Minister Laumann bei der Frauenhilfe
Pflegekräfte dringend gesucht

Tecklenburg-Ledde -

„Es gibt kein Land, in dem die medizinische und pflegerische Versorgung so gut geregelt ist wie bei uns“, stellt Karl-Josef Laumann direkt zu Beginn seines Vortrags klar. Der NRW-Landesminister für Arbeit, Gesundheit und Soziales, ist am Mittwoch zu Gast im Ledder Gemeindehaus.

Freitag, 19.10.2018, 16:54 Uhr
Veröffentlicht: Donnerstag, 18.10.2018, 21:00 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Freitag, 19.10.2018, 16:54 Uhr
Elisabeth Melcher, Leiterin der Frauenhilfe Ledde, und Pastorin Ulrike Wortmann-Rotthoff (rechts) freuten sich über den Besuch von Karl-Josef Laumann (links) und Dr. Hermann Werdeling.
Elisabeth Melcher, Leiterin der Frauenhilfe Ledde, und Pastorin Ulrike Wortmann-Rotthoff (rechts) freuten sich über den Besuch von Karl-Josef Laumann (links) und Dr. Hermann Werdeling. Foto: Dietlind Ellerich

„Es gibt kein Land, in dem die medizinische und pflegerische Versorgung so gut geregelt ist wie bei uns“, stellt Karl-Josef Laumann direkt zu Beginn seines Vortrags klar. Der NRW-Landesminister für Arbeit, Gesundheit und Soziales, ist am Mittwoch zu Gast im Ledder Gemeindehaus. 55 Frauen, Mitglieder der vier evangelischen Frauenhilfen der Kirchengemeinde Tecklenburg, verfolgen nach einer Andacht mit Pastorin Ulrike Wortmann-Rotthoff seine Ausführungen. „In Würde alt werden“ heißt das Thema, und viele der Anwesenden haben sich schon einmal der Frage stellen müssen, ob und wie das geht.

Am Geld scheitere es nicht, weiß Laumann. Er verweist auf die Erhöhung der Beiträge zur Pflegeversicherung. „In den 1990er Jahren ging die Sozialversicherung auf dem Zahnfleisch, heute fehlen uns die Menschen, die die Arbeit in der Pflege tun wollen“, bringt er das Problem auf den Punkt.

Laumann bricht eine Lanze für die Pflegeversicherung. Als diese damals ins Leben gerufen wurde, habe es kaum Strukturen für die Pflege alter Menschen gegeben. „Da hat sich viel getan“, weiß er, gibt aber auch zu bedenken, dass in den kommenden 30 Jahren die Zahl der Pflegebedürftigen ansteigen wird. „Nicht weil Menschen kränker werden, sondern weil die geburtenstarken Jahrgänge alt werden“, verweist er auf eine der vielen Herausforderungen, denen sich die Gesellschaft stellen muss.

Viel sei erreicht worden, erklärt er mit Blick auf das Pflegestärkungsgesetz, das Demenzkranken einen höheren Pflegegrad zuerkennt. Mehr als die Hälfte der Heimbewohner werde heute als demenzkrank eingestuft. „Das war in den 90er Jahren kein Thema“, erinnert er sich.

„Ambulant vor stationär“, das Motto verägert Laumann. „Das stimmt nicht“, rät er seinen Zuhörerinnen, sich nicht verrückt machen zu lassen. „Der Staat hat die Aufgabe, die Leistungen dahin zu bringen, wo der Pflegebedürftige wohnen möchte“, stellt er klar, dass dieser und seine Angehörigen die Entscheidung selber treffen dürfen müssen.

„Pflege ohne Hausarzt geht nicht“, bricht er eine Lanze für die hausärztliche Versorgung und für mehr Medizinstudienplätze in Westfalen. Über 70 Prozent seien im Rheinland, befürchtet Laumann, dass die Absolventen „später hängenbleiben, wo sie ausgebildet wurden“. Mit der neu zu gründenden medizinischen Fakultät in Bielefeld und mit der Landarztquote sieht der Minister das Land NRW gut aufgestellt.

Weitere Ziele hat sich Laumann auf die Fahne geschrieben. So möchte er erreichen, dass Alteneinrichtungen wie Kitas Bestandteil des öffentlichen Lebens werden. Ebenso ist es ihm wichtig, Familien die Angst vor der Zuzahlung für einen Heimplatz zu nehmen. In der Regel sei das kein Problem, verweist er auf Freibeträge und die Tatsache, dass „nur für Eltern, nicht für Schwiegereltern“ gezahlt werden müsse. Laumann möchte sich jedoch dafür einsetzen, dass in Zukunft alle, die unter 100 000 Euro im Jahr verdienen, nicht zuzahlen müssen, und zudem alles dafür tun, dass „der Dorfarzt nicht aussterben wird“.

Nicht immer seiner Meinung ist Dr. Hermann Werdeling, Allgemeinmediziner in Ledde. Er weiß, wie schwierig es ist, einen Nachfolger zu bekommen. „Das will heute keiner mehr“, ist er überzeugt. Vielmehr glaubt er, dass der Dorfarzt aussterben wird und sich medizinische Versorgungszentren (MVZ) durchsetzen werden. „Ich bin ja ein alter Idealist, ich gebe nicht alles auf“, setzt Laumann der Prognose entgegen, die für viele im Saal ein Schreckensszenario bedeutet.

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