Lea Steffens ist die neue Schäferin
Selbst Ausbrecher bringen sie nicht aus der Ruhe

Tecklenburg -

Die Herde der Arbeitsgemeinschaft für Naturschutz Tecklenburger Land hat eine neue Schäferin. Lea Steffens trat die Nachfolge von Jürgen Schienke an, der die Stelle gekündigt hatte. Bei ihm hatte die 35-Jährige ihre Ausbildung absolviert. Die 530 Tiere folgen ihr auf Schritt und Tritt. Sorgen bereitet ihr derzeit aber die Futterversorgung.

Donnerstag, 19.09.2019, 17:26 Uhr aktualisiert: 19.09.2019, 20:32 Uhr
Lea Steffens ist die Nachfolgerin von Jürgen Schienke, der die Schäferstelle der Arbeitsgemeinschaft für Naturschutz Tecklenburger Land gekündigt hatte. Die 35-Jährige ist seit ein paar Wochen mit der Herde unterwegs, von Weidefläche zu Weidefläche.
Lea Steffens ist die Nachfolgerin von Jürgen Schienke, der die Schäferstelle der Arbeitsgemeinschaft Naturschutz Tecklenburger Land gekündigt hatte. Die 35-Jährige ist seit ein paar Wochen mit der Herde unterwegs, von Weidefläche zu Weidefläche. Foto: Katja Niemeyer

Die Laute, die aus der Kehle von Lea Steffens kommen, sind hell und gurgelnd. Dazwischen ruft sie immer wieder „Schaaafe“. Fast klingt es, als würde sie singen. Die Herde trottet gemächlich hinter der Schäferin her. Zusammen sind sie an diesem Morgen unterwegs auf dem Hermannsweg zwischen Lengerich und Lienen, durch dichten Wald, rauf und runter, vorbei an einem Steinbruch und immer tiefer ins Gebüsch, als die neue Schäferin der Arbeitsgemeinschaft Naturschutz Tecklenburger Land (ANTL) einmal kurz die Orientierung verliert.

Wie ein Bandwurm zieht sich die Herde teils abseits des Wanderweges durch den Teutoburger Wald. Auch da bleiben die rund 530 Tiere beieinander, keines bricht aus. Mit den Rufen will Lea Steffens vor allem die Tiere in den hinteren Reihe erreichen – die Trödler. Zu sehen sind sie nicht. Aber am Ende der Herde ist Mitarbeiter Sebastian Höft im Einsatz und passt auf.

Ziel ist eine Weide in der Nähe der Sudenfelder Straße, rund sechs Kilometer entfernt. Nach eineinhalb Stunden ist sie erreicht. Die Schafe senken ihre Köpfe und fangen an zu grasen. Lea Steffens holt den mobilen Zaun aus dem Kofferraum ihres Autos, das sie am frühen Morgen dort abgestellt hatte.

Die 35-Jährige ist die Nachfolgerin von Jürgen Schienke , der, wie berichtet, seit dem Sommer einen Job bei einer Behörde in Münster hat. Schienke führte die Wanderschafherde 18 Jahre lang durchs Tecklenburger Land. Dann kündigte der Schäfermeister. Bei ihm ging Lea Steffens einst in die Lehre. Die Region und die Herde sind ihr deshalb nicht fremd. Die Tiere, das weiß sie, „sind gut sozialisiert und anspruchslos im Futter“. Sie bereiten ihr wenig Sorgen.

Neue Schäferin ist im Amt

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Was sie derzeit aber mächtig umtreibt, ist die Versorgung mit Futter. Wegen der lang anhaltenden Trockenperiode sind die Wiesen, die sie auf ihrer Wanderroute zwischen Brochterbeck und Lienen ansteuert, mager. Hinzu kommt, dass sie sich oftmals mühsam durchfragen muss, bis sie geeignete Weiden gefunden hat. „Zurzeit verbringe ich fast die Hälfte der Arbeitszeit damit, Flächen auszukundschaften und mit den Eigentümern zu sprechen“, berichtet die Schäferin, die sich bei der Organisation und Planung außerdem „ziemlich allein gelassen fühlt“.

Wegen des Futtermangels müsste die Herde ihres Erachtens nach reduziert werden. Aber genau da liegt das nächste Problem der Schäferin: Wer nimmt der ANTL das Schaf- und Lammfleisch ab? Die Nachfrage ist gering. Nur zu Ostern und zu Weihnachten füllt sich der kleine ANTL-Laden an der Bahnhofstraße in Tecklenburg. „Eigentlich müsste ich aber regelmäßig zwischen fünf und zehn Tiere pro Woche schlachten lassen“, erläutert Lea Steffens. „Mein Wunsch wäre es deshalb, dass die Region die Herde nicht nur als idyllischen Blickfang zu schätzen weiß, sondern auch kulinarisch.“

Bedenken kommen der Schäferin, wenn sie an den kommenden Winter denkt. Die ANTL, so erzählt sie, verfüge über keine Ställe, in denen zum Beispiel kranke Tiere vorübergehend untergebracht werden können. „Es fehlt praktisch an jeglicher Infrastruktur“, bilanziert die Schäferin. Auf das Manko hatte auch schon ihr Vorgänger Schienke hingewiesen. Lediglich im März eines Jahres mietet die ANTL demnach einen Stall an, in dem dann der Schafnachwuchs zur Welt kommen kann.

Weitaus weniger Kopfzerbrechen bereiten Lea Steffens ihre Schäfchen. Sie scheinen ihr auf Schritt und Tritt zu folgen. In Wirklichkeit sind es aber natürlich ein paar Leittiere, die die Herde anführen und der Schäferin immer dicht auf den Fersen sind. Selbst das große Wendemanöver, das die Schäferin an diesem Vormittag im Teutoburger Wald mit der Herde absolvieren muss, gelingt wie von Geisterhand. Nach nur wenigen Minuten sind Mensch und Tier wieder auf dem richtigen Weg.

Und auch eine „Ausbrecherkönigin“ bringt Lea Steffens nicht aus der Ruhe. Als solche bezeichnet sie mit einem Augenzwinkern Tiere, die es irgendwie über den Elektrozaun schaffen. „Wenn ich morgens ein Tier zum ersten Mal außerhalb des Zauns entdecke, unternehme ich noch nichts. Beim zweiten Mal markiere ich es mit Sprühfarbe. Beim dritten Mal kommt es zum Schlachter.“ Zu groß ist sonst die Gefahr, dass es Nachahmer findet.

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