Kabarett mit Maria Vollmer im Kulturhaus
Niederungen der weiblichen Seele

Tecklenburg -

Sogar einige Männer trauten sich am Mittwochabend zu „Push-up, Pillen & Prosecco“ mit der Kölner Künstlerin Maria Vollmer ins Kulturhaus. Zwischen Comedy und Kabarett hat sie sich eine Nische gesucht, in der sie ihre Qualitäten zum Vergnügen der vielen Besucher einbringen kann. Als gelernte Schauspielerin, Tänzerin und Musikerin präsentierte sie sich von ihrer besten Seite, wusste in einem lebendigen Dialog immer wieder die Stimmung im Saal in die Höhe zu treiben.

Donnerstag, 16.05.2019, 21:00 Uhr aktualisiert: 17.05.2019, 17:02 Uhr
Maria Vollmer weiß, wie es in den Frauen aussieht. Aber auch die Männer nahm sie aufs Korn.
Maria Vollmer weiß, wie es in den Frauen aussieht. Aber auch die Männer nahm sie aufs Korn. Foto: Axel Engels

Was sie an diesem Abend bot, waren nicht nur Angriffe auf die Lachmuskulatur des Publikums, sondern Lebensweisheiten einer Frau aus einer Kölner Reihenhaussiedlung mit jeder Menge humoristischer Beigaben. Maria Vollmer weiß eben, wie es in einer Frau in der Übergangsphase zwischen Minirock und Birkenstock aussieht, wenn der Rock’n’Roll des Lebens eher unter der Rheumadecke verschwindet.

Nach den 40-er Lebensjahren mit „Sünde, Sekt & Sahneschnittchen“ nagt an ihr der Zahn der Zeit wohl vergeblich. Wer die sympathische und überaus charmante Künstlerin an diesem Abend in all ihrer Attraktivität erlebt hat, der verliert wohl auch die Angst vor dem Älterwerden und hat Kraft, bis zum Renteneintrittsalter durchzuhalten.

Mit ungebremster Energie und Leidenschaft eröffnete sie den Ritt in die Niederungen der weiblichen Seele jenseits der 50 erst einmal mit brasilianischen Zumba-Rhythmen. Da war das Eis zum Publikum sofort gebrochen. Genauso spritzig ging es weiter, immer wieder war sie zu einem kleinen Liedchen aufgelegt, das sie mit ausdrucksstarker Stimme unters Volk brachte.

Die Einblicke in ihr Familienleben hätte wohl jeder vom Wahrheitsgehalt her unterschreiben können, der mit einem pubertierenden Sohn und einem in die Jahre gekommenen Mann gesegnet ist. Ihr Sohn Felix erlebte den Komplettumbau vom Jungen zum Mann in all seinen Auswirkungen. Wenn die Hormone verrückt spielen, dann ist der ganze Alltag auf den Kopf gestellt. Da geht man Maria Vollmer folgend doch lieber in innere Welten der Inkarnation.

Bei ihrer Reise in die eigene Vergangenheit machte sie nach einer Lehrstunde als Volksschullehrerin bei historischen Personen wie Hannibal und Moses Station, wechselte dabei mit nur wenigen Requisiten in Sekundenschnelle die Rollen. Wenn Maria Vollmer auf der Bühne singt, tanzt und plaudert, bekommen aber auch die Männer ihr Fett weg. Männer-Hobbys nahm sie dabei süffisant aufs Korn und der männliche Weg zurück zur Natur gipfelte bei ihr in einem rasanten und vom Publikum begeistert mitgesungenen „Tausendmal frisiert“, frei nach Klaus Lage.

Maria Vollmer brauchte keine Aufputschmittel für diesen von Esprit und Leidenschaft durchdrungenen Abend. Sie schaute genau hinter die Kulissen ihrer Reihenhaussiedlung, nahm ihre „Leidensgenossinnen“ mit sprachlicher Brillanz und schauspielerischer Kunst aufs Korn. „Ich bin wie ich bin, gehe meinen Weg Schritt für Schritt“ ist für sie ein jederzeit nachvollziehbarer Grundsatz. Sie verbiegt sich nicht, will nicht wie Barbie ewig einem Schönheitsideal hinterherhetzen. Dann doch lieber mit Push-up bewaffnet und durch die im Prosecco aufgelösten Pillen gestärkt ihren eigenen Weg gehen. Dieser Abend war ein Genuss, da machte man sich beschwingt mit einem Lächeln auf den Nachhauseweg.

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