Influencerin Jana Highholder in der Stadtkirche
Scharfzüngig und einfühlsam zugleich

Tecklenburg -

Mit kraftvoller Stimme trägt Jana Highholder ihre Gedichte vor – frei, ohne Spickzettel, als kämen die Worte direkt aus ihrem Herzen. In der Stadtkirche hallen sie wieder und scheinen besonders die vielen jungen Gottesdienstbesucher anzusprechen. Die sind das natürliche Publikum der 20-jährigen Studentin aus Münster, die am Sonntag im Rahmen der Reihe „Inspiration am Abend“ in Tecklenburg zu Gast war.

Montag, 30.09.2019, 20:00 Uhr aktualisiert: 01.10.2019, 18:04 Uhr
Zwiegespräche über den Alltag: Jana Highholder und Björn Thiel sinnieren in der Stadtkirche über den Prozess des Suchens und Findens.
Zwiegespräche über den Alltag: Jana Highholder und Björn Thiel sinnieren in der Stadtkirche über den Prozess des Suchens und Findens. Foto: Dario Sellmeier

Manche kennen sie bereits aus ihrem Youtube-Kanal „Jana glaubt“, auf dem sie für die evangelische Kirche jungen Menschen in kurzen Videos christliche Inhalte nahezubringen versucht, 150 sind es mittlerweile schon. „Das war damals für mich ein Schritt ins offene Feuer“, geht sie auf die harte Anfangszeit ein. Viele der Anfeindungen, die sie dafür immer noch bekommt, empfindet sie als unfair. „Diejenigen sollten die Zeit, in der sie mich kritisieren, vielleicht lieber in etwas Sinnvolles investieren“, gibt sie sich kämpferisch. Mit dem Titel „Gottes Influencerin“, der ihr von diversen Medien verpasst wurde, könne sie hingegen gut leben, das sei sie gerne. „Denn Kirche auf Youtube ist kein Fortschritt, sondern dafür ist es allerhöchste Zeit“, prangert sie die Versäumnisse im Multimediabereich an. „Die Kirche ist die einzige Religionsgemeinschaft, die immer noch Flyer druckt.“

So scharfzüngig Highholder in ihrer Kritik ist, so einfühlsam sind auf der anderen Seite ihre Texte geraten, die sie im Wechsel mit korrespondierender musikalischer Untermalung der Band „Stückwerk“ präsentiert. Haben sie zu Beginn noch den Lobpreis Gottes zum Thema, wenden sie sich später auch der Unsicherheit und der Klage zu, verlieren dabei aber nie die Hoffnung. An sprachlichen Bildern überreich stellt sie die Leistungsgesellschaft und Sinnentleertheit einer „Welt, die verspricht, was sie nicht hält“ der Geborgenheit und Unverletzbarkeit in Gott gegenüber. Die Alltagsbeispiele, die sie in Zwiegesprächen mit Pfarrer Björn Thiel für den Prozess des Suchens und Findens anführt, scheinen die meisten Besucher nachvollziehen zu können. „Ich höre so oft, Glaube sei etwas für Schwache. Das stimmt nicht. Glaube ist etwas für Einsichtige“, ist sie überzeugt und rät zu mehr Demut.

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