Reaktionen auf das Aus für die Rodelbahn
Freude, Erleichterung, Enttäuschung

Tecklenburg -

Die Nachricht vom Aus der Rodelbahn und des gesamten Erholungsgebietes Stutenmond schlug im Burgstädtchen ein wie eine Bombe. Dass die Investoren Henrik Borgmeyer und Oliver Tiedemann nach drei Jahren Planung und beachtlichen Investitionen zu diesem Zeitpunkt die Reißleine ziehen würden, damit hatte niemand, mit dem unsere Zeitung am Donnerstag sprach, gerechnet.

Donnerstag, 08.11.2018, 19:40 Uhr
Veröffentlicht: Donnerstag, 08.11.2018, 19:35 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Donnerstag, 08.11.2018, 19:40 Uhr
Alles auf Null: Das Erholungsgebiet Stutenmond mit der Entwicklung des alten Bahnhofs wird es in der geplanten Form nicht geben. Die Investoren haben die Reißleine gezogen.
Alles auf Null: Das Erholungsgebiet Stutenmond mit der Entwicklung des alten Bahnhofs wird es in der geplanten Form nicht geben. Die Investoren haben die Reißleine gezogen. Foto: Michael Schwakenberg

Angesichts der massiven Widerstände aus der Bevölkerung, von Anliegern und insbesondere der Klinik Tecklenburger Land hatten Borgmeyer und Tiedemann erklärt, „die Investitionen für den Bau einer Sommerrodelbahn an dem geplanten Standort als zu risikobehaftet“ anzusehen.

In der Kurklinik, die im Fall des Rodelbahn-Baus um ihre Existenz fürchtete, herrschte gestern kollektives Aufatmen. „Uns ist mehr als nur ein Stein vom Herzen gefallen“, berichtete Betriebsrat Fritz Puhle von der Stimmung innerhalb der Belegschaft. Er bezeichnete den Rückzug der Investoren als „richtigen Weg“, betonte gleichwohl: „Ich halte die Rodelbahn keineswegs für ein schlechtes Projekt, sondern nur den gewählten Standort für falsch.“

„Eine für Tecklenburg gute Entscheidung“, kommentierte derweil Ludwig Storch vom Aktionsbündnis Stutenmond die jüngste Entwicklung in Sachen Rodelbahn. Und zwar eine aus seiner Sicht überfällige. Denn die Argumente, die zuletzt auch in vielen Leserbriefen in unserer Zeitung vorgetragen wurden, „sind die gleichen wie vor zweieinhalb Jahren, als die ersten Gespräche geführt wurden“. Ergo hätte man in das Thema „von vornherein nicht einsteigen müssen“. Die Eingriffe in die Natur seien zu massiv und außerdem „hat unser Ort seine Belastungsgrenze erreicht“.

Anders sieht das Herbert Laven. Der Vorsitzende der Verkehrs- und Wirtschaftsgemeinschaft sagt, dass sich die Kaufmannschaft von dem Projekt „eine Belebung des gesamten Ortes versprochen“ habe. „Wir brauchen den Aufschwung, gerade im Frühjahr und Herbst. Und ich glaube, das wäre eine echte Chance gewesen“, so der Ur-Tecklenburger, den vor allen eines ärgert: „dass so wieder einmal der Eindruck entsteht, dass alles Neue sofort eine Ablehnung erfährt“.

Und die Reaktionen der Lokalpolitiker? Gespalten. Die Grünen, die die Aufstellung des Bebauungsplans Erholungsgebiet Stutenmond als einzige ablehnten, sind laut deren Fraktionsvorsitzenden Marielies Saatkamp „froh, dass die Kuh damit vom Eis ist“. Für sie habe eine Rodelbahn „einen zu großen Eingriff in den Biotopverbund“ dargestellt. Dass damit aber auch die Belebung des Bahnhof-Umfelds vorerst gestoppt ist, sieht sie „mit einem weinenden Auge“. „Die Schäferkarren, das Bed & Breakfast: Das hätte schon gut gepasst“, meint sie.

Einen Schritt weiter geht FDP-Ratsfrau Anke Dahms. Sie hofft, dass man mit den Investoren ob des Bahnhofs noch einmal ins Gespräch kommen und deren Pläne möglicherweise um einen Kletterwald für Kinder ergänzen könne. Gleichwohl räumt sie ein, dass „die Politik – und da schließe ich mich ausdrücklich mit ein – Fehler gemacht hat“. „Wir hätten gleich zu Beginn der Planungen eine Ortsbegehung machen müssen“, sagt sie. „Dann hätten wir festgestellt, dass der Platz für eine Rodelbahn nicht ausreicht.“ Sie sei erst vor zwei Wochen auf dem Terrain unterwegs gewesen und sagt heute: „Ich habe für jeden Anlieger und auch die Klinik Verständnis. Das wäre viel zu nah dran.“ Was sie ärgert, ist der Tonfall, mit dem die „höchst emotionale“ Debatte zuletzt geführt worden sei. „So darf man nicht miteinander umgehen.“

Kommentar

Dieses Ende überrascht nicht

...

Der Traum von der Rodelbahn ist geplatzt. Die Gegner freuen sich, die Befürworter lecken ihre Wunden. Wer die Diskussion verfolgt hat, wundert sich nicht über dieses Ende.

Schon bei Präsentation der Seilbahn-Pläne gab es massiven Widerstand. Der wurde durch die Änderung von Seil- auf Rodelbahn nicht geringer. Und die Befürworter? Die haben immer hinter dem Projekt gestanden, diese Unterstützung aber eher geheim gehalten. Den potenziellen Investoren gilt Respekt, so lange an ihrem Vorhaben festgehalten zu haben.

Jetzt ist der Kummer groß, dass aus den Plänen nichts wird. Welche Lehren aus diesem für Tecklenburg nicht untypischen Theater zu ziehen sind? Eigentlich etwas ganz Banales: Pläne vorstellen, alle an einen Tisch holen, sachlich diskutieren und dann eine Entscheidung treffen. Michael Baar

Gedanklich trifft sie sich in diesem Punkt mit Egbert Friedrich. Auch der Fraktionsvorsitzende der CDU konnte „die Art und Weise der Kommunikation überhaupt nicht verstehen“. Er findet es „schade, dass das Verfahren so zu Ende gegangen ist. Wir selbst waren in der Fraktion noch zu keiner Meinung gekommen. Wir wollten den Prozess. Wir wollten alle an einen Tisch bringen und Lösungen finden“, sagt er und erwähnt in diesem Zusammenhang auch: „Vielleicht ist eine Rodelbahn eine Nummer zu groß. Aber die Idee, das Gebiet Stutenmond touristisch zu erschließen, ist super.“ Und auch ihm spukt ein Kletterpark im Kopf herum. „Das würde gut zum Thema Wandern und Sport passen.“

Einen neuen Aspekt bringt Thomas Eberhardt in die Debatte ein. Er glaube nicht, so der Vorsitzende des SPD-Ortsvereins, dass das Aus der Rodelbahn vorrangig auf den Widerstand aus der Bevölkerung zurückzuführen sei. „Ich denke, das war zu 90 Prozent eine unternehmerische Entscheidung.“ Er ist überzeugt davon, dass das Projekt schon, als die ursprünglich vorgesehene Seilbahn gescheitert sei, „massiv an Dynamik verloren“ habe.

Von der Kombination aus Seil- und Rodelbahn und deren Bindeglied-Funktion zwischen Haus Marck und der Stadt sei er „begeistert gewesen“. Warum seine Partei sich trotzdem für die Aufstellung eines Bebauungsplans ausgesprochen habe? „Fairnesshalber sollte jeder die Chance erhalten, so eine Möglichkeit zu prüfen.“ Zudem glaube er nicht, dass die Entwicklung des Bahnhofs dauerhaft brach liege. „Da wird schon irgendwas passieren.“

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