Forderung von Therapeuten
Mehr Geld für mehr Qualität

Tecklenburg-Brochterbeck -

Es ist die Liebe zum Beruf, das Bedürfnis, zu helfen, was Nathalie Bäumer, Nina Nink und Frank Niehues miteinander verbindet. Sie haben sich nicht aus finanziellen Gründen zu Therapeuten ausbilden lassen. 2200 Euro bekommt diese Berufsgruppe monatlich im Bundesdurchschnitt – brutto.

Donnerstag, 06.09.2018, 21:00 Uhr
Veröffentlicht: Donnerstag, 06.09.2018, 21:00 Uhr
Frank Niehues, Nina Nink, Anika Lütkemöller und Nathalie Bäumer mit Therapiehund Käthe (von links) machen auf die kritische Situation der Therapie aufmerksam.
Frank Niehues, Nina Nink, Anika Lütkemöller und Nathalie Bäumer mit Therapiehund Käthe (von links) machen auf die kritische Situation der Therapie aufmerksam. Foto: Ruth Jacobus

20 000 bis 30 000 Euro kostet alleine die selbstfinanzierte Ausbildung. Hinzu kommen verpflichtende teure Fortbildungen – aber ohne Aussicht auf ein entsprechendes Einkommen. An die Altersversorgung muss gedacht werden, Miete und Löhne für Mitarbeiter sind zu zahlen. Nathalie Bäumer (Logopädin), Nina Nink (Ergotherapeutin), Anika Lütkemöller (Praktikantin) und Frank Niehues (Physiotherapeut) haben sich deshalb an einer bundesweiten Kreideaktion beteiligt, mit der sie für bessere Arbeitsbedingungen kämpfen. Die Brochterbecker Therapeuten arbeiten eng zusammen.

„Man ist von 2200 Euro nicht in der Lage, eine Familie zu ernähren“, sagt Frank Niehues. Auf 19,50 Euro ist die Vergütung pro Behandlung angehoben worden. 90 bis 100 Euro müsse es eigentlich pro Stunde geben.

Bei den Logopäden dauert eine Behandlung in der Regel 45 Minuten. Dafür gibt es 42 Euro. Zu bedenken ist allerdings, dass die Therapiesitzungen vor- und nachbereitet werden müssen, Berichte sind zu erstellen, die Abrechnungen zu machen. Letztendlich werden pro Sitzung insgesamt 76 Minuten fällig. Das hat die Interessengemeinschaft selbstständiger Logopäden ermittelt.

„Wir switchen alle 45 Minuten zwischen verschiedenen Feldern“, schilderte Nina Nink. Schlaganfall, Parkinson, ADHS – die Bandbreite der Erkrankungen ist groß. „Das macht das Spannende an dem Beruf aus.“ Um Patienten zu helfen, werden auch zeitintensive Hausbesuche unternommen. „Wir verdienen als Selbstständige weniger als unsere Mitarbeiter“, klagt Nathalie Bäumer, die einen Bachelor-Abschluss hat. Ein Telefonist bei einer Krankenkasse bekomme mehr Geld.

Die Forderung der Therapeuten bringt Frank Niehues auf den Punkt: „Wir wollen die höchstmögliche Qualität in der Therapie, eine vernünftige Vergütung und weniger Bürokratie.“

„Wir wären viel effizienter, wenn wir mehr Zeit in die Arbeit stecken könnten“, fügt Nathalie Bäumer hinzu.

Zwar sei schrittweise 30 Prozent mehr Geld zugesagt worden. Im Gegenzug würden die Ärzte aber angehalten, fünf Prozent weniger Therapie zu verordnen. „Damit ist die Erhöhung wieder bei Null“, so Niehues. Und er gibt zu bedenken: „Unser Beruf wird zwangsweise aufgewertet, denn die Menschen werden immer älter.“ Durch Physiotherapie gäbe es weniger Pflegebedarf.

Niehues nennt die Folgen der Misere: Bundesweit fehlen 40 000 Therapeuten. Jeder vierte steigt aus dem Beruf aus. Es gibt weniger Nachwuchs, und es mangelt an Fachkräften. Für die Patienten bedeutet das: keine freien Therapieplätze, lange Wartezeiten und zu kurze Behandlungszeiten. Trotzdem: „Ich liebe meinen Beruf und würde nie etwas anderes machen“, so Niehues.

Am Donnerstag, 13. September, gibt es ein Gespräch von Vertretern der Therapie-Verbände mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Also heißt es abwarten.

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