Ministerin Anja Karliczek
Aufgetankt wird zu Hause

Tecklenburg-Brochterbeck -

„Es ist sehr, sehr schön, auf dem Land zu leben.“ Das sagt eine, die es wissen muss: Anja Karliczek, Bundesministerin für Bildung und Forschung. Die Brochterbeckerin genießt es, wenn sie zu Hause ist. Einmal pro Woche versucht sie zu kommen. „Das klappt nicht immer“, gesteht sie. Kein Wunder bei ihrem vollen Terminkalender. Doch am Freitag, da hat sie es geschafft. Sie ist daheim – und trotzdem unterwegs.

Freitag, 12.07.2019, 20:00 Uhr
Für Anja Karliczek haben Bildung und stete Weiterbildung oberste Priorität. Das gilt auch für ältere Menschen, sagt die Bundesministerin.
Für Anja Karliczek haben Bildung und stete Weiterbildung oberste Priorität. Das gilt auch für ältere Menschen, sagt die Bundesministerin. Foto: Ruth Jacobus

Morgens fährt sie zunächst zum Goethe-Gymnasium nach Ibbenbüren. Dort wird sie als stellvertretende Schulpflegschafts-Vorsitzende verabschiedet. 13 Jahre lang war sie an der Schule aktiv. Nun hat ihr jüngster Sohn dort das Abitur gemacht und Anja Karliczek gibt ihr Ehrenamt auf. Beim anschließenden Pressetermin im Hotel Teutoburger Wald ist sie entspannt, stellt sich den Fragen über Forschung und Bildung, spricht darüber, was der Beruf als Bundesministerin so mit sich bringt – bevor sie zum nächsten Termin eilt.

Bildung hat für Anja Karliczek oberste Priorität. Dazu gehört auch die Weiterbildung – ein Leben lang. So können und sollen auch ältere Menschen von der Digitalisierung profitieren. Es gebe Systeme im Haus, die erkennen, wenn jemand hinfalle und Hilfe brauche. Es sei viel Unterstützung im Alter möglich, weiß die Ministerin. Sie geht auch davon aus, dass die Mobilität auf dem Land in zehn Jahren ganz anders aussehe. Dann habe nicht jeder ein Auto, sondern könne sich per App ein Fahrzeug rufen, dass autonom fährt. „Wir halten den Fortschritt nicht auf und dürfen keine Angst davor haben.“ Die ganze Welt renne. „Wenn wir nicht mitrennen, werden wir Letzter sein“, warnt die Ministerin.

Dass manche Bundesländer schneller rennen als andere, weiß sie natürlich. Das gilt nicht nur bei der Digitalisierung, sondern allgemein bei der Bildung. Beispiel Abitur: Anja Karliczek spricht sich nicht für ein Zentralabitur aus, wohl aber für einheitliche Maßstäbe. Dass der Numerus clausus in einigen Ländern leichter zu knacken ist als in anderen, sei nicht richtig. „Grundsätzlich müssen verbindliche Standards gelten.“ Das Abitur müsse vergleichbar sein. Wie man dahinkomme, sei Ländersache.

Deutschlandweit ist sie viel unterwegs, aber als Forschungsministerin auch in Europa. Jüngst war sie zudem in Kanada und Japan. Da war die künstliche Intelligenz ein Thema. Faszinierend findet Anja Karliczek die Gespräche und den Austausch. Ende des Monats reist sie nach Ghana – und ist dann sicherlich froh, zum Auftanken wieder nach Brochterbeck zu kommen. Denn, wie gesagt, es ist „sehr, sehr schön, auf dem Land zu leben“.

Anja Karliczek weiß hier den Zusammenhalt der Menschen zu schätzen. „Dieses Pfund müssen wir gut pflegen“, sagt sie. Trotz des digitalen Fortschritts sei es hier möglich, sich zu begegnen. „Wohlfühl-Atmosphäre im Dorf“ nennt sie das. Daraus kann eine Ministerin Kraft schöpfen für den Alltag in Berlin, in dem sie auch schon einmal harsche Kritik einstecken muss.

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