Die Entstehung der Burg als Keimzelle der Stadt
Graf Otto reizt die gute Verkehrslage

Montag, 02.03.2020, 21:35 Uhr aktualisiert: 03.03.2020, 16:22 Uhr
Das sogenannte Löwentor, der Eingang zur Burg, stammt aus dem 17. Jahrhundert.
Das sogenannte Löwentor, der Eingang zur Burg, stammt aus dem 17. Jahrhundert. Foto: Dr. Christof Spannhoff

Ein wichtiges Element im Entstehungsprozess der Grafschaft Tecklenburg im Mittelalter war die gleichnamige Burg, die vermutlich in der Zeit verstärkten Burgenbaus zwischen 1050 und 1125 als weithin sichtbare Höhenburg angelegt wurde. Sie war das Herrschaftszentrum der sich nach ihr nennenden Grafen. Doch wann und wie entstand diese Anlage eigentlich, die auch die Keimzelle der heutigen Stadt Tecklenburg ist?

Schriftlich nachweisen lässt sie sich indirekt erstmals im Jahr 1139 mit der Nennung des Grafen Egbert von „Tengenburc“ (Tecklenburg). Dieser gehörte der Familie der Grafen von Saarbrücken an und war durch verwandtschaftliche Beziehungen und Erbrechte in den Norden Westfalens gelangt.

Verwandtschaftliche Beziehungen

Zwischen 1167 und 1191 ereignete sich dann ein Vorgang, der Rückschlüsse auf die Anfänge der Burg zulässt. Damals kaufte der Kölner Erzbischof Philipp von Heinsberg – neben zahlreichen weiteren westfälischen Festungen – die Tecklenburg für 3300 Mark, die er dann wieder als Lehen an die früheren Inhaber zurückgab. Ziel war es, eine enge politische Verbindung der Burgherren an den Erzbischof zu erreichen. Nach der Aufzeichnung in der entsprechenden Güterliste sollte Graf Simon von Tecklenburg allerdings nur 2000 Mark des Kaufpreises erhalten, den Rest von 1300 Mark der Graf von Geldern bekommen. Diese Nachricht beweist, dass die Burg Tecklenburg damals gemeinsames Eigentum sowohl der Grafen von Tecklenburg als auch der Grafen von Geldern war. Das bedeutet aber, dass beide Adelsfamilien die Burg ererbt hatten. Weder die Gelderner noch die Tecklenburger waren also vermutlich die Erbauer, sondern vielmehr deren Rechtsvorgänger und Erblasser. Das waren – nach allem, was heute bekannt ist – die Grafen von Zutphen.

Otto von Zutphen , genannt „der Reiche“ († 1113), übte das Amt des Vogtes über die Güter des Klosters Corvey an der Weser in der Diözese Osnabrück aus, zu der seit jeher auch das Tecklenburger Land gehörte. In dieser Funktion hatte er zudem einige der Corveyer Besitzungen als Lehen, nannte aber darüber hinaus Güter im Osnabrücker Raum sein Eigen. Dieser Otto, der 1063 die Herrschaft angetreten hatte, könnte daher als der Erbauer der ersten Tecklenburg anzusehen sein. Vermutlich handelte es sich um eine steinerne Turmburg mit Mauer und Graben – vergleichbar mit der Burg Holte bei Bissendorf.

Urkunde von 1184

Eine andere Urkunde, die aus dem 1184 stammt, wirft ein weiteres Schlaglicht auf das Entstehungsdunkel. Darin heißt es: „Fuit quondam in terminis nostris castrum Bardenburg dictum, quod nunc in Tikeneburgense castrum est demutatum, cui domus agriculture Bardenchusen dicta contigua erat, cujus omnis possessio et utilitas dominis castri Tikeneburgensis hereditario semper jure pertinebat“, was man so übersetzen kann, dass eine Verlegung des Wohnsitzes der Bewohner der Bardenburg bei Oesede zur 16 Kilometer Luftlinie entfernten Tecklenburg stattgefunden habe. Und wirklich ist es sehr wahrscheinlich, dass Otto von Zutphen auch Besitzer der genannten Bardenburg mit dem Wirtschaftshof Bardinghaus und dem zugehörigen Sundern (Sonderrechtsbezirk, zumeist als Wald genutzt) gewesen ist.

1118 übten seine Witwe Judith und sein Sohn Heinrich noch markenherrliche Rechte in Oesede aus. Zudem scheint die Bardenburg seit dem 9. Jahrhundert Eigentum des Klosters Corvey gewesen zu sein, das zwischen 836 und 891 von der Edlen Wigsvit das Gut Bardonhusen tradiert bekam. Möglicherweise trug Otto von Zutphen also die Bardenburg zu Lehen des Klosters und erbaute später – vermutlich um 1100 – die Höhenburg Tecklenburg an einer mittelalterlichen Passstraße über den Teutoburger Wald. Der Grund der Verlegung des Herrschaftsschwerpunktes von der alten, schon im Frühmittelalter bestehenden Bardenburg zur neuen Tecklenburg mag in dieser günstigeren Verkehrslage zu suchen sein.

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