Französischer Kriegsgefangener Maurice Leducq
Die Spuren des Vaters gesucht

Tecklenburg -

Er hieß Maurice Leducq. 23 Jahre war er alt, als der Zweite Weltkrieg ausbrach. Damals lag sein Zuhause in Nordfrankreich. Nur ein Jahr später, 1940, kam er als Kriegsgefangener nach Tecklenburg. Zusammen mit anderen Leidensgenossen lebte er auf dem Gelände der damaligen Gärtnerei Meyer an der Pagenstraße. Maurice Leducq wurde damals gut aufgenommen und hatte auch später, nach seiner Rückkehr nach Frankreich, noch Kontakt ins Tecklenburger Land. Zu wem genau, das möchte sein Sohn Gerard Leducq gern wissen.

Dienstag, 07.01.2020, 22:00 Uhr
Die Kriegsgefangenen kamen auch zu Gottesdiensten zusammen. Das Foto hat Gerard Leducq in den Unterlagen seines Vaters gefunden.
Die Kriegsgefangenen kamen auch zu Gottesdiensten zusammen. Das Foto hat Gerard Leducq in den Unterlagen seines Vaters gefunden.

Der Franzose hat sich an das Tecklenburger Stadtarchiv beziehungsweise an Brigitte Jahnke gewandt mit der Bitte um Hilfe. Was er noch weiß, ist, dass sein Vater damals bei einem Holzschuhmacher in oder in der Nähe von Tecklenburg gearbeitet hat. Den Namen dieses Schuhmachers beziehungsweise den Standort dessen damaligen Hauses sucht er. Der Name sei eventuell Brockmann gewesen, berichtet die Archivarin und Historikerin Brigitte Jahnke.

Wie sie von Gerard Leducq erfahren hat, erkrankte dessen Vater 1941 an einer Blinddarmentzündung. Bei der Behandlung muss wohl einiges schief gegangen sein, denn damit begann eine Krankheitsgeschichte, die den Franzosen während seines ganzen Lebens – er ist 1980 verstorben – begleitet hat. Aus Unterlagen geht hervor, dass er zahlreiche Lazarettaufenthalte hinter sich hatte.

Die in Tecklenburg untergebrachten Gefangenen haben sich nach dem Krieg regelmäßig getroffen. Sie waren die Ehemaligen des „Stalag 1714 Tecklenburg“. Stalag steht für Stammlager. Von dort aus wurden die Gefangenen auf ihre Arbeitseinsätze verteilt. Auch Leducq war bei den Treffen dabei. Er hatte nach Aussagen seines Sohnes außerdem in den 1960er- oder 1970er Jahren noch Kontakt zu der Familie des Holzschuhmachers. Der Einladung zu einem Besuch konnte er allerdings aus gesundheitlichen Gründen nicht folgen.

Mehrmals wieder in Tecklenburg war hingegen Georges Purseigle. Auch er zählte damals zu den Kriegsgefangenen. Fünf Jahre lang war er dienstverpflichtet bei Familie Gurk . „Ich bin sehr gut aufgenommen worden. Sonst wäre ich ja nicht wiedergekommen, erzählte der damals 80-Jährige bei seinem Besuch im Jahr 1993. 1967 hatte der Franzose, der aus kleinem Ort bei Clermont-Ferrand in der Vichy-Region stammt, zum ersten Mal nach Kriegsende Tecklenburg besucht. Rund ein Dutzend Mal war er seitdem bei „seiner“ Familie Gurk und diese ebenso oft zum Gegenbesuch in Frankreich.

1993 berichtete diese Zeitung von dem Treffen im Burgstädtchen. Während der Gefangenschaft habe der Franzose ein besonders freundschaftliches Verhältnis zur Familie aufgebaut, erzählte damals Heinrich Gurk. Er war damals im Krieg und lernte Georges Purseigle während eines Heimaturlaubs kennen. „In jenen Tagen wurde der Grundstein zu einer Freundschaft gelegt, die nun schon über 50 Jahre währt und mittlerweile die vierte Generation einschließt. Der jüngste Besucher war gerade mal 16 Monate jung“, hieß es damals in dem Artikel. Purseigle war mit seiner Frau, den zwei Töchtern und Schwiegersöhnen sowie vier Urenkeln nach Tecklenburg gereist.

„Die Freundschaft zur Familie Gurk und manch anderem Tecklenburger rettete Georges Purseigle in den letzten Kriegstagen das Leben: Als die Kriegsgefangenen im April aus Tecklenburg abkommandiert wurden, flüchtete der Franzose. Vier angespannte Tage lang hätten ihn die Tecklenburger in einem Schafstall versteckt gehalten, bis die Engländer kamen und ihm keine Gefahr mehr gedroht habe“, erzählte der 80-Jährige bei seinem letzten Besuch.

1983 hatte die Gruppe der ehemaligen Kriegsgefangenen Tecklenburg besucht. Auch da lautete der Tenor: „Wir haben uns damals in Tecklenburg sehr wohl gefühlt.“

Zum Thema

Wer Informationen darüber hat, bei welchem Holzschuhmacher Maurice Leducq gearbeitet hat, kann sich an die Redaktion wenden (' 0 54 81/93 78 76).

...
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7176893?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F187%2F
Prozess gegen Gestütsspitze beendet
Gerichtsverfahren Landgericht
Nachrichten-Ticker