Luftangriff auf Leeden vor 75 Jahren
Stundenlang detonieren die Bomben

Tecklenburg-Leeden -

Vor 75 Jahren ist das Stiftsdorf Opfer eines Bombenangriffs geworden. Mehr als 50 Menschen starben, zahlreiche Gebäude wurden in Mitleidenschaft gezogen. An dieses Grauen erinnern die Leedener Vereine am Jahrestag, dem 8. Februar und gedenken der opfer. Zugleich soll es Mahnung sein, Gewalt und Rassismus keinen Platz zu geben.

Samstag, 08.02.2020, 06:55 Uhr aktualisiert: 10.02.2020, 17:50 Uhr
Fassungslos standen die Leedener vor den Trümmern der Kirche. Sie war von einer Bombe mit Zeitzünder getroffen worden, die Stunden später explodierte.
Fassungslos standen die Leedener vor den Trümmern der Kirche. Sie war von einer Bombe mit Zeitzünder getroffen worden, die Stunden später explodierte. Foto: Fritz Kiepker

Der 8. Februar 1945 war noch keine Minute alt – da kamen die Bomber. Über dem Stiftsdorf ließen sie ihre tödliche Fracht fallen. Über 50 Menschen starben, Gebäude wie die Stiftsschänke Schwermann und der seitliche Turm der Stiftskirche wurden zerstört. Am Sonntag, 9. Februar, erinnern die Leedener Vereine an diesen schwarzen Tag in der Geschichte des Ortes. Die Kameradschaft ehemaliger Soldaten lädt dazu ein. In Vorträgen (ab 15 Uhr im Stiftshaus) werden die Ereignisse noch einmal beschrieben.

Ein schwarzer Tag in der Geschichte des Ortes

Im Februar 1979 hatten sich in Leeden Senioren getroffen, die noch von dem Bombenangriff erzählen konnten. Darüber berichtete damals diese Zeitung.

Einer dieser Zeitzeugen war Otto Schnepper. Er stand vor der Kellertür des Hauses seiner Schwiegereltern Wellemeyer, als die Bomber über Tecklenburg auftauchten. Die erste Maschine warf die Leuchtzeichen. „Das ganze Dorf war taghell erleuchtet. Dann kamen die ‚Tannenbäume‘. schwebende Leuchtbomben, wohl 25 Stück. Und sie standen genau über dem Stift“, erzählte der Leedener damals. Wenige Sekunden später hörte er die Bomben rauschen.

Die erste Maschine warf Leuchtzeichen, das ganze Dorf war taghell erleuchtet.

Otto Schnepper, Zeitzeuge

Weiter heißt es in dem Zeitungsbericht: „Die erste Bombe, die eine Ecke des Saales Schwermann wegriss, tötete gleich drei oder vier Menschen. In dem Saal waren etwa 80 bis 100 Ausländer untergebracht, das Arbeitskommando Todt. Die meisten von ihnen waren Holländer, aber auch Tschechen, Polen und Russen waren dienstverpflichtet. Die erste Explosion verwundete viele von ihnen. Man brachte sie alle in die Stiftsschule, wo sie von Dr. Schultebeyring, Dr. Steinmann und einer Krankenschwester betreut wurden.

Die Helfer konnten ihr pflegerisches Werk nicht lange verrichten. Etwa drei Stunden nach dem Angriff gingen die mit Zeitzündern ausgestatteten Bomben hoch, die in Schulnähe gefallen waren. Alle Verwundeten, es waren fast 50 Ausländer, die deutsche Lehrerin Swantje Jörn, Brandmeister Dölling und Oberfeuerwehrmann Tiemann aus Leeden wurden von den Trümmern begraben

Den ganzen Tag über detonierten Bomben

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Die Nacht und den ganzen Tag über detonierten die Bomben in und um Leeden. In den Morgenstunden zerstörte eine Bombe die Kirche. In der Straße vor dem Hause Schwermann steckte in einem Krater noch eine Zeitbombe. Das Loch war zwar abgesperrt worden, an eine Entschärfung konnte bei der Gesamtsituation niemand denken. Die Familie Schwermann zog selbstverständlich aus und blieb so unbeschadet, als die Bombe am Abend des 8. Februar hochging und das ganze Haus in Schutt und Asche legte. Die Leedener Hauptstraße war nach dieser Detonation nun ein einziges Loch.

Viele Häuser, so auch das Stiftshaus, wurden durch die Luftwellen der Explosionen beschädigt. Ein grauenhaftes Bild bot der alte Friedhof an der Kirche. Bomben hatten den Boden aufgewühlt. In den Trichtern wurden Skelette sichtbar.

Die Frage, warum das Stiftsdorf von einem Bomberverband heimgesucht wurde, wird wohl nie genau beantwortet werden. Die Senioren verfolgen verschiedene Theorien: Vielleicht galt die Ladung Bomben dem Kanal und die Maschinen wurden abgetrieben und wollten die Fracht über Leeden einfach loswerden. Oder vielleicht galt der Angriff der Reichsbahn oder dem Öllager im Habichtswald?“

Am eigentlichen Ziel der Bomber war die Leuchtmarkierung nicht ausreichend.

Gert Schumann, Zeitzeuge

In einem weiteren Artikel in dieser Zeitung wurde ebenfalls 1979 von Gert Schumann berichtet, der 1945 als Oberfähnrich in Ladbergen-Overbeck stationiert war. Er nannte damals einen Grund für den Luftangriff auf Leeden: „Dieser beruhte auf einer Verwirrung, die dadurch eintrat, dass die englischen Bomber-Kommandanten unten im Zielgebiet eine nicht genügend mit farbigen Leuchtmarkierungen gekennzeichnete Fläche vorfanden.

Das Angriffsziel für etwa 200 englische Lancasterbomber war in dieser Nacht der Dortmund-Ems-Kanal westlich von Ladbergen. Zwischen der Hülsmann- und der Farwick-Brücke unterquerte damals in einem Düker das kleine Flüsschen Glane den Kanal. Dieser Düker war der Kernpunkt des Zielgebietes. Die Wasseroberfläche der Glane bildete den tiefsten Geländepunkt. Die Dämme des Kanals ragten aus dem umliegenden Gelände heraus, lagen also über Niveau. Ein Treffer im Kanalbett, der die Düker-Abdeckung durchschlagen würde, würde gleichzeitig ein Auslaufen des Kanals bewirken. Ein Zerbersten des Kanaldamms würde das gleiche Ergebnis zeitigen.

Der Kanal sollte zum Auslaufen gebracht werden, damit eine Versorgung der mitteldeutschen Industrie mit Kohle aus den Zechen des Industriegebietes an der Ruhr unterbunden wurde“, heißt es abschließend.

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