Veranstaltungsreihe zum Theologen Karl Barth
Ein streitbarer Diener Gottes

Tecklenburger Land -

„Schweizer! Ausländer! Hetzer! Friedestörer!“ – Das ist der Titel einer Ausstellung über einen Theologen. Nicht irgendeinen, Karl Barth gilt als einer der bedeutendsten Theologen, wird im Protestantismus als „Kirchenvater des 20. Jahrhunderts“ bezeichnet. Eine Beschreibung, die der evangelisch-reformierte Theologe für sich ablehnte.

Samstag, 26.10.2019, 07:31 Uhr aktualisiert: 26.10.2019, 07:40 Uhr
Pfarrerin Adelheid Zühlsdorf-Maeder von der evangelischen Erwachsenenbildung und Superintendent André Ost präsentieren Flyer und Ausstellungs-Begleitheft zur Veranstaltungsreihe vom 29. Oktober bis 17. November über den Theologen Karl Barth (Bild rechts).   
Pfarrerin Adelheid Zühlsdorf-Maeder von der evangelischen Erwachsenenbildung und Superintendent André Ost präsentieren Flyer und Ausstellungs-Begleitheft zur Veranstaltungsreihe vom 29. Oktober bis 17. November über den Theologen Karl Barth (Bild rechts).    Foto: Michael Baar/Karl-Barth-Gesellschaft

Bekannt geworden ist er mit seinen Kommentaren zu den Römerbriefen, die er zwischen 1919 und 1922 veröffentlicht hat. Für den evangelischen Kirchenkreis Tecklenburg Anlass, in Kooperation mit der evangelischen Erwachsenenbildung an den „radikaldemokratischen Sozialisten“ zu erinnern. „Es gibt wohl keinen Theologie-Studenten, der sich nicht mit ihm befasst hat“, ist André Ost überzeugt.

Der 1886 in Basel geborene Barth wandte sich gegen die politische Instrumentalisierung auch der Kirche, beginnend im Jahr 1914, als der Erste Weltkrieg ausbrach. Ein Dorn im Auge war dem Theologen die Kritiklosigkeit des deutschen Protestantismus gegenüber dem Kaiser und der Reichsregierung, beschreibt der Superintendent die ersten Schritte des Schweizers.

Karl Barth hat sich immer dagegen gewehrt, Gott zu instrumentalisieren“, sagt Adelheid Zühlsdorf-Maeder von der evangelischen Erwachsenenbildung. Die Pfarrerin hat die Ausstellung und die damit verknüpfte Veranstaltungsreihe maßgeblich mitkonzipiert hat, stellt André Ost im Gespräch fest.

Von 1921 an lehrte Barth als Professor an den Universitäten in Göttingen, Münster und Berlin. Seine Römerbrief-Kommentare gelten als Basis der Dialektischen Theologie. Mit der Machtergreifung der Nazis geriet der Theologe in deren Fokus. Karl Barth war maßgeblich an der Erstellung der Barmer Theologischen Erklärung beteiligt, Mitbegründer der Bekennenden Kirche und rief 1938 – da lebte er schon drei Jahre wieder in der Schweiz – Christen zum bewaffneten Widerstand gegen den Nationalsozialismus auf. „Er war ein politischer Mahner und radikaler als beispielsweise Martin Niemöller“, sagt der Superintendent.

Aber trotz dieses Engagements „ist er in erster Linie immer Theologe geblieben“, merkt Adelheid Zühlsdorf-Maeder an. Mit der bevorstehenden Vortragsreihe soll        zum   einen der     Kirchenmann Karl Barth näher gebracht werden, zum anderen die von ihm ausgegangenen Impulse, „nicht nur für die Kirche, auch für die Gesellschaft“, erläutert die Pfarrerin.

Veranstaltungen

Eröffnungsveranstaltung „Leben und Werk von Karl Barth“, Referent Professor Dr. Eberhard Busch, 19 bis 21.15 Uhr, evangelische Friedenskirche in Büren. : Wanderausstellung zum Karl-Barth-Jahr 2019, evangelische Friedenskirche Büren, montags bis samstags 15 bis 18 Uhr, sonntags 11 bis 17 Uhr. Zentraler Reformationsgottesdienst des evangelischen Kirchenkreises, 19 bis 21.15 Uhr, evangelische Friedenskirche Büren. „Karl Barth und Wolfgang Amadeus Mozart“, Lesung aus Barth-Texten (Altpräses Dr. Alfred Buß) mit Musik von Mozart (Benjamin Pfordt, Orgel, und Florian Kubzcek, Trompete), 17 bis 19.15 Uhr, evangelische Friedenskirche Büren. „Christus und die Kirche – Karl Barths Sicht auf die evangelische Kirche und ihre Zukunft“, Referent Professor Dr. Michael Beintker, 19 bis 21.15 Uhr, evangelische Friedenskirche Büren. „Hat uns Karl Barth heute noch etwas zu sagen?“, Referent Professor Dr. Michael Weinrich, 19 bis 21.15 Uhr, evangelische Friedenskirche Büren. „Glaubensheiterkeit – Erfahrungen und Begegnungen mit Karl Barth“, Ausstellungseröffnung, 17 bis 19.15 Uhr, evangelische Kirche Hohne. Ausstellung „Glaubensheiterkeit“, evangelische Kirche Hohne, montags, dienstags, donnerstags, freitags 17 bis 19 Uhr, samstags 14.30 bis 16.30 Uhr. „Die befreiende Wahrheit Gottes bekennen – Karl Barths Theologie als Ermutigung zum Christsein“, Referent Superintendent i.R. Hans Werner Schneider, 19 bis 21.15 Uhr, evangelische Kirche Hohne. „Der fröhliche Partisan Gottes“, Kirchenkino, 19 bis 21.15 Uhr, evangelische Kirche Hohne. „Der Friede ist der Ernstfall – Karl Barths Friedensengagement“, Gottesdienst und Abschlusswanderung, 11 bis 13.15 Uhr, evangelische Kirche Hohne.

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„Man muss im Hinterkopf haben, dass das Christentum heute nicht mehr so in der Gesellschaft verankert ist wie zur Barths Zeit“, weist André Ost auf die Perspektive hin, mit der man sich der Ausstellung nähern sollte. „Wir wären froh, wenn die Leute Karl Barth entdecken könnten“, ergänzt Adelheid Zühlsdorf-Maeder.

Von einer „Verantwortung für die Schöpfung aus dem Glauben heraus“ spricht der Superintendent und ist gespannt, wer sich auf die Geschichte und Texte des Schweizer Theologen einlässt. Der war verheiratet, Vater von fünf Kindern und lebte mit Ehefrau und Geliebter – die offiziell seine Mitarbeiterin ist – unter einem Dach.

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