Zu Besuch bei den Frühschwimmern im Waldfreibad
Schlange stehen um halb sieben

Tecklenburg -

Egal ob zehn oder 20 Grad: Auf seinen harten Kern kann sich Meik Runde bei jedem Wetter verlassen. Sobald der große Zeiger im Waldfreibad morgens in Richtung halb sieben vorrückt, stehen die ersten schon ungeduldig vor dem Drehkreuz und warten darauf, sich noch vor dem Frühstück in die kühlen Fluten zu stürzen. Der Badleiter hat seinen ersten Kaffee zu diesem Zeitpunkt bereits auf und auch seinen routinemäßigen Rundgang durchs Bad und die Technikräume längst erledigt.

Donnerstag, 30.08.2018, 21:00 Uhr
Veröffentlicht: Donnerstag, 30.08.2018, 21:00 Uhr
Das gibt‘s nur in Tecklenburg: Der Kaffee steht frisch gekocht auf dem Tisch, die Frühschwimmer treffen sich nach getaner „Arbeit“ auf einen gemütlichen Schnack. Vorher musste es schnell gehen. Raus aus den Klamotten, rein ins Wasser.
Das gibt‘s nur in Tecklenburg: Der Kaffee steht frisch gekocht auf dem Tisch, die Frühschwimmer treffen sich nach getaner „Arbeit“ auf einen gemütlichen Schnack. Vorher musste es schnell gehen. Raus aus den Klamotten, rein ins Wasser. Foto: Mareike Stratmann

Dann, um halb sieben, geht‘s ratzfatz. Ein kurzes „Moin“, für mehr ist jetzt keine Zeit. In Windeseile geht‘s raus aus den Klamotten, unter die Dusche – und gegen 7.40 Uhr sorgen an diesem zugegebenermaßen warmen Sommermorgen bereits 21 Frühschwimmer für ordentlich Bewegung im Becken. Ein prüfender Blick des Badleiters auf das Geschehen, dann geht‘s auch für ihn mit seinem Programm weiter.

Hat er vor Öffnung des Bades bereits sämtliche Werte kontrolliert, nachgeguckt, ob alle Pumpen ordnungsgemäß ihren Dienst versehen und ob auch rund um die Becken alles in Schuss ist, muss nun alles im Tagesbericht dokumentiert werden. Auffälligkeiten gibt es an diesem Morgen keine. Stattdessen steht der Wechsel einer Chlorgasflasche an. Dafür zieht sich Runde um, setzt die Atemschutzmaske auf. Sicherheit steht über allem. Anschließend wird es akribisch festgehalten – auch, dass wenig später eine Filterrückspülung folgt. Die Stammgäste merken das sofort. „Du hast doch eben gespült“, heißt es, als die ersten Wasserratten gegen 7 Uhr das Becken wieder verlassen.

Einige müssen sich sputen und zur Arbeit. Andere lassen sich nach dem Umziehen in aller Ruhe am Tisch nieder und trinken erstmal einen Kaffee. „Das ist ein Tecklenburger Unikum. Es hat sich hier so eingebürgert“, erklärt Runde, der selbst für das Heißgetränk seiner – wie er sie liebevoll nennt – „Pappenheimer“ gesorgt hat.

Es folgt ein kurzer Schnack über die Befindlichkeiten der Gäste und darüber, dass der Sommer der Bäder und Wasser GmbH bis Mitte dieser Woche schon 41 131 Gäste beschert hat und dass das Bad definitiv noch bis zum übernächsten Wochenende, 8. und 9. September, geöffnet bleibt. Der Badleiter ist mit diesen Zahlen „sehr zufrieden“. Zum Vergleich: 2017 wurden in Tecklenburg gerade mal 23 340 Wasserratten gezählt.

Für die Frühschwimmer, von denen viele auch im knapp 200 Mitglieder zählenden Förderverein aktiv sind, gibt es zig gute Gründe, ins Waldfreibad zu kommen. Günter Gläser bringt‘s auf den Punkt: „Für uns fängt doch jeder Tag mit Urlaub für die Augen an“, schwärmt er von der morgendlichen Schwimmeinheit in dem idyllisch gelegenen Bad. Seine Mitschwimmer nicken.

Während die überwiegend älteren Badegäste noch etwas philosophieren, muss der 37-Jährige weiter: das Babybecken vorbereiten, die Fass-Sauna startbereit machen und Lagerbestände prüfen. Wie sieht es aus mit Chemikalien und Seife? Ist noch genügend Toilettenpapier vorhanden?

Zwischendurch muss er an die Kasse. Die ersten Tagesgäste kommen. Auch das Telefon wird nun zum ständigen Begleiter. „Ja, wir haben geöffnet. Eine Tageskarte kostet 3,50 Euro. Und ja, heute Abend findet wieder Aquafitness statt.“

Der Badleiter ist im Dauereinsatz, ständig an den unterschiedlichsten Orten im Bad unterwegs – dabei immer ein Auge auf die Becken gerichtet. Gleich wird er die Kassiererin und einen weiteren Rettungsschwimmer zur Verstärkung rufen. Schließlich kommen in diesem Sommer an Spitzentagen bis zu 1300 Besucher. „Routine“ nennt er das.

„In diesem Beruf ist man Allrounder“, sagt Meik Runde und macht keinen Hehl daraus, dass er genau diesen Facettenreichtum an seiner Arbeit mag.

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