GAG-Schülerfirma „TECKdigital“ behauptet sich am Markt
Theorie in die Praxis umgesetzt

Tecklenburg -

Eine erfolgreiche Firma zum Auslaufmodell machen? Eigentlich kaum denkbar. Und deshalb wollen auch die Protagonisten von „TECKdigital“ dafür sorgen, dass es mit ihrem Unternehmen weitergeht. Es sind sieben Schüler vom GAG, die bald Abitur machen und dann das Gymnasium verlassen. Dort aber ist „TECKdigital“ beheimatet.

Mittwoch, 04.03.2020, 17:38 Uhr aktualisiert: 05.03.2020, 17:08 Uhr
Eine eigene Firma aufbauen – wie viel Arbeit hinter Struktur und Entwicklung steckt, haben Schülerinnen und Schüler des Graf-Adolf-Gymnasiums im vergangenen Jahr miterlebt. Die „TECK-Boards“ in den Räumlichkeiten der Schule ersetzen die üblichen schwarzen Bretter und kamen sehr gut an.
Eine eigene Firma aufbauen – wie viel Arbeit hinter Struktur und Entwicklung steckt, haben Schülerinnen und Schüler des Graf-Adolf-Gymnasiums im vergangenen Jahr miterlebt. Die „TECK-Boards“ in den Räumlichkeiten der Schule ersetzen die üblichen schwarzen Bretter und kamen sehr gut an. Foto: Luca Pals

Eine Firma aufbauen, deren Struktur immer wieder neuen Bedürfnissen anpassen, eigene Produkte entwickeln und optimieren: Dahinter steckt eine ganze Menge Arbeit. Bedenkt man, dass die „Mitarbeiter“ noch zur Schule geben und mit den Vorbereitungen auf die anstehenden Abiturklausuren eigentlich genug um die Ohren haben müssten, lässt sich schnell der vielzitierte Hut ziehen. Sieben Schülerinnen und Schüler aus der Oberstufe des Graf-Adolf-Gymnasiums (GAG) schaffen seit einem Jahr den Spagat zwischen Lernstoff und der Schülerfirma „TECK-digital“.

Kurz vor Ostern 2019 kam die Idee auf, erzählt Schüler Fritz Fehlert. „Wir haben uns überlegt, wie wir Papier einsparen und Digitalisierung in den Vordergrund stellen können.“ Herausgekommen ist das „TECK-Board“: Papierlisten sind damit auf dem Rückmarsch. In dreifacher Ausführung hängen diese Bildschirme in der Eingangshalle der Schule und informieren Jungen und Mädchen über alles wichtige rund um den Alltag. Eine digitale Pinnwand, die so gut ankam, dass Bürgermeister Stefan Streit Interesse für das Rathaus angemeldet hat. Auch Schulleiterin Evelyn Futterknecht steht der Idee positiv gegenüber: „Wir brauchen die Boards unbedingt im Lehrerzimmer.“

Spricht die Schulleiterin von der GAG-Schülerfirma, kommt sie aus dem Schwärmen kaum heraus: „Unsere Schule will sich technisch breiter aufstellen. Dass dafür die Motivation von innen heraus kommt, ist das beste was uns passieren kann.“

Begleitet werden die technikaffinen zukünftigen Abiturienten durch Lehrer Michael Spratte : „Das, was hier entwickelt wird, geht weit über den normalen Unterricht hinaus.“ Neben den Schüler ist ein Ehemaliger des GAG Mitglied im Team der Schülerfirma. Und die Geschäfte laufen, so Informatiklehrer Spratte. „Wir müssen sehen, dass wir uns nicht mit den Aufträgen übernehmen.“

Denn – so betont es Schüler Ernesto Wibrock – die aufstrebende Schülerfirma würde „viele Stunden in Anspruch nehmen.“ So sind sich die Schüler auch am Wochenende oder Abends nicht zu schade, den Gang in die Bibliothek auf sich zu nehmen: „Hier ist schon das inoffizielle Büro der Schüler“, schmunzelt Futterknecht.

Stichwort Büro: Die Aufträge werden von den Schülern entgegengenommen und verarbeitet. Wibrock erläutert das Prozedere: „Wir haben drei Standfüße: Unsere Boards, die wir bereits in der Schule einsetzen, ein Verteilsystem durch ‚Pick-by-Light‘-Lösung und individuelle Aufträge.“

Jüngster Erfolg sei die Zusammenarbeit mit der Firma Schulte Duschkabinenbau aus dem Sauerland (wir berichteten). Für die Lagerhalle der Firma entwickelten die Schüler ein fest installiertes System, welches mit LEDs und entsprechenden Vorgabe die passenden Produkte aus dem Regal holt und kommissioniert. Ganz schön raffiniert.

Alle Schüler der Firma haben den Leistungskurs Informatik belegt. Timo Peters und Joshua Slaar sind zurzeit für die Programmier- und Softwarearbeit verantwortlichen. Mit einem solchen Erfolg hat vor einem Jahr keiner gerechnet, betont Fehlert. Die Schulleiterin lobt: „Im Unterricht besprechen wir in der Theorie, wie Firmen aufgebaut werden – hier sehen wir es in der Praxis, ergänzt um unsere motivierten Lehrer.“

Trotz vieler innovativer Ansätze, eine Frage bleibt im Gespräch offen: Wie geht es mit der Firma nach dem Abitur weiter? Ein Auslaufmodell soll und wird es nicht werden. Darin sind sich alle Protagonisten einig.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7310797?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F187%2F
Nachrichten-Ticker