Mühlentag: Besucher begeistert von alter Technik
Säge schnurrt gleichmäßig dahin

Tecklenburg -

„Wahnsinn.“ Ralf-Michael Moritz ist total aus dem Häuschen. Hinter dem Lengericher schnurrt die Sägemühle von Haus Marck gleichmäßig vor sich hin. Nach gut zehn Minuten hat sich das Sägeblatt aus Stahl schon fast durch den Baumstamm gearbeitet, den freiwillige Helfer der Arbeitsgemeinschaft Naturschutz Tecklenburger Land (ANTL) auf einem schienengeführten, sogenannten Wagen befestigt hatten.

Dienstag, 11.06.2019, 06:00 Uhr aktualisiert: 11.06.2019, 17:30 Uhr
Thomas Hoge vom ANTL-Mühlenteam justiert die alte Sägemühle, während Klaus Helms (kleines Foto, rechts) die Besucher des Mühlentages durch die Räume führt.
Thomas Hoge vom ANTL-Mühlenteam justiert die alte Sägemühle, während Klaus Helms (kleines Foto, rechts) die Besucher des Mühlentages durch die Räume führt. Foto: Katja Niemeyer

Die alte Technik stieß gestern beim Mühlentag auf großes Interesse bei den Besuchern. Die Parkplätze waren bereits am Vormittag belegt, viele kamen auch mit dem Fahrrad.

„Wie lange hält ein Sägeblatt“, wollte Gisela Moritz wissen. „Das hängt unter anderem von den Holzarten ab, die durchgesägt werden, und natürlich auch davon, ob sich darin viele Nägel befinden“, erläuterte Klaus Helms , der die Gäste durch die Mühle führte. Und der dabei auch eine kleine Denkaufgabe stellte: Warum, fragte der pensionierte Lehrer, „sind die Zähne des Sägeblatts gegenläufig?“ Gisela Moritz wusste die Antwort: „Weil das Blatt damit in beiden Richtungen schneidet.“

Zuvor hatte Thomas Hoge, der wie Klaus Helms zum Mühlenteam der ANTL gehört, das Stauwehr geöffnet. In einem großen Schwall ergoss sich das Wasser auf die 26 gusseisernen Schaufeln des Mühlenrades, wodurch sich über die sogenannte Königswelle – ein 3,50 Meter langer Eichenstamm – weitere, unterschiedlich große Räder in Gang setzten, die schlussendlich die Sägemühle antrieben.

Von Klaus Helms erfuhren die Besucher auch, dass die Sägemühle bis 1966 in Betrieb war. Dass die jeweiligen Pächter – der letzte hieß übrigens August Priggemeyer – unter anderem den Landmaschinenhersteller Amazone mit geschnittenen Buchenholz belieferten, aus dem dieser Holzspeiche für Ackergeräte fertigte. Und dass Fleischerbetriebe aus der Umgebung das anfallende Sägemehl zum Räuchern ihrer Schinken verwendeten.

Weil der Wasserpegel des Mühlenteichs zumeist im Winter am höchsten gewesen sei, sei die Mühle hauptsächlich in jener Jahreszeit gelaufen, berichtete Klaus Helms. Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts seien in Deutschland insgesamt 140 000 Mühlen in Betrieb gewesen. Heute ständen davon noch rund 1400, die wie die bei der ANTL-Station an der Bahnhofstraße von Ehrenamtlichen in Schuss gehalten und bei unterschiedlichen Anlässen vorgeführt werden. Im Tecklenburger und auch im Osnabrücker Land sei die Mühlendichte sogar relativ hoch, ergänzte Klaus Helms. „Das liegt daran, dass es hier viel Wasser und ausreichend Gefälle gibt.“ Wobei der Wasserstand des Mühlenteichs den Ehrenamtlichen schon seit Längerem Sorgen bereitet. „Es regnet zu wenig. Deshalb verlandet der Teich immer mehr“, klärte der pensionierte Lehrer die Besucher auf.

Und auf ein weiteres Detail machte Klaus Helms die Besucher aufmerksam: Kein geringerer als Leonardo da Vinci, italienischer Maler und Universal-Genie, der vor rund 500 Jahren starb, hatte bereits damals ein Sägeblatt gezeichnet, das dem der Haus-Marck-Mühle sehr stark ähnelte.

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