Warum sich Gastwirt Melle Nijhof über die Teutel ärgert
Gestörte Verbindung

Tecklenburg-Leeden -

Drei Jahre hat Melle Nijhof gewartet, bis er sich mit seinem Ärger über den Telekommunikationsanbieter Teutel an die Zeitung wandte. Drei Jahre, in denen sein Telefonanschluss immer wieder gestört war. Die Probleme hätten begonnen, als er seine Anlage ans Glasfasernetz anschließen ließ, berichtet der Gastwirt bei einem Ortstermin. Bei der Teutel weist man alle Vorwürfe zurück.

Dienstag, 10.09.2019, 17:10 Uhr aktualisiert: 11.09.2019, 17:28 Uhr
Kein Anschluss: Melle Nijhof ärgert sich seit mehr als drei Jahren über Störungen seines Telefonanschlusses.
Kein Anschluss: Melle Nijhof ärgert sich seit mehr als drei Jahren über Störungen seines Telefonanschlusses. Foto: Katja Niemeyer

Melle Nijhof ist ein eher ruhiger Geselle. Die Störungen seines Telefonanschlusses scheinen sein Gemüt nicht zu erhitzen. Dabei dauern sie nach seinen Worten nun schon fast drei Jahre an. Und damit genauso lange, wie er ans Glasfasernetz angeschlossen ist.

Im gemütlichen Ton berichtet der gebürtige Holländer, wie er immer wieder bei seinem Telekommunikationsanbieter, der Stadtwerke-Tochter Teutel, angerufen und um Hilfe gebeten hat. Vergeblich, wie er versichert. Seitdem ein Monteur am 5. August 2016 im Keller seines Hauses seine Fritz-Box mit dem Glasfasermodem der Teutel verbunden hat, sei seine Telefonverbindung zig Mal gestört gewesen. „Mich ärgert, dass man die Firma nach dem Anschluss nie wieder sieht“, sagt der 79-Jährige, der in Leeden eine Kneipe betreibt.

Als seine Leitung kürzlich erneut tot ist, wendet sich Melle Nijhof genervt an diese Zeitung. Bei einem Ortstermin am Vormittag des 28. August erzählt er, wie er im Verlauf der Jahre wiederholt die Nummer der Teutel-Störungsstelle wählte, wie man ihm dort stets riet, den Stecker seiner Fritz-Box zu ziehen und das Gerät anschließend neu zu starten. Und wie er schließlich sogar bei der Teutel-Geschäftsstelle in Lengerich vorstellig wurde. Ohne Erfolg. „Man ist machtlos“, erklärt Melle Nijhof und hebt wie zum Beweis den Hörer seines Telefons ab, das neben der Theke hängt.

Dann berichtet er noch vom 21. Juli 2018, ein Donnerstag, als ein Küchenbrand ihn in helle Aufregung versetzte: „Ich griff zum Hörer, um die Feuerwehr anzurufen, bekam aber keine Verbindung.“ Glücklicherweise sei ein Gast zur Stelle gewesen, der mit seinem Handy Hilfe rief. So habe Schlimmeres verhindert werden können.

Auch ist Melle Nijhof überzeugt, dass die Störungen sich negativ auf sein Geschäft ausgewirkt hätten: „Bei mir sind zuletzt immer weniger Bestellungen eingegangen. Ich vermute, dass das daran liegt, dass ich telefonisch nicht mehr erreichbar bin.“ Für gewöhnlich brät der Gastwirt abends Schnitzel und macht Pommes – zum Mitnehmen.

Bei einem Anruf in der Pressestelle der Teutel gegen Mittag des 28. August mit der Bitte um Stellungnahme heißt es, man werde der Sache nachgehen. Am frühen Nachmittag des selben Tages steht überraschenderweise ein Teutel-Monteur vor der Kneipe und klingelt. Es ist der Techniker Stefan Zehe , der, wie er zwei Tage später bei einem weiteren Ortstermin – diesmal mit zwei Vertretern der Teutel – versichert, auf gut Glück vorbeigeschaut habe. „Uns lag eine Störungsmeldung vor. Weil ich Herrn Nijhof telefonisch nicht erreichen konnte, bin ich spontan vorbeigefahren.“ Auch Johannes Beckering, Geschäftsbereichsleiter Organisationsentwicklung und beim zweiten Termin ebenfalls anwesend, betont, dass es keinen Zusammenhang gebe zwischen dem Monteurbesuch und der Presseanfrage.

Die Vorwürfe des Gastwirts weist der leitende Angestellte außerdem dezidiert zurück. Das Glasfasermodem, das die Teutel vor mehr als drei Jahren installierte und an die Fritz-Box von Melle Nijhof anschloss, funktioniere einwandfrei. Die Ursache für die Störungen liege vielmehr in einer fehlerhaften Innenverkabelung zwischen der Fritz-Box und den beiden Telefonapparaten, die sich in dem Haushalt befinden. Für diesen Bereich, betont Beckering, „ist der Kunde selbst verantwortlich“.

In einer schriftlichen Stellungnahme der Teutel heißt es überdies: „In einem komplexen Telefonnetz können Störungen nicht ausgeschlossen werden. Die technische Verfügbarkeit unseres Glasfasernetzes ist auf einem sehr hohen Niveau und orientiert sich an den branchenüblichen Standards.“ Auch hinsichtlich des beschriebenen Notfalls in der Küche der Kneipe weist die Teutel jede Schuld von sich: „Systemseitig können wir feststellen, dass der Telefonanschluss im Vertragszeitraum funktionsfähig gewesen sein muss.“

Nach Darstellung der Telekommunikationsfirma ist nach der Installation ein Mal ein Monteur aufgrund einer Störungsmeldung vor Ort gewesen, nämlich am 10. Januar 2017. Melle Nijhof kann das nicht bestätigen.

Stefan Zehe, der am 28. August den Keller der Kneipe betrat, sagt, dass er die Anlage instand gesetzt habe. Auch das, sagt der Gastwirt, sei nicht zutreffend. Das Angebot der Teutel, eine sogenannte Test-Station aufzubauen mit neuen Kabeln und modernem, schnurlosen Telefon, lehnt er ab. Die Frage, warum die Teutel nicht schon früher die Störungsmeldungen von Melle Nijhof ernst genommen und einen Techniker vorbeigeschickt hat, steht weiterhin im Raum. Beckering räumt lediglich ein: „Es hätte besser laufen können.“

Eines hat der gebürtige Holländer nun aber erreicht: Wenn seine Leitung mal wieder tot ist, muss er sich nicht länger an die allgemeine Störungsaufnahme wenden. Im System des Beschwerdemanagements der Teutel ist er eine Stufe nach oben gerückt, ins „2nd level“. Er hat jetzt eine andere Durchwahlnummer.

Immerhin.

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