Turm erinnert an Jan Wier
Vorreiter im Kampf gegen Hexenwahn

Tecklenburg -

Nach Tecklenburg gekommen ist Jan Wier im Januar 1588, um dem Grafen ärztliche Hilfe zu leisten. Am 29. Februar, vielleicht auch am 24. Februar, ist er in der heutigen Festspielstadt gestorben. Der gebürtige Niederländer war einer der ersten Kämpfer gegen den Wahn der Hexenverbrennung. Nicht nur deshalb erinnert an ihn der Wierturm auf dem Burggelände.

Samstag, 29.02.2020, 06:07 Uhr aktualisiert: 01.03.2020, 16:32 Uhr
Der Wierturm auf dem Burggelände ist 1884 errichtet worden als Gedenkstätte an den Arzt und Gegner der Hexenverfolgung, Jan Wier. Das Bild zeigt ihn kurz vor der Renovierung im Jahr 2009.
Der Wierturm auf dem Burggelände ist 1884 errichtet worden als Gedenkstätte an den Arzt und Gegner der Hexenverfolgung, Jan Wier. Das Bild zeigt ihn kurz vor der Renovierung im Jahr 2009. Foto: Detlef Dowidat

Ob er am 29. Februar 1588 in Tecklenburg gestorben ist oder fünf Tage früher, an seinem Geburtstag, ist geschichtlich nicht sicher nachzuweisen. Fest steht aber, dass Johann Weyer, in der Festspielstadt besser bekannt als Jan Wier , einem der frühesten Bekämpfer der Hexenverfolgung, knapp 300 Jahre nach seinem Tod ein steinernes Denkmal gesetzt worden ist: der Wierturm.

Geboren wurde Jan Wier im Jahr 1515 im niederländischen Städtchen Grave. Im Alter von rund 25 Jahren war er als Arzt, entweder in Grave oder in der näheren Umgebung, tätig. Zuvor war er wohl von seinem Vater nach Antwerpen in die Obhut von Heinrich Cornelius Agrippa von Nettesheim geschickt worden. Dieser „für seine aufklärerischen Gedanken europaweit bekannte Universalgelehrte verteidigte damals Frauen, die wegen Hexerei angeklagt waren, und nahm so prägenden Einfluss auf Weyers späteres Leben“, schreibt das Magazin Spektrum der Wissenschaften in seinem Internetauftritt (www.spektrum.de). Im Magazin wird der Mediziner Johann Weyer genannt.

Der Vater schickte Jan Wier nach Antwerpen zu Heinrich Cornelius Agrippa von Nettesheim

In Paris und Orleans studierte der junge Mann aus Grave Medizin. legte sein Examen ab. 1545 nahm er eine Stelle als Landarzt in Arnheim an, schreibt das Magazin. „Dort wurde er das erste Mal mit der Realität der Hexenprozesse konfrontiert. Für ein Gerichtsverfahren sollte er das medizinische Gutachten über einen Wahrsager erstellen. Ebenso trat er als Verteidiger von der Hexerei verdächtiger Frauen auf“, schreibt das Spektrum.

Der Herzog von Kleve, Jülich und Berg holte Jan Wier 1550 an seinen Hof. Diesem widmete der Mediziner sein 1563 erschienenes Buch „Von den Vorhersehungen der Dämonen“, dessen Untertitel lauf Spektrum der Wissenschaften eher an eine Verteidigungsschrift des Hexenglaubens denken ließ. Doch es erwies sich als „schier unerschöpfliche Argumentationsfundgrube“ für alle, die wie Wier den Aberglauben bekämpften. Die Hexenverfolgung erreichte um 1560 einen ersten Höhepunkt. Jan Wier forderte, so das Magazin in seinem Bericht, „als einer der Ersten den Kaiser auf, diesem ‚wahnsinnigen Treiben‘ Einhalt zu gebieten“. Für den Mediziner waren Hexen keine Schwerkriminellen, „sondern bemitleidenswerte Kreaturen. Selbst wenn sie gestanden, konnte man sie wegen Unzurechnungsfähigkeit nicht bestrafen“. Ohne die schützende Hand seines Landesherrn wäre Jan Wier möglicherweise auch vor einem Hexengericht gelandet.

Sein Landesherr hielt eine schützende Hand über Jan Wier

1578 zog sich Jan Wier, nachdem er sein Amt als Leibarzt niedergelegt hatte, auf ein Landgut bei Kleve zurück. Er stand in den folgenden Jahren in Briefwechsel mit verschiedenen Gelehrten, Adelshäusern und Ärzten. Im Januar 1588 reiste er nach Tecklenburg, um den erkrankten Grafen zu behandeln. Dort starb Jan Wier, am 24. oder am 29. Februar, darüber gehen die Ansichten auseinander.

Jan Wier war nicht nur gegen die Hexenverbrennung, sondern auch ein großer Mediziner seiner Zeit.

Frank Bosse, Vorsitzender Geschichts- und Heimatverein Tecklenburg

Auch wenn es die Steine vermuten lassen: Der Wierturm in Tecklenburg ist kein Bestandteil der alten Burgbefestigung. Vielmehr wurde das Bauwerk aus Steinen der Burg errichtet – als Gedenkstätte für Jan Wier. Der Kampf gegen die Hexenverfolgung endete erst Mitte des 18. Jahrhunderts. Bis dahin, also weit über seinen Tod hinaus, wurden immer wieder Hexen verbrannt.

Zum 125-jährigen Bestehen des Wierturms wurde das arg in die Jahre gekommene Bauwerk renoviert. Rund 77 000 Euro haben diese Arbeiten gekostet. Damals, vor elf Jahren, sagte Frank Bosse, Vorsitzender des Geschichts- und Heimatvereins Tecklenburg: „Wir wollen deutlich machen, dass Jan Wier ein großer Mediziner seiner Zeit war, der bis heute anerkannt ist. Hier kennen ihn viele nur im Zusammenhang mit den Hexenprozessen. Das wollen wir ändern.“

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