Pianist Seif El Din Sherif konzertiert in Haus Marck
Klanglicher Glanz erfüllt den Rittersaal

Tecklenburg -

Lebensfreude auf Haus Marck! Der junge Pianist Seif El Din Sherif spielte im voll besetzten Rittersaal Klaviersonaten von Wolfgang Amadeus Mozart und Ludwig van Beethoven sowie Fantasiestücke von Robert Schumann.

Montag, 06.05.2019, 20:00 Uhr aktualisiert: 07.05.2019, 16:38 Uhr
An den heiter-komischen Momenten fand der Pianist besonderen Gefallen.
An den heiter-komischen Momenten fand der Pianist besonderen Gefallen. Foto: Sunhild Salaschek

Lebensfreude auf Haus Marck! Der junge Pianist Seif El Din Sherif spielte im voll besetzten Rittersaal Klaviersonaten von Wolfgang Amadeus Mozart und Ludwig van Beethoven sowie Fantasiestücke von Robert Schumann. Sherif stammt aus Ägypten und spielte dort bereits im Alter von zwölf Jahren Klavier am Talent Development Center der Bibliothek von Alexandria. Später setzte er seine Ausbildung in klassischer europäischer Musik an Hochschulen in den Niederlanden und Deutschland fort und wurde mehrfach mit renommierten Preisen ausgezeichnet.

Die beiden Kulturen mit ihren unterschiedlichen musikalischen Traditionen dürften Sherifs Spielweise maßgeblich geprägt haben. So kam das Publikum in den Genuss besonders lebendiger, ausdrucksstarker Interpretationen.

Der junge Künstler eröffnete das Konzert mit einer heitereren Sonate (B-Dur Nr. 13, KV 333), die Mozart auf seiner Parisreise komponiert hatte. Sherif schien bei seinem leichtfüßigen Spiel jeden einzelnen Ton in seinem wechselnden Zusammenhang zu genießen. Da gab es locker tändelnde Motive und übermütige Sprünge sowie zauberhafte Kantilenen. Bis hin zum wirkungsvollen Finale steigerte er immer wieder den klanglichen Glanz und steckte seine Hörer ganz selbstverständlich mit seiner Begeisterung an.

Nicht ganz so fröhlich wirkte die As-Dur Sonate (Nr. 31, Op.110). Dieses Spätwerk Beethovens bietet zwar etliche damals neue formale Freiheiten, bleibt aber insgesamt dessen tiefgründigem Stil treu. Auch dies formte Sherif wunderbar aus, selbst wenn unverkennbar blieb, dass er an den heiter-komischen Momenten besonderen Gefallen fand. Beethoven verwendet in dieser Sonate das Motiv des Gassenhauers „Ich bin liederlich“. Damit spielt er auf das (anekdotisch?) überlieferte Erlebnis an, wie er ungewöhnlich schlecht gekleidet von der Polizei aufgegriffen wurde, die ihm seine Identität nicht glaubte.

In späteren Teilen der Sonate ließ Beethoven seine Freude über die nach schwerer Krankheit wiedererlangte Tatkraft anklingen. Auch ohne solche Hintergrundinformationen beeindruckte die enorme Energie, an der der Pianist sein Publikum so intensiv teilhaben ließ, dass es ihn kaum in die Pause entlassen wollte.

Im zweiten Teil des Konzertes interpretierte Sherif Schumanns Kreisleriana für Piano-Forte Op. 16. Damit reicherte er den Abend mit romantischen Zügen an. Aber auch diese acht Fantasiestücke passten gut ins Programm, denn sie leben – nur zweimal von „sehr langsam“ zu gestaltenden Sätzen unterbrochen – vom leidenschaftlichen Tempo. Man konnte sich fragen, was wohl schneller sei, „äußerst bewegt“, „sehr aufgeregt“, „sehr lebhaft“ oder „sehr rasch“. Sherif gestaltete alles wunderbar abwechslungsreich aus.

Für den lang anhaltenden Applaus bedankte sich der Pianist mit einer Etüde von Frédéric Chopin. Das Publikum war sich einig: Ein exzellenter Start in die neue Woche.

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