Konzert mit Alexandra Koziol im Rittersaal von Haus Marck
Eine Pianistin mit großem Potenzial

Tecklenburg -

Ein großes Talent stellte sich vor – Alexandra Koziol begeisterte am Sonntagnachmittag das Publikum bei ihrem Konzert im Rittersaal des Haus Marck. Im schneebedeckten Ambiente des Wasserschlosses konnte man sich bestens nach einem kleinen Spaziergang in der stimmungsvollen Landschaft von den exquisiten Künsten der jungen Alexandra Koziol verwöhnen lassen.

Dienstag, 18.12.2018, 19:00 Uhr aktualisiert: 19.12.2018, 16:04 Uhr
Alexandra Koziol bewies bei dem Konzert ein eigenes künstlerisches Profil.
Alexandra Koziol bewies bei dem Konzert ein eigenes künstlerisches Profil. Foto: Axel Engels

Sie hat ein eigenes künstlerisches Profil erarbeitet. Das zeigte sich schon beim Aufbau ihres Programms. Denn die wohl jedem Liebhaber feinster Pianistik bekannte „Sonate C-Dur KV 330“ von Wolfgang Amadeus Mozart platzierte sie zwischen zwei „modernere“ Kompositionen. Durch diesen starken Kontrast wirkte die Sonate noch intensiver. Die 1992 geschriebenen „4 Preludes“ des polnischen Komponisten Pawel Mykietyn schienen wie für die in Warschau ausgebildete Pianistin geschrieben, hier konnte sie ihre ganze Leidenschaft und Gefühlstiefe in ein klangfarbenreiches Spiel legen. Auch bei den „Etudes de Jazz N.r 3,4 und 5“ des deutsch-böhmischen Komponisten und Pianisten Erwin Schulhoff genoss man ihre sehr dramatische und ausdrucksstarke Spielweise.

Mit ihrer Interpretation der zum Standardrepertoire jedes Pianisten gehörenden Mozart-Sonate allerdings fasste sie den Begriff der „künstlerischen Freiheit“ etwas weit auf. Man muss nicht alles machen, was man spieltechnisch vermag, nur um etwas „Eigenes“ oder „Neues“ zu kreieren. Grazil und gleichzeitig elegant gestaltete sie die schnellen Ecksätze, wobei sie sich vom Tempo und der Phrasierung gelegentlich Freiheiten genehmigte. Beim langsamen Satz spielte sie nicht alle vorgegebenen Wiederholungen, wodurch sich die Relation der Sätze untereinander etwas verschob. Sehr warm ausgespielte Melodiebögen und bewusst veränderte Phrasierungen zeigten ihren Gestaltungsgedanken, wodurch am Ende doch ein positiver Eindruck blieb.

Nach der Pause hatte sie mit dem „Karneval op. 9“ von Robert Schumann einen der bedeutendsten romantischen Klavierzyklen gewählt. In den über 20 kleinen Charakterstücken offenbart sich Robert Schumann von einer ganz innigen und zurückhaltenden Weise, Melancholie und Gefühlstiefe stehen vor technischer Brillanz. Diesen Ansatz wusste Alexandra Koziol bestens umzusetzen in ihr kultiviertes Spiel, das fern aller Dramatik sich den einzelnen Charakteren widmete. „Florestan“ und „Eusebius“ als romantische Kunstfiguren Schumanns zeichnete sie sehr lebendig nach, Innigkeit zeigte sie bei „Chopin“, bei den „Papillons“ versprühte ihr Spiel Leichtigkeit und Anmut, und ihrer Spielfreude konnte sie bei „Paganini“ dann freien Lauf lassen. Die große charakterliche Herausforderung dieses Klavierzyklus wusste sie zu meistern.

Man darf gespannt sein, wie sich Alexandra Koziol weiter entwickelt. Die sympathische Pianistin hat großes Potenzial, das vielleicht noch etwas Reife benötigt.

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