Premiere des Krokodiltheaters
Vergnügen zwischen Sinn und Unsinn

Tecklenburg -

Dass Mephisto nicht immer als grauslige Höllengestalt daherkommen muss, diese Erfahrung machten am Samstagabend die Premierenbesucher des neuen Stücks des Krokodiltheaters: „Pudels Kern“. Auf der Bühne in der prall gefüllten Remise von Haus Marck stand nicht der weißgesichtige Teufel, sondern ein Pudel. Und der sitzt eines Tages auf der Türschwelle der Hundesalon-Besitzerin Helene, die mit ihrem Leben hadert.

Montag, 30.09.2019, 19:00 Uhr aktualisiert: 01.10.2019, 18:04 Uhr
Hendrikje Winter als quirliger Faust-Ersatz und Roman Metzner als ruhender Gegenpol: Das Stück „Pudels Kern“ ist ein kurzweiliges Vergnügen.
Hendrikje Winter als quirliger Faust-Ersatz und Roman Metzner als ruhender Gegenpol: Das Stück „Pudels Kern“ ist ein kurzweiliges Vergnügen. Foto: Dario Sellmeier

Strafen vom Hygieneamt, ein schlecht laufendes Geschäft, Unzufriedenheit mit dem eigenen Erscheinungsbild – es gibt wenig, was sie noch auf dieser Welt hält. In diese Verzweiflung grätscht der Pudel hinein, der ihr Schönheit und Jugend verspricht – im Tausch für ihre Seele. Wohlwollend „beobachtet“ wird das alles von einem blinden Akkordeonspieler, der behutsam versucht, Helene mit sich selbst zu versöhnen. Das ist nicht so einfach, denn der Mensch ist schwach. Und so muss Helene erst durch eine Odyssee vermeintlich perfekter Lebensentwürfe reisen, um dann festzustellen, dass nichts davon sie wirklich glücklich macht, weder neue Kundschaft für ihren Salon, noch romantische Treffen mit ihrem Schlagerschwarm.

Hendrikje Winter glänzt als lebensnaher Faust-Ersatz, ein quirliges Opfer der Midlife-Crisis, und spielt allein mit so geballter Energie wie sonst ein ganzes Ensemble, während Roman Metzner in seiner Rolle als Gott einem ruhenden Gegenpol gleich die musikalischen Akzente beisteuert. Ist er den Zuschauern schon aus früheren Produktionen wie dem „Struwwelpeter“ bekannt, zeigt er auch in dieser Produktion wieder sein Können zwischen Rock und Chanson. Am eindrucksvollsten zeigt sich das im von beiden im Duett gesungenen „I want to break free“.

Den größten Reiz machen die vielen kleinen und großen Puppen aus, die mal knuffig, mal frech daherkommen, immer aber für Lacher sorgen und von Winter mit herziger Individualität ausgestattet werden.

„Pudels Kern“, das die zweite Spielzeit des „Theaters am Wasserschloss“ eröffnet und für das Krokodiltheater den Schritt ins mittlerweile 32. Bühnenjahr darstellt, ist ein kurzweiliges Vergnügen zwischen Sinn und Unsinn, das immer wieder die großen philosophischen Themen streift, ohne dabei aber in den Pathos der goetheschen Vorlage zu verfallen oder diese wild zu zitieren. Stattdessen entsteht ein liebenswerter Klamauk mit viel Situationskomik und Musik, der das Publikum zum Mitsingen und Mitklatschen animiert.

Der familiäre Charakter der Bühne zeigt sich einmal mehr darin, dass Cheftechniker und Begründer Max Schaetzke die Zuschauer im Anschluss zu einer kleinen Premierenfeier einlädt: ein Sekt auf eine weitere gelungene Produktion.

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