Abriss der Burgruine vor 275 Jahren
Keinen Pfennig mehr für den „alten Kasten“

Tecklenburg -

Sie gab der Stadt und der ganzen Region ihren Namen: die Tecklenburg. Heute sind von der einst stolzen Feste allerdings nur noch Ruinen zu sehen, die die einstige Gestalt und Größe gerade noch erahnen lassen. 1744, vor 275 Jahren, begann ihr Abriss. Damals ordnete die preußische Regierung in Berlin an, alle Gebäude der Anlage, die nicht mehr gebraucht wurden, meistbietend auf Abbruch zu verkaufen.

Donnerstag, 24.10.2019, 22:00 Uhr aktualisiert: 25.10.2019, 17:06 Uhr
Das Burgtor ist ein noch heute bestehendes Zeugnis der alten Tecklenburg.
Das Burgtor ist ein noch heute bestehendes Zeugnis der alten Tecklenburg. Foto: Christof Spannhoff

Kein geringerer als der Preußenkönig Friedrich der Große (1712 bis 1786, König seit 1740) soll übrigens die Tecklenburg aufgegeben haben. Als er sie auf dem Reiseweg in die Niederlande in Augenschein genommen hat, soll er ausgerufen haben: „Keinen Pfennig mehr für den alten Kasten!“ So heißt es zumindest in einer Erzählung aus der Bauerschaft Wechte, die der Heimatforscher Friedrich Rohlmann (1889–1943) im „Tecklenburger Heimatkalender“ 1930 veröffentlichte.

Von der Tecklenburg erhalten bleiben sollten lediglich das Torhaus mit dem Archiv, die Kanzlei, das Gefängnis und die Schlosskirche, die den Lutheranern in Tecklenburg als Gotteshaus diente. Letztere war aber bereits so baufällig, dass sie 1750 wegen Einsturzgefahr nicht mehr benutzt werden konnte.

1745 waren bereits die Glocke, die Öfen und die Uhr aus der Burg der Leedener Äbtissin überreicht worden. Das hatte vielleicht nostalgische Gründe, stand doch damals die Grafentochter Sophia Johanna von Bentheim-Tecklenburg dem Stift vor, die 1666 auf der Tecklenburg geboren wurde.

Große Teile des Burggeländes wurden an Tecklenburger Bürgerfamilien in Erbpacht vergeben. Mit dem Erlös sollten die verbliebenen Burggebäude repariert, der Rest für die Pflasterung der Straßen Tecklenburgs verwendet werden. Die Steine der Tecklenburg wurden im ganzen Tecklenburger Land zum Bau von Häusern, Straßen und Brücken zweitverwertet. Noch 1806 soll die Umflutbrücke in Ladbergen aus Steinmaterial der Feste hergerichtet worden sein. Im Hotel „Drei Kronen“ kann man bis heute einen Kamin aus der alten Tecklenburg bestaunen.

Das Ende der um 1100 errichteten Tecklenburg wurde bereits in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts eingeläutet. Reparaturmaßnahmen der 1670er Jahre am Tecklenburger Stammsitz deuten darauf hin. Die ständig in Finanznöten befindlichen Grafen hatten die Burg verfallen und die Bausub-stanz marode werden lassen. Dieser massive Reparaturstau wurde besonders deutlich, nachdem die Grafschaft Tecklenburg – nach einem über ein Jahrhundert andauernden Erbschaftsprozess – zunächst an die Grafen von Solms-Braunfels und schließlich 1707 an Brandenburg-Preußen gefallen war.

Die Preußen sicherten zunächst die vom Einsturz bedrohten Bauten der Burg. 1720 wurde dann der Festungsbaumeister d’Etan nach Tecklenburg beordert, um sich ein Bild vom Zustand der Gebäude zu machen. Er sollte daraufhin einen Plan ausarbeiten, nach dem die Tecklenburg zu einer modernen Festung um- und ausgebaut werden sollte. Diese Maßnahmen gingen aber vor allem aus logistischen Gründen der Materialbeschaffung nur sehr schleppend voran. Es zeigte sich schließlich, dass sich das Umbauvorhaben aus technischen und finanziellen Gründen nicht verwirklichen ließ. Hinzu kam, dass die strategische Funktion der Tecklenburg nicht die horrenden Ausgaben rechtfertigte. Der Ausbau wurde also gestoppt, um weitere Kosten zu vermeiden.

Doch konnten die Preußen aus taktischen Gründen eine Festungsanlage, wenn sie auch nur in Teilen fertiggestellt war, nicht unbesetzt bestehen lassen. Eine mögliche Besetzung durch feindliche Truppen in Kriegszeiten stellte eine zu große Gefahr dar. Deshalb musste die Burg geschleift werden und man begann 1744 mit dem Abbruch. Damit war das Ende der Tecklenburg besiegelt.

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