ANTL-Herde um 260 Osterlämmer gewachsen
Von Schäferromantik keine Spur

Tecklenburg -

Es ist ein einziges Mähen und Blöken: Auf einer Wiese am Teuto-Südhang grasen an diesem Morgen mehr als 600 Schafe, darunter 260 Osterlämmer. „Durch die Laute unterhalten sich Lämmer und Mutterschafe miteinander“, sagt Schäfer Jürgen Schienke. Und das ist auch gut so.

Donnerstag, 18.04.2019, 17:22 Uhr aktualisiert: 18.04.2019, 17:25 Uhr
Von wegen Schäferromantik: Der Job von ANTL-Schäfer Jürgen Schienke ist körperlich anstrengend und stressig. Die Osterlämmer (kleines Foto) sind erst wenige Wochen auf der Welt.
Von wegen Schäferromantik: Der Job von ANTL-Schäfer Jürgen Schienke ist körperlich anstrengend und stressig. Foto: Katja Niemeyer

Denn wenn die Tiere keinen Ton von sich gäben, dann wäre das ein Zeichen dafür, dass etwas nicht stimmt mit ihnen. Erst im Sommer, wenn die Lämmer etwas erwachsener und selbstständiger geworden sind, mähen und blöken sie auch weniger. Im Herbst und Winter herrscht vollkommene Ruhe in der Herde. „Wenn dann ein Tier mäht, fehlt ihm etwas oder es ist krank“, weiß der 51-Jährige.

Die Osterlämmer kamen im März auf die Welt, im Stall eines Lohnunternehmers. Nun ist die Herde der Arbeitsgemeinschaft für Naturschutz Tecklenburger Land (ANTL) wieder draußen. Ihr Zuhause sind die Wiesen zwischen Brochterbeck, Lienen, Ladbergen und Westerkappeln. Beste Bedingungen für ihre Gesundheit. Grasen sie doch quasi täglich auf neuen Weiden und bekommen damit immer wieder andere Pflanzenarten vorgesetzt. Die Weidehygiene, erläutert Jürgen Schienke , ist „optimal“ bei dieser Form der traditionellen Wanderschäferei. „Die Infektionsgefahr ist gering. Und auch die Klauen der Tiere nutzen sich auf diese Weise ganz natürlich ab“, stellt der gebürtige Siegerländer fest. Damit sei die Gefahr, dass die Tiere womöglich an der gefürchteten Moderhinke erkranken, äußerst gering. Bei der Krankheit entzünden sich die Klauen, was für die Tiere besonders schmerzhaft ist.

Bis auf die kurze Unterbrechung im Februar oder März, in der die Mutterschafe ablammen, ist Jürgen Schienke das ganze Jahr über mit seiner, wie er sagt, „Bande“ unterwegs. Von Schäferromantik, wie viele vielleicht meinen, ist dabei aber kaum eine Spur zu entdecken. „Ich liege nicht mit einer Flöte im Gras und blicke in den blauen Himmel“, stellt der Schäfer fest. Sein Arbeitsalltag besteht vielmehr aus dem Aufstellen der mobilen Zäune, aus Klauenschneiden und aus Gesprächen mit Bauern, die die ANTL-Herde für einen begrenzten Zeitraum auf ihren Wiesen weiden lassen. „Mein Job bedeutet viel körperliche Arbeit, 365 Tage im Jahr“, sagt der 51-Jährige, der seit 33 Jahren als Schäfer arbeitet, 18 davon bei der ANTL. Stressig wird es zudem immer dann, wenn die „Bande“ umziehen muss und dabei zum Beispiel viel befahrene Straßen überquert werden müssen. Seine Altdeutschen Hütehunde Jockel, Kauri und Zita helfen ihm zwar dabei, ebenso wie eine Auszubildende. Dennoch: Sollte die Herde durchgehen, kann es gefährlich werden, für Mensch und Tier. Im Laufe der Jahre, in denen Jürgen Schienke durch sein Revier streifte, lernte er deshalb so gut wie jeden Schleichweg kennen.

Und auch dass die Osterlämmer kurz vor Ostern geboren werden, ist kein Zufall und hat mit Romantik nichts zu tun. „Das habe ich schon so gemanagt, indem ich die Böcke zur richtigen Zeit in die Herde gelassen habe“, betont Jürgen Schienke. Der Geburtstermin wird in diese Zeit gelegt, weil dann das Gras besonders wertvoll ist, sprich viel Eiweiß enthält. Das ist gut für den Nachwuchs, der zugegebenermaßen aber nur ein kurzes Leben vor sich hat. Denn die Lämmer, die jetzt das Licht der Welt erblickten, werden im kommenden Jahr geschlachtet. Bis dahin, davon ist Jürgen Schienke überzeugt, konnten sie ihr Leben aber in vollen Zügen genießen: „Sie haben den Sternenhimmel gesehen, haben die Sonne gespürt und sind durch den Regen gelaufen.“

Die Osterlämmer sind erst wenige Wochen auf der Welt.

Die Osterlämmer sind erst wenige Wochen auf der Welt. Foto: Katja Niemeyer

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