Familienforscher auf „Spurensuche“
Der Sohn als Wurzel allen Übels

Tecklenburg -

Es war ein grausamer Plan, den Friedrich Wilhelm Kottmann 1828 fasste: Er wollte seinen neugeborenen Sohn umbringen, denn, wenn das Kind nicht wäre, sähe seine Welt gleich ganz anders aus. Das redete er sich ein und Schritt zur Tat. Er vergiftete das Kind und wurde später zum Tod verurteilt. Doch warum hat der junge Vater das gemacht? Die Geschichte hinter der Geschichte wird in dem Bericht „Kindsmord in Tecklenburg“ erzählt.

Donnerstag, 02.01.2020, 19:00 Uhr
Das Titelblatt des neuen Heftes „Spurensuche“: Die Autoren begeben sich nicht nur auf die Suche nach Spuren in der Familien-, sondern auch der Kriminalgeschichte.
Das Titelblatt des neuen Heftes „Spurensuche“: Die Autoren begeben sich nicht nur auf die Suche nach Spuren in der Familien-, sondern auch der Kriminalgeschichte. Foto: Paul Meyer zu Brickwedde

Es war ein grausamer Plan, den Friedrich Wilhelm Kottmann 1828 fasste: Er wollte seinen neugeborenen Sohn umbringen, denn, wenn das Kind nicht wäre, sähe seine Welt gleich ganz anders aus. Das redete er sich ein und Schritt zur Tat. Er vergiftete das Kind und wurde später zum Tod verurteilt. Doch warum hat der junge Vater das gemacht? Die Geschichte hinter der Geschichte wird in dem Bericht „Kindsmord in Tecklenburg“ erzählt. Recherchiert und geschrieben hat sie Renate Dry. Nachzulesen ist sie im Heft „Spurensuche“ der Familienforschung im Tecklenburger Land. Es befasst sich mit Kriminalfällen und birgt so manchen spannenden Artikel.

Doch zurück zu dem Kindsmord. Renate Dry taucht tief ein in die Historie der Familie Kottmann. Kirchenbücher und das Zentralregister Tecklenburg gehörten zu ihren Quellen.

Friedrich Wilhelm Kottmann verlor im Alter von vier Jahren seinen Vater. Seine Mutter, die den Zimmereibetrieb ihres Mannes allein nicht weiterführen konnte, heiratete den viele Jahre jüngeren Tischler Johann Ernst Suhre aus Lienen. Nun wuchs der kleine Friedrich Wilhelm in einer großen Familie auf mit Tanten, Onkeln und Großmutter. Friedrich Wilhelm erlernte das Tischlerhandwerk und arbeitete fortan im elterlichen Betrieb.

Das Schicksal nahm seinen Lauf, als im Jahr 1826 Catharina Elisabeth Sander als Dienstmagd in den Haushalt kam. „Bei jeder sich bietenden Gelegenheit trafen sich die beiden zu heimlichen Schäferstündchen in der Bleichhütte, weit ab vom Wohnhaus. Hier glaubten sie unentdeckt zu bleiben“, heißt es in dem Bericht von Renate Dry. Und weiter erzählt sie: „Die Liebschaft blieb jedoch nicht lange geheim, und die Hausherrin hielt den beiden eine gehörige Standpauke. Für Catharina Elisabeth stand viel auf dem Spiel, sie konnte jederzeit ihre Anstellung verlieren. In Tecklenburg genoss die junge Frau keinen guten Ruf, ihr wurde ein liederlicher Lebenswandel nachgesagt, und an eine Ehe mit dem Sohn ihrer Dienstherrin war gar nicht zu denken. Friedrich Wilhelm wurde von seiner Mutter eindringlich auf die möglichen Folgen der Liebschaft hingewiesen und heftig gescholten, dass er seine Zeit besser mit seiner Arbeit als mit der Magd verbringen solle. Die Ermahnungen kamen jedoch zu spät.“

Die junge Frau war schwanger. Ihre Dienstherrin gab dem Sohn, diesem Nichtsnutz, die eigentliche Schuld an der Misere. Der Magd erlaubte sie, weiterhin im Haus wohnen zu bleiben. Im März 1828 erblickte Heinrich Friedrich Wilhelm das Licht der Welt, der sich prächtig entwickelte.

„Friedrich Wilhelm Kottmann, der Vater des unehelichen Kindes, hatte keinen leichten Stand im Haus seiner Mutter. Täglich musste er sich von den übrigen Familienmitgliedern schlimme Vorwürfe anhören, er solle gefälligst mehr arbeiten, um auch den Unterhalt für seinen Sohn bezahlen zu können. Allen voran schimpfte seine Mutter beinahe ständig mit ihm. Friedrich Wilhelm konnte es schon fast nicht mehr hören. Hätte er sich doch nur niemals mit der Magd eingelassen. Aber jetzt war es ja zu spät – oder vielleicht doch nicht?

Die Wurzel allen Übels war in Friedrich Wilhelms Augen der uneheliche Sohn. Die dauernden Nörgeleien seiner Mutter machten ihn noch ganz krank. Wenn nur das Kind nicht wäre, sähe die Welt gleich ganz anders aus, so redete Friedrich Wilhelm es sich selbst ein. Als er wieder einmal eine Schimpftirade seiner Mutter über sich ergehen lassen musste, begann er mit schrecklichen Überlegungen, wie er das Kind beiseite schaffen konnte, um diesem qualvollen Zustand ein Ende zu setzen.“

Es war schon grausam, was sich der junge Vater ausgedacht hatte: Er beschaffte sich in Lengerich Vitriolöl, angeblich, um damit einen Schrank zu beizen. Nach einem erneuten Streit mit seiner Mutter, bei dem er im Beisein von Taxator Prigge eine Ohrfeige bekam, reichte es ihm. Das Kind musste weg. Er schlich sich in die Kammer und flößte dem Säugling eine größere Menge von dem Öl ein. Er verstarb qualvoll.

Bereits einen Tag später wurde Friedrich Wilhelm Kottmann als dringend Tatverdächtiger verhaftet. Er legte schließlich ein Geständnis ab. Das Gericht verurteilte ihn wegen Mord zum Tod. Doch war es Mord? Oder doch Totschlag? War der Täter nur vermindert schuldfähig, „weil er in tiefer Schwermut versunken gewesen sei“, wie der Verteidiger ausführte? Das ist nachzulesen in dem Bericht im Heft „Spurensuche“.

Zum Thema

Erhältlich ist es für fünf Euro bei der Tourist-Information in Lengerich und in der Buchhandlung Howe in Tecklenburg. Es enthält unter anderem Artikel über Morde in Ibbenbüren und Ledde, über einen Lengericher Bauer, der 1908 niedergeschossen wurde, über eine Bäuerin und ihre Spießgesellen beim Giftmord sowie über einen Meuchelmord in Kattenvenne.

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