Arche-Wanderer erreichen das Ziel in Tecklenburg
Ein Zeichen für Gemeinsamkeit

Tecklenburg -

Am 1. September sind sie in Hamburg gestartet, am Samstag haben sie ihr Ziel Tecklenburg erreicht: die Teilnehmer an der Spendenwanderung, zu der die Arche-Gemeinschaft eingeladen hatte. Der Erlös soll in die Finanzierung eines Aufzugs für das Haus in Tecklenburg fließen.

Sonntag, 15.09.2019, 19:14 Uhr aktualisiert: 17.09.2019, 17:31 Uhr
Es ist geschafft: Nach 14 Tagen haben die Arche-Wanderer Tecklenburg erreicht. Schirmherrin Anja Karliczek (Bild rechts) lobt deren Engagement im Gespräch mit Organisator Jan-Thilo Klimisch
Es ist geschafft: Nach 14 Tagen haben die Arche-Wanderer Tecklenburg erreicht. Schirmherrin Anja Karliczek (Bild rechts) lobt deren Engagement im Gespräch mit Organisator Jan-Thilo Klimisch Foto: Luca Pals

Das gelbe Ortsschild ist schon von Weitem zu sehen. Bei jedem Wanderer huscht in diesem Moment ein Lächeln über das Gesicht: Es ist geschafft. Tecklenburg ist um kurz vor 14 Uhr erreicht. Los ging es für die etwa 20 Wanderer um 9.30 Uhr in der Früh in Ladbergen. Die letzte Etappe der Aktion „Arche wandert“ stand an: Ein Spendenlauf nimmt nach 14 Tagen sein Ende. Am Ziel des Tages – der Nahkauf Tecklenburg – begrüßte unter anderem Bundesministerin Anja Karliczek die Wanderer. Unsere Zeitung war dabei:

Samstag, 9.20 Uhr: Die Ladberger Wanderer kommen zusammen, sie treffen sich auf dem Dorfplatz – beim Blick in den strahlendblauen Himmel und die ersten warmen Sonnenstrahlen, die auf die Haut scheinen, kommt gute Laune auf. 13 Kilometer liegen vor der bunt zusammengewürfelten Wandergruppe.

Die bunt gemischte Gruppe – Bewohner der Arche Tecklenburg, Familien und Mitglieder aus der evangelischen und katholischen Kirchengemeinde – hat sich zusammengefunden. Das Motto: Beim Wandern ins Gespräch kommen, sich austauschen und die Natur genießen. Für letzteres gibt es auf der Route zwischen Ladbergen und Tecklenburg einige Möglichkeiten.

Vorbei an der Budden­kuhle, durch die Lengericher Bauerschaft Wechte geht die Gruppe in Richtung Tecklenburg. Durch Wälder, vorbei an Feldern – immer wieder werden wir von Vorbeifahrenden nett gegrüßt: Eine Wandergruppe, das passt einfach in das Bild des Tecklenburger Landes.

Dann steht die letzte Herausforderung an: der Anstieg nach Tecklenburg. Mittlerweile scheint die Sonne mit aller Kraft, so mancher Wanderer schwärmt vom „perfekten Wanderwetter im September“. Den Anstieg als letzte Etappe bringen wir im Schatten der Bäume hinter uns. Am Ziel – dem Nahkauf-Markt – angekommen, werden wir von zahlreichen Wanderern begrüßt: Sie sind aus Ibbenbüren gekommen und als Erste am Ziel. Einen großen Applaus bekommen wir trotzdem – wie ich finde, ist er auch verdient. Die dazugehörige Stärkung folgt auf den Fuß: Der Markt spendiert Kaffee, Kekse, Suppe sowie Obst und beteiligt sich so „selbstverständlich“ dabei, die Arche zu unterstützen.

Diese steht im Vordergrund. Die Arche-Gemeinschaft Tecklenburg ist eine von vier in Deutschland und Österreich, eine von 150 weltweit. Seit 33 Jahren leben dort Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam. Das Projekt „Arche wandert“ unter dem Motto „Gemeinsam Barrieren überwinden“ ist ein Spendenlauf mit 14 Etappen. Jan-Thilo Klimisch, Organisator des Laufes, erklärt: „Wir sind am 1. September in Hamburg gestartet. Über mehrere Etappen sind wir jetzt in Tecklenburg angekommen.“

Im Gespräch mit unserer Zeitung betont er die „besondere Gastfreundlichkeit“ in zahlreichen Gemeinden, kirchlichen Einrichtungen und Schulen, die den Wanderern in diesen Tagen entgegengebracht wurde. Und: Jeder Kilometer zählt. Die Wanderer haben sich zuvor Spendenkreise aufgebaut, für jeden Kilometer gibt es Geld. Dieses Geld wird in die Kosten des neuen Aufzuges im Arche-Heim an der Apfelallee gesteckt.

Klimisch: „Beim Wandern wollen wir mögliche Barrieren zwischen den Menschen mit und ohne Behinderung aufbrechen. Ganz praktisch muss unser Heim nun auch barrierefreier gestaltet werden.“ Der Aufzug sowie die Verbesserung des Brandschutzes kosten rund 220 000 Euro. Die öffentlichen Gelder sowie eigene Rücklagen decken die Kosten nicht zu 100 Prozent. Im Rahmen der 14-tägigen Aktion will die Arche 70 000 Euro einsammeln.

Dass das geklappt hat, da ist sich der Organisator sicher: „Wir werden eine Rekordspende entgegennehmen dürfen. Es sind noch nie so viele mitgewandert.“ Es war die vierte Veranstaltung dieser Art. Der Aufzug ist bereits in Arbeit, Ende Oktober wird er voraussichtlich in Betrieb gehen.

Das ist auch für Schirmherrin Anja Karliczek ein Grund zur Freude. Sie lobt alle Mitwirkenden. Sie hat, zusammen mit Bischof Dr. Felix Genn, die Schirmherrschaft für das Projekt übernommen: „Bei diesem strahlenden Wetter ist es wunderbar zu sehen, wie viele die letzte Etappe mitgewandert sind.“ In Zeiten, in denen es nicht mehr selbstverständlich sei, dass Menschen jeder Art friedlich miteinander leben könnten, sei die Arche ein strahlendes Beispiel für gemeinschaftliches Leben sowie Inklusion, stellt die Politikerin fest. Die Schirmherrschaft erfülle sie mit großem Stolz: „Sie zeigen, wie das Leben in unserem Land gelingen kann.“ Als zuständige Ministerin im Bereich Bildung stehe besonders das inklusive Lernen für sie im Vordergrund: „Wir müssen jedes Kind, jeden Menschen dort abholen, wo es steht und nach seinen Stärken fördern.“

Am Donnerstag ist eine zweite Gruppe von Osnabrück über Westerkappeln nach Mettingen gewandert. Nach der Übernachtung in der Begegnungsstätte des DRK Mettingen geht es am Freitag durchs Recker Moor nach Ibbenbüren. Übernachtet wird in der Thomas-Gemeinde, nach dem Frühstück startet diese Gruppe von der Niederlassung der Firma Würth nach Tecklenburg.

Ihren Abschluss findet die Wander-Aktion der Arche mit einem ökumenischen Gottesdienst mit den Pfarrern Peter Kossen (Lengerich) und Manuel Schilling (Minden).

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