Klön- und Kreativkreis des Geschichts- und Heimatvereins
Erinnerungen lebendig halten

Tecklenburg -

Im kommenden Jahr ist das Ende des Zweiten Weltkrieges (1945) 75 Jahre her. Die Zahl der Menschen, die das Schrecken hautnah und tagtäglich miterlebt haben, wird immer geringer. Zeitzeugen sind nur noch rar gesät. Umso wichtiger ist es verschiedenen Vereinen und Institutionen, Erinnerungen an das Geschehen von damals für kommende Generationen zu erhalten. Dazu gehört auch der Tecklenburger Klön- und Kreativkreis.

Freitag, 04.10.2019, 22:00 Uhr aktualisiert: 07.10.2019, 17:18 Uhr
Einmal im Monat trifft sich der Klön- und Kreativkreis, um Erinnerungen auszutauschen. Sie werden später in Broschüren für die Nachwelt festgehalten.
Einmal im Monat trifft sich der Klön- und Kreativkreis, um Erinnerungen auszutauschen. Sie werden später in Broschüren für die Nachwelt festgehalten. Foto: Luca Pals

Im kommenden Jahr ist das Ende des Zweiten Weltkrieges (1945) 75 Jahre her. Die Zahl der Menschen, die das Schrecken hautnah und tagtäglich miterlebt haben, wird immer geringer. Zeitzeugen sind nur noch rar gesät. Umso wichtiger ist es verschiedenen Vereinen und Institutionen, Erinnerungen an das Geschehen von damals für kommende Generationen zu erhalten. Dazu gehört auch der Tecklenburger Klön- und Kreativkreis. Dieser trifft sich einmal im Monat bei Kaffee und Keksen in netter Runde. Im Kulturhaus sind verschiedene Aspekte der Tecklenburger Geschichte an jedem ersten Mittwoch im Monat Thema. Zuletzt ging es um die Gärtnerei Meier.

Es ist nur verständlich, dass die Erinnerungen schwächer werden, je länger die Ereignisse zurück liegen. Doch gemeinsam kommt die Runde – zu der an diesem Mittwoch neun Tecklenburger gehören – den Geschehnissen vergangener Zeiten immer näher. Unter der Leitung von Marielies Saatkamp wird gegrübelt und ein Blick in den Rückspiegel geworfen. Saatkamp leitet den Klönkreis und fragt immer wieder interessiert nach. „Wie groß war denn die Gärtnereifläche von damals?“

Über viele Einzelheiten ist sich die Runde nicht sicher, aber die Erinnerungen an die Gärtnerei malen mit der Zeit ein scharfes Bild: Von der Pagenstraße bis zu einem Fachwerkhaus an der Lengericher Straße habe sich die Gärtnerei von Otto Meyer erstreckt. Zahlreiche Gemüse- und Blumenbeete hätten sich mit Gewächshäusern und Baumkulturen abgewechselt. Über die genaue Größe der Gärtnerei – die auch eine Baumschule integriert hatte – sind sich die Zeitzeugen uneinig, über den Besitzer lässt sich mehr sagen. Eine Dame erinnert sich: „Er war in Tecklenburg ein sehr angesehener Mann.“ Ihre Nachbarin ergänzt: „Ja, weil er so witzig war.“ Saatkamp: „Er war ja auch im Stadtrat und konnte einfach gut mit den Menschen umgehen.“ Ein Beispiel, wie der Klönkreis es schafft, aus verschiedenen Erinnerungen ein deutlicheres Bild zu entwerfen.

1986 sei die Gärtnerei in den Besitz der Familie Budke gegangen. Diese übergab sie an Beetmann, welche noch heute eine Baumschule in Ledde leite, so die Runde.

Zwei interessante Punkte kennt die Gruppe noch: Als Kaiser Wilhelm II. 1907 dem Burgstädtchen einen feierlichen Besuch abgestattet hatte, war Tecklenburg mit Blumen geschmückt – natürlich von der Gärtnerei Meyer. Erinnerungen an die Festlichkeit sind unter anderem im Buch „Das Tor zur Altstadt“, welches der Klönkreis vor einigen Jahren herausgebracht hat, zu sehen. Bilder von damals erinnern an die große Pracht beim Empfang des hohen Gastes.

Auch interessant: Während des Zweiten Weltkrieges mussten viele sowjetische und einige französische Kriegsgefangene den Tecklenburger Bauern auf dem Feld helfen. Bei diesen konnten sie nicht schlafen und wurden gesammelt in Räumen der Gärtnerei untergebracht, berichten die Zeitzeugen und ergänzen: „Es waren aber wirklich nicht viele Gefangene.“ Über das weitere Schicksal dieser Menschen sei nicht viel überliefert worden und so rätselt die Gruppe lange, was mit den Männern geschehen ist.

Die Geschichte eines französischen Kriegsgefangenen, den die Tecklenburger Familie Gurk versteckt hatte und der noch Jahre später eine enge Freundschaft mit der Familie gepflegt hatte, ist der Runde aber gut bekannt.

Marielies Saatkamp erklärt abschließend: „Wir wollen die Geschichte für die Nachwelt weiter aufbereiten und dabei immer wieder in Erinnerungen schwelgen.“ Zu diesem Zweck bringt der Geschichts- und Heimatverein jährlich eine Broschüre heraus.

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