Birgit Neyer, Leiterin der Wirtschaftsförderung des Kreises, über die Arbeitswelt der Zukunft
„Job muss Sinnstifter sein“

Tecklenburg -

Unter der Überschrift „Arbeitswelt der Zukunft“ lädt die Unternehmerinitiative Rheine, kurz „ui!“, am 23. September im Haus Marck zu einer Podiumsdiskussion ein. Unter den fünf Experten, die sich an der Diskussion beteiligen, ist auch Birgit Neyer, Leiterin der Wirtschaftsförderungs- und Entwicklungsgesellschaft des Kreises Steinfurt. Mit ihr sprach unsere Redakteurin Katja Niemeyer über die Chancen und Risiken von Digitalisierung und Automatisierung für Arbeitnehmer.

Mittwoch, 11.09.2019, 17:28 Uhr
Ersetzen Roboter in Zukunft den Menschen und machen ihn arbeitslos? Birgit Neyer, Leiterin der Wirtschaftsförderung des Kreises Steinfurt, geht nicht davon aus. Durch Digitalisierung würden sich aber viele bestehende Jobs verändern, sagt die Geschäftsführerin im Interview.
Ersetzen Roboter in Zukunft den Menschen und machen ihn arbeitslos? Birgit Neyer, Leiterin der Wirtschaftsförderung des Kreises Steinfurt, geht nicht davon aus. Durch Digitalisierung würden sich aber viele bestehende Jobs verändern, sagt die Geschäftsführerin im Interview. Foto: dpa

Pflegeroboter, fahrerlose Taxis und Drohnen, die Pizza ausliefern – geht uns bald die Arbeit aus?

Neyer : Es gibt tatsächlich Experten, denen zufolge durch Digitalisierung und Automatisierung schon in den nächsten zehn oder 20 Jahren 50 Prozent der Arbeitsplätze wegfallen könnten. Prognosen wie diese sind aber mit Vorsicht zu genießen.

Inwiefern?

Neyer: Nun, es gibt sicherlich Bereiche wie Logistik und Produktion, in denen zunehmend Roboter zum Einsatz kommen. Auch dort, wo zurzeit noch schwere körperliche Arbeit geleistet werden muss, könnten Maschinen helfen. Und insbesondere in Bereichen, in denen sich Aufgaben ständig wiederholen, wird es durch Künstliche Intelligenz zu Automatisierungsprozessen kommen.

Und wo stoßen Roboter und Automaten an ihre Grenzen?

Neyer: Sicherlich im Handwerk. Das halte ich für relativ krisensicher. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Roboter Leitungen verlegt oder Haare schneidet. Aber wer weiß? Vielleicht ist das doch eines Tages möglich. Darüber hinaus gibt es aber weitere zahlreiche Bereiche, in denen Menschen unersetzbar sind, wo Kreativität und Empathie eine Rolle spielen, wo Entscheidungen getroffen und Entwicklungen vorangebracht werden müssen.

Wie können sich Arbeitnehmer für die Arbeitswelt der Zukunft wappnen?

Neyer: Wichtig ist zunächst einmal, sich nicht zu verschließen, sondern offen zu sein gegenüber einer zunehmenden Digitalisierung des eigenen Arbeitsplatzes. Unerlässlich ist vor diesem Hintergrund auch, dass man sich stetig weiterbildet. Wer hingegen der Ansicht ist, dass er weiterhin so arbeiten kann wie früher, der katapultiert sich selbst aus der Arbeitswelt.

Unterm Strich könnte es aber insgesamt weniger Arbeit geben.

Neyer: Wir müssen uns darauf einstellen, dass bestimmte Arbeitsplätze wegfallen. Zugleich entstehen sicherlich neue Berufsfelder. Tendenziell dürften wir in Zukunft aber weniger arbeiten. Auch wird es in die Richtung gehen, dass unser Job Erfüllung bringen und Sinnstifter sein muss.

Welche Chancen birgt Digitalisierung für Arbeitnehmer?

Neyer: Eine Menge. Durch neue Technologien kann Arbeit zum Beispiel zunehmend flexibler gestaltet werden. Stichwort Home-Office. Aber auch freiberufliche Arbeit wird an Bedeutung gewinnen. In großen Städten wie Berlin und Hamburg entstehen immer mehr sogenannte Co-Working-Spaces, in denen Mitarbeiter unterschiedlicher Unternehmen gegebenenfalls für einen begrenzten Zeitraum ihren Arbeitsplatz haben. Ich bin überzeugt, dass derartige Büros schon bald auch in ländlichen Regionen wie unserer eröffnet werden.

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