3000 Mark erwarb, „nebst angrenzenden dazu gehörigen Hof- und Gartenmauern mit sämtlichen Obstbäumen und den dazu gehörigen Kirchen- und Begräbnisstelle respective Kirchensitzen“. Die verkaufende Witwe Bünte durfte zur Miete wohnen bleiben, ebenso wie Wachtmeister Söffke. Heinrichs Mutter war die Bezirkshebamme Wilhelmine Prigge, geborene Stall. Diese Familiengeschichte ist ebenso interessant wie die Schilderung des Alltags im Schneiderhaushalt.

Ob die Geschichte des Postwesens, die Gaststätten an der Landrat-Schultz-Straße, der Aufbruch ins motorisierte Zeitalter oder die Villa von Recklingshausen – jedem Haus werden in dem Buch „Das Tor zur Altstadt“ Zeilen gewidmet. Und natürlich auch Landrat Dr. Hermann Schultz .

Zum Thema

Das Buch „Das Tor zur Altstadt“ von Marielies Saatkamp und Franbk Bosse (Autoren) sowie Meile Beßmann-Bosse (Layout) wird am Freitag, 27. April, offiziell vorgestellt. Es kostet 19,95 Euro.

...
Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5624876?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F187%2F
Nachrichten-Ticker